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Brisantes Städteduell: Zwischen Bielefeld und Paderborn geht es in den 60er Jahren heftig zur Sache. - © nw
Brisantes Städteduell: Zwischen Bielefeld und Paderborn geht es in den 60er Jahren heftig zur Sache. | © nw

Paderborn/Bielefeld Das andere OWL-Derby: Schlammschlacht um den Uni-Standort

Wiki Paderborn: In den 60er Jahren gibt es zwischen Paderborn und Bielefeld einen klaren Verlierer

Jochem Schulze
02.12.2018 | Stand 02.12.2018, 18:33 Uhr

Bielefeld/Paderborn. In den vergangenen Tagen hat das Fußballspiel zwischen den Profiklubs aus Paderborn und Bielefeld für viel Gesprächsstoff gesorgt. Im Vorfeld wurden allerlei Vergleiche gezogen. Dann endete die Partie schiedlich-friedlich 2:2. Niemand war dem anderen böse.

Mit heftigen Bandagen aber ging es zwischen den beiden größten Städten in Ostwestfalen in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Sache. Nachdem die Landesregierung 1963 die beabsichtige Gründung einer OWL-Universität publik gemacht hatte, brach ein erbittertes Ringen um den Zuschlag aus. Paderborn warb mit der Tatsache, dass hier bereits im Jahr 1614 eine (später untergegangene) Universität gegründet worden war. Bielefeld führte die deutlich höhere Einwohnerzahl ins Feld.

Kein gutes Haar an der Domstadt gelassen

Als Kultusminister Paul Mikat (CDU) den liberalen Münsteraner Soziologie-Professor Helmut Schelsky in den Gründungsausschuss der OWL-Uni berief, sahen die Paderborner ihre Felle davonschwimmen. Tatsächlich sprach sich Schelsky in einem Gutachten für Bielefeld aus und ließ an der Domstadt („bildungsfern, doktrinär und wissenschaftsfeindlich") kein gutes Haar.

Als sich die CDU-FDP-Landesregierung im Herbst 1965 tatsächlich für Bielefeld entschied, begann eine Schlammschlacht. Paderborner Christdemokraten stellten sich gegen die Düsseldorfer Parteifreunde und warfen Schelsky mit Zitaten aus einer Rede, die er als Student im Jahr 1934 gehalten hatte, eine Nähe zum Nationalsozialismus vor. Die Attacke gegen den damals bereits weltweit bekannten Wissenschaftler lief aber komplett ins Leere; Paderborn musste sich stattdessen landesweit den Ruf eines schlechten Verlierers gefallen lassen.

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Der Paderborner Historiker Dietmar Klenke hat die Vorgänge in seinem Buch  „Schwarz-Münster-Paderborn. Ein antikatholisches Klischeebild" ausführlich beschrieben. Der Geschichtswissenschaftler zitiert auch Mikat, der nach eigenen Angaben nach der Entscheidung für Bielefeld von einem Parteifreund mit klaren Worten bedroht worden sei: „Lassen Sie sich nie wieder in Paderborn blicken. Wir schlagen Sie tot". An der Universität Bielefeld wurde der Lehrbetrieb 1969 aufgenommen. Die Universität Paderborn wurde 1972 zunächst als Gesamthochschule wiederbegründet. Von einer Landesregierung aus SPD und FDP.

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