Liebt seinen Job: Ralph Brinkhaus vertritt seit 2009 den Wahlkreis Gütersloh im Parlament. - © Matthias Bungeroth
Liebt seinen Job: Ralph Brinkhaus vertritt seit 2009 den Wahlkreis Gütersloh im Parlament. | © Matthias Bungeroth

Berlin/Gütersloh Im Porträt: Der Gütersloher Ralph Brinkhaus (MdB)

Der CDU-Parlamentarier spricht über seinen Arbeitsalltag als Mandatsträger und die Vorzüge der Region Ostwestfalen-Lippe

Matthias Bungeroth

Berlin. Auf den Fluren des Jakob-Kaiser-Hauses in Berlin schrillt ein Alarm. Türen gehen auf, Bundestagsabgeordnete eilen durch die langen Gänge des Bürogebäudes hinüber in den Reichstag. Unter ihnen auch Ralph Brinkhaus, der seit 2009 den Wahlkreis Gütersloh im Parlament vertritt. Es geht um die namentliche Abstimmung über ein Gesetz zur Gleichstellung von Behinderten. „Die Opposition will mehr, als unser Entwurf besagt. Das ist ihr gutes Recht", sagt Brinkhaus nach der Abstimmung. Der Arbeitstag von Ralph Brinkhaus hat um 8 Uhr begonnen, erst gegen 22 Uhr, nach einem Gespräch mit Parteikollegen, geht er zu Ende. Als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion legt der in Wiedenbrück geborene und in Rietberg aufgewachsene Brinkhaus Wert darauf, donnerstags ab 9 Uhr im Plenum zu sein. „Man will ja ein Vorbild sein", sagt Brinkhaus. Brinkhaus Arbeitswoche begann Montag um 7.15 Uhr mit einem Deutschlandfunk-Interview, danach ging es zu TV-Stationen wie RTL und NTV. „Die haben ihr Studio um die Ecke." Der Montagabend geht in Sitzungswochen stets mit den Zusammenkünften der Landesgruppe NRW zu Ende. „Das ist sehr wichtig", sagt der 47-Jährige. Am Wochenende in der Heimat Doch mindestens ebenso wichtig ist dem Bundestagsabgeordneten aus Ostwestfalen-Lippe, der heute Kandidat für den Regionsvorsitz seiner Partei ist, der ständige Kontakt zu seiner Heimat. „Die Verankerung im Wahlkreis ist unheimlich wichtig", sagt Brinkhaus. Am Wochenende kann man ihn dort stets irgendwo antreffen, häufig steht er unter einem Sonnenschirm vor einer Bäckerei und braucht dort zumeist nicht lange auf Gesprächspartner zu warten. Da geht es dann um die Erzeugerpreise für Milch- und Schweinebauern und viele andere Themen. Viele Menschen aus seinem Wahlkreis kommen auch zu Brinkhaus in die Hauptstadt. „Ich habe mehr als 1.000 Besucher jedes Jahr", sagt Brinkhaus. So erfährt der Abgeordnete, der die Finanzpolitik als Fachgebiet hat, sehr viel über die Sorgen und Nöte der Wähler. „Wir als Abgeordnete bekommen sehr viel von den Facetten des Lebens mit", so der Abgeordnete. Der Wirtschaftswissenschaftler und selbstständige Steuerberater entschloss sich 2008, seinen Hut in den Ring zu werfen und als Nachfolger von Hubert Deittert im Wahlkreis Gütersloh für die CDU anzutreten. Heute weiß er: „Ich muss sagen, ich habe so ein Glück gehabt, dass ich in solch einer privilegierten Situation bin." Dies empfinde er auch heute noch so, wenn er im Plenarsaal des Bundestags sitze und im Angesicht des Bundesadlers Reden halten und über Gesetzesentwürfe abstimmen dürfe. An 40 Gesetzen war er allein in seiner ersten Legislaturperiode vorbereitend beteiligt. „Ich habe einen tollen Job", fasst Brinkhaus zusammen. Problem Populismus in der Politik Natürlich treiben Brinkhaus auch viele Probleme um, zum Beispiel der erstarkende Populismus in der Politik. Die entsprechenden Kräfte arbeiteten nach dem Motto: „Wir bringen euch die Welt wieder zurück, wie sie vorher war." Doch die Welt sei komplex geworden und verändere sich schnell. Antworten darauf seien schwer zu geben, aber: „Das Versprechen, dass alles wieder so wird wie früher, lässt sich nicht mehr halten." So wie in der Migrationspolitik ist der Bundestagsabgeordnete auch in anderen Feldern, wie der Renten- oder Sozialpolitik für klare Ansagen. Die Sozialversicherungen müssten „in der Leistungsfähigkeit stabil gehalten werden, ohne die folgenden Generationen zu belasten." Um solche Ziele erreichen zu können, sei es wichtig, „die langen Furchen zu ziehen". Bei diesem Prinzip könne man durchaus Anleihe beim ostwestfälisch-lippischen Unternehmertum nehmen, so Brinkhaus. Auch in anderen Dingen beweise die Region Stärke, die vorbildhaft sei. „Der Handwerkscampus ist ein Leuchtturmprojekt." Es gebe eine überwiegend gute Infrastruktur sowie eine lebendige Kulturlandschaft. „Wer hier ist, will nicht wieder weg." Denn es gebe zum Beispiel „wenige Plätze, wo man Kinder so gut großziehen kann wie in OWL". Werde er CDU-Bezirksvorsitzender, sei es sein Ziel, die Vernetzung weiter voranzutreiben. Im Sinne einer „starken, lebenswerten Region". Dies könne man als Abgeordneter besonders gut, weil man ständig mit allen Mandatsträgern in Kontakt sei. Aber auch von den Bürgern erhofft sich Brinkhaus Rückenwind für OWL: „Wir alle müssen die eigene Begeisterung für unsere Region nach außen tragen."

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