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Die neue Doppelspitze des Festivals: Helene Grass und  Albrecht Simons von Bockum Dolffs. - © Wege durch das Land
Die neue Doppelspitze des Festivals: Helene Grass und  Albrecht Simons von Bockum Dolffs. | © Wege durch das Land

Kultur Wege durch das Land: „Am Fundament rütteln wir nicht“

Interview: Intendantin Helene Grass und Dramaturg Albrecht Simons von Bockum Dolffs über ihre Pläne für das Literatur- und Musikfestival „Wege durch das Land“, das sie für ein Jahr leiten

Stefan Brams
17.09.2016 | Stand 17.09.2016, 15:26 Uhr

Das renommierte Festival „Wege durch das Land" will seine Veranstaltungen wieder auf mehr als 20 ausbauen. "Heimat und Zugehörigkeit" soll das Festival im Jahr 2017 überschrieben werden. Frau Grass, Herr Simons von Bockum Dolffs, wie groß ist Ihr Respekt vor der Aufgabe, das renommierte „Festival Wege durch das Land" zu führen? Helene Grass: Ich habe viel Respekt vor der Aufgabe, aber ich habe auch gerne Respekt davor, denn es ist eine große und sehr schöne Herausforderung mit viel Gestaltungsmöglichkeiten. Albrecht Simons von Bockum Dolffs: Der Respekt spielt bei mir keine so große Rolle, ich habe einfach große Lust auf diese Arbeit und uns steht ja auch ein erfahrenes Team zur Seite, das sehr genau weiß, was zu tun ist. Deshalb ist es für mich einfach eine lustvolle Aufgabe. Warum bedarf es einer Doppelspitze, das Festival zu leiten? Simons von Bockum Dolffs: Wir fangen ja neu an und müssen noch viel mehr Basisarbeit leisten als Frau Labs-Ehlert das nach all den Jahren noch tun musste, daher ist es gut, dass wir diese Aufgabe im Tandem angehen können. Grass: Ich möchte gar nicht alleine an der Spitze stehen. Ich finde es wunderbar, im Team zu agieren, weil es viel befruchtender ist. Wichtig ist es auch, dass wir zusätzlich eine kaufmännische Geschäftsführung haben, das schafft weitere Entlastung. Und wer ist der Chef? Simons von Bockum Dolffs: Formal bin ich für die Dramaturgie zuständig und Frau Grass ist die Intendantin, aber wir führen das Festival zusammen und einigen uns im Diskurs. Die Gesellschafter haben Sie für ein Jahr eingestellt und damit beauftragt, ein künstlerisches Konzept für die Saison 2017 zu entwickeln. Wohin soll die Reise gehen und wie viel Neuerungen wird es geben? Grass: Es stimmt, wir leiten das Festival übergangsweise. Wir sind dabei nicht mit der Absicht angetreten, alles auf den Kopf zu stellen. Die Zuschauer werden also vieles von dem wiederkennen, was das Festival ausmacht. Denn die Konzeption, einen Ort nach seinen literarischen Wurzeln zu befragen, eine Brücke in die neue Zeit zu schlagen und Literatur und Musik aufeinander und auf den Ort zu beziehen sowie die Kulinarik nicht außen vor zu lassen, ist einfach schlüssig. An diesem Fundament werden wir nicht rütteln. Und was wollen Sie verändern? Grass: Da wir andere Personen sind, anders als unsere Vorgängerin vom Theater kommen und einer anderen Generation angehören, wird es sicherlich Veränderungen bei der Auswahl der Künstler geben, aber auch hier gilt, die Gäste werden auf altbekannte Gesichter genauso treffen wie auf neue. Auch neue Orte werden sicherlich hinzukommen, aber auch das war früher ja schon der Fall. Können Sie schon neue Namen nennen? Simons von Bockum Dolffs: Leider nein, denn wir führen derzeit Gespräche mit vielen Künstlern, doch solange nicht alle Verträge unter Dach und Fach sind, möchten wir noch keine Namen nennen. Es war zu hören, dass mehr regionale Künstler einbezogen werden sollen? Grass: Ja, das ist ein Thema für uns, denn wir sind ja nicht nur Wege durch das Land, sondern gehen auch Wege mit dem Land und da soll die Region auch künstlerisch vertreten sein. Simons von Bockum Dolffs: Allerdings ist die nationale Ausstrahlung, die das Festival hat, eines unserer Alleinstellungsmerkmale und das werden wir sicherlich nicht in Frage stellen. Für mich heißt das, wir werden regionale Künstler dann einladen, wenn sie eine herausragende Ausstrahlung haben und nicht nur, weil sie aus der Region kommen. Es gab Gerüchte, dass Künstler nicht mehr auftreten wollen, weil Frau Labs-Ehlert nicht mehr an der Spitze von Wege durch das Land steht. Ist da etwas dran? Grass: Gerüchte kommentieren wir nicht. Im persönlichen Kontakt mit den Künstlern hat uns bisher niemand gesagt, dass er aus diesem Grund nicht mehr dabei sein möchte. Im Gegenteil uns wurden bisher von allen die Türen sehr weit geöffnet. Wir erfahren sehr viel Zuspruch seitens der Musiker, Autoren und Schauspieler. In diesem Jahr haben einige Künstler auf ihre Gagen verzichtet, um das Festival zu retten. Können Sie im nächsten Jahr wieder alle bezahlen? Grass: Wir planen und rechnen wieder wie in den Jahren zuvor, so dass diese solidarische Geste nicht notwendig ist. Und die Sponsoren, dank deren Engagement das Festival zuletzt über einen Etat von rund einer Million Euro verfügen konnte, sind auch weiter an Bord? Grass: Die Sponsoren-Akquise läuft derzeit auf Hochtouren und bisher sind alle Gespräche sehr erfreulich verlaufen, so dass wir sehr optimistisch sind. Simons von Bockum Dolffs: Wir spüren auch bei ihnen eine große Verbundenheit mit dem Festival. In diesem Jahr haben Sie auf Grund der Finanzprobleme die Zahl der Veranstaltungen von 30 auf 21 reduziert gehabt und rund 3.000 Karten weniger anbieten können. Wie sieht es für 2017 aus? Grass: Wir wachsen wieder und werden mehr als 20 Veranstaltungen auf die Beine stellen. Wie groß das Kartenkontingent sein wird, wissen wir noch nicht. Das Land hat seine Fördermittel wegen der nicht ordnungsgemäßen Abrechnung der bisherigen Fördersummen in den Jahren 2010-2012 gestoppt gehabt. Fördert sie das Land im Jahr 2017 wieder? Grass: Die Anträge sind gestellt, das Festival ist in regelmäßigem Kontakt mit dem Land und wir hoffen auf eine Zusage in den nächsten Monaten. Schließen Sie es aus, sich nach Ablauf des Jahres für die Leitung des Festivals zu bewerben, die ja neu ausgeschrieben werden soll? Simons von Bockum Dolffs: Es ist zu früh, dazu etwas zu sagen. Grass: Darüber reden wir im nächsten Jahr. Jetzt gilt es erstmal das Festival für 2017 auf die Beine zu stellen. Darauf sind wir fokussiert. Gibt es schon ein Motto für die nächste Auflage? Grass: Wir stellen die Saison 2017, die übrigens im Kreis Lippe eröffnet werden wird, unter das Thema „Heimat und Zugehörigkeit", weil es auf Grund der Flüchtlingskrise politisch sehr aktuell ist, aber auch weil wir das Thema „Heimat und Zugehörigkeit" künstlerisch umfassender betrachten wollen. Das Literaturbüro, das ja künstlerisch auch von Ihrer Vorgängerin geleitet wurde, wählt demnächst einen neuen Vereinsvorstand. Werden Sie darin vertreten sein? Simons von Bockum Dolffs: Nein. Grass: Ebenfalls nein. Wir konzentrieren uns ganz auf Wege durch das Land und trennen das.

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