Bernd Stelter steht aufgrund eines Witzes über Doppelnamen in der Kritik. - © picture alliance
Bernd Stelter steht aufgrund eines Witzes über Doppelnamen in der Kritik. | © picture alliance

Kommentar Frau Möller-Hasenbeck muss Witze über Doppelnamen aushalten können

Darf sich Bernd Stelter über den Nachnamen von Annegret Kramp-Karrenbauer lustig machen? Er darf, sonst würde es beim Karneval bald sehr unlustig zugehen. Ein Kommentar

Bielefeld/Köln. Im Dezember vergangenen Jahres titelte das um keinen Spaß verlegene Satiremagazin Der Postillon: „Wie romantisch! Annegret Kramp-Karrenbauer heiratet Jürgen Kramer-Korbklemmer. Die CDU-Vorsitzende wolle den Doppelnamen ihres Gemahls annehmen und von nun an Annegret Kramp-Karrenbauer-Kramer-Korbklemmer – kurz AKKKK – heißen. Gabriele Möller-Hasenbeck findet derlei Späßchen vermutlich überhaupt nicht lustig – wie mittlerweile deutschlandweit bekannt ist. Und das kam so: Möller-Hasenbeck war mit ihrem Mann am vergangenen Freitag nach Köln gereist, um sich auf einer Karnevalssitzung bespaßen zu lassen. Doch Fernseh-Ulknudel Bernd Stelter machte der Dame einen Strich durch die Rechnung. Möller-Hasenbeck kaperte die Bühne Die Doppelnamen-Trägerin fühlte sich durch einen Witz des Comedian persönlich angegriffen. Den Stein des Anstoßes brachte Bernd Stelter mit folgenden Aussagen über den Doppelnamen der CDU-Vorsitzenden ins Rollen: „Die Frau heißt tatsächlich Annegret Kramp-Karrenbauer." Darauf folgte die mäßig komische Pointe „Hätte nicht ein Standesbeamter Frau Kramp-Karrenbauer warnen können?" Zuviel für Frau Möller-Hasenbeck, die es nicht mehr auf dem Stuhl hielt. Zunächst pfiff sie den Komiker aus, dann kaperte sie in ihrem Matrosen-Kostüm die Bühne und stellte den Stelter zur Rede. „Männernamen sind immer toll und Frauennamen sind immer scheiße. Und Doppelnamen sind doppelscheiße", tat Möller-Hasenbeck ihren Unmut kund. Darf Humor alles? Nun ist Humor bekanntermaßen Geschmackssache. Und gerade Veranstaltungen, die zwischen dem Elften im Elften und Aschermittwoch abgehalten werden, sind selten von humoristischem Tiefgang und subtiler Scherzhaftigkeit geprägt. Das weiß vermutlich auch Möller-Hasenbeck. Doch scheint das alte Karnevals-Credo „Humor darf alles" durch #steltergate, wie der Zwischenfall mittlerweile in sozialen Netzwerken betitelt wird, infrage gestellt. Das ist schade – auch, wenn man mit dem ganzen Karnevalsklamauk wenig zu schaffen hat. Denn die überwiegende Mehrheit im Festsaal und vor den Fernsehern möchte zur fünften Jahreszeit eben nur eines: unterhalten werden. Und das tut Bernd Stelter. Und das tun die anderen Possenreißer und Spaßkanonen dem Publikum zu urteilen nach recht gut. Komiker mit Schere im Kopf Wenn künftig aber alle Karnevalisten ihren Unmut aufgrund der Verletzung von persönlichen Befindlichkeiten äußerten, könnte die Veranstaltungsleitung gleich eine Beschwerdebox an der Bütt anbringen oder nach jeder Pointe eine Diskussion über die Zulässigkeit der eben dargelegten Witze anregen. Natürlich kämen dort die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation zum Tragen. Alternativ bestünde ebenfalls die Möglichkeit, gar keine Witze mehr vom Stapel zu lassen und sich ganz und gar dem komatösen Kölsch-Konsum zu widmen. Das kann nun wirklich niemand wollen. Wenn jeder - wenn auch misslungene - Spaß als persönlicher Angriff aufgefasst werden kann, beschneidet das die Freiheit des Karnevals, und Achtung: der Kunst. Irgendwann würde jeder Komiker mit einer Schere im Kopf herumlaufen: Darf ich das überhaupt sagen? Die Kunst ist laut Grundgesetz frei, auch und gerade zur fünften Jahreszeit. Andersherum existiert bisher kein Recht darauf, von schlechten Witzen über Doppelnamen verschont zu bleiben. Darüber hinaus sagt der Casus Karneval wenig über die Komiker, aber viel über die angeblich Angegriffenen aus, deren Selbstwahrnehmung durch eine kleine Spitze geschmälert wird. Die Powerfrau Annegret Kramp-Karrenbauer hätte über diesen Witz eines älteren Herren mit Bierbauch wohl nur stillschweigend geschmunzelt: gar kein Thema für AKK.

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