Eine etwas andere Feier

Libori-Fest für die „Geschwister am Rande“ in Paderborn

Ein kleines Fest für die Menschen, die sich den Kirmes-Trubel nicht leisten können. Vor fast 40 Jahren erstmals von Ordensschwestern initiiert, tragen inzwischen viele Ehrenamtliche die Feier im Salesianum.

Schwester Elrike Tyws und Pater Bernd Hesiterkamp in der Kapelle des Salesianum. | © Marc Schröder

Marc Schröder
04.08.2024 | 04.08.2024, 16:27

Paderborn. Zu Libori pulsiert die Stadt Paderborn und Tausende Menschen sind in der Innenstadt unterwegs, feiern und genießen das Leben. Doch nicht für jeden ist diese Art zu Feiern möglich, geschweige denn erschwinglich. Für und mit den „Geschwistern am Rande“ gibt es seit Mitte der 1980er-Jahre die Feier des Lebens.

Wie es sich für eine Libori-Feier gehört, startet sie mit einem spirituellen Teil in der Kapelle des Salesianums. Auf große Förmlichkeiten verzichtet Pater Bernd Heisterkamp, und so verläuft der Gottesdienst gelegentlich im direkten Dialog mit den Besuchern. An den kleinen Gottesdienst schließt sich eine Feier im Garten des Jugendhauses an. Es gibt einen Imbiss, Getränke und Geschenke für die Gäste. Mittendrin und von den Gästen mit Freuden begrüßt: Die bald 90-jährige Schwester Elrike Tyws.

Die Vincentinerin ist seit über 50 Jahren in der Wohnungslosenseelsorge aktiv und begleitet Menschen am Rand der Gesellschaft. Die Verdrängung der Obdachlosen habe eine Mitschwester 1986 auf die Idee gebracht, dass auch diese Gruppe eine Möglichkeit habe, das Libori-Fest feiern zu können. „Wir sind dann aufs Fahrrad und an die bekannten Treffpunkte gefahren und haben die Leute eingeladen“, blickt die Schwester zurück.

Die Feier im Advent ist immer etwas größer

Heutzutage erfolgt die Einladung über das Gasthaus Padermahlzeit an der Heierstraße, und auch die Hilfsstellen von KIM, SKM und SKF weisen auf das Fest hin. Etwa 50 Gäste sind am Freitagnachmittag gekommen, etwas weniger als in den vergangenen Jahren, sagt Pater Heisterkamp. Als Leiter des Salesianums ist er seit 14 Jahren Mit-Gastgeber. Deutlich mehr Gäste kämen zur Weihnachtsfeier der „Geschwister am Rande“ in der Adventszeit.

Warum die Menschen am Rande der Gesellschaft leben, hat vielschichtige Gründe. So sorgen finanzielle Nöte, familiäre oder psychische Schicksalsschläge dafür, dass Menschen den Halt verlieren und in die Obdach- und Wohnungslosigkeit geraten. Beleg dafür sind die konstant hohen Gästezahlen bei der Padermahlzeit. Und besonders für Frauen werde es schwieriger, hat Schwester Elrike beobachtet.

Die Organisation der Arbeitsgemeinschaft hat sich über die Jahre verändert. Waren es früher vor allem Ordensschwestern, die aktiv waren, übernehmen mittlerweile Ehrenamtliche die Aufgaben rund um die Feier. Schwester Elrike und Pater Heisterkamp sind die letzten verbliebenen Ordensleute. „Der Gründungsgedanke wird beigehalten werden“, sagt Heisterkamp. Gerade das gewachsene ehrenamtliche Engagement mache das kleine Fest aus, meint Schwester Elrike, denn es vermittle den Gästen eine Wertschätzung und das sie respektvoll wahrgenommen würden.