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Jens Vogt von Peta lässt für den Tierschutz die Hüllen fallen. Die Schwestern Melanie (l.) und Nicole Schmidtmeier unterstützen ihn spontan. - © David Knapp
Jens Vogt von Peta lässt für den Tierschutz die Hüllen fallen. Die Schwestern Melanie (l.) und Nicole Schmidtmeier unterstützen ihn spontan. | © David Knapp

Paderborn Halbnackter Tierschützer protestiert vor Paderborns Rathaus

Die kurios wirkende Aktion hat einen Hintergrund, der gerade zur Weihnachtszeit an Relevanz gewinnt. Wie Passanten auf die Aktion reagierten.

David Knapp
02.12.2019 | Stand 02.12.2019, 19:29 Uhr |

Paderborn. Es ist ein skurriles Szenario, das seine Wirkung nicht verfehlt. Vor dem Rathaus steht zwischen Tannenbaum und grell leuchtenden Weihnachtsmarktbuden ein kleiner Käfig, in dem ein bis auf die Unterhose nackter Mann hockt. Passanten bleiben stehen, sind neugierig und fotografieren das sich ihnen bietende Spektakel. "Frieren Sie denn nicht?", ist die wohl häufigste Frage, die Jens Vogt, dem Mann in dem Käfig, an diesem Tag gestellt wird. Doch Vogt, 33 Jahre alt, Aktionskoordinator bei der Tierschutzorganisation Peta Deutschland geht es nicht um die Kälte, sondern um das Tierwohl. Denn wenn in drei Wochen das Weihnachtsfest ansteht, sind Haustiere ein vor allem bei Kindern gern gesehenes Geschenk. Doch "die Aufnahme eines tierischen Mitbewohners sollte niemals von einem Feiertag abhängen", erklärt Vogt. Die Aktion in Paderborn solle für das Thema sensibilisieren: "Man sieht bei jedem Lebewesen, dass es einzigartige Persönlichkeiten sind - so auch Tiere." Schnelle Ernüchterung nach dem Kauf Die Tierschutzorganisation Peta stößt sich an den Spontankäufen anlässlich des Weihnachtsfestes. Sei die Anschaffung nicht wohl überlegt, kehre bei den neuen Besitzern schnell Ernüchterung ein. "Zu laut, zu teuer, zu anstrengend, zu zeitaufwendig oder schlichtweg nicht mehr interessant", heiße es dann. Die tierischen Mitbewohner würden dann schnell zurückgebracht, landeten im Tierheim oder würden gar ausgesetzt. Ähnlich sieht das der Deutsche Tierschutzbund: "Ein Tier sollte kein Geschenk sein – schon gar kein Überraschungsgeschenk. Schließlich handelt es sich um ein Lebewesen, das nicht einfach wieder umgetauscht oder zurückgegeben werden kann, wenn es dem Beschenkten nicht zusagt", heißt es auf Anfrage der NW. Im Vorhinein müssten sich die Besitzer Gedanken machen, welches Tier zu ihnen passe. Schließlich müsse das Tier bis zu seinem Lebensende umsorgt werden. "Es kann gar nicht genug solcher Aktionen geben" "Eine Anschaffung braucht Vorbereitung - unabhängig davon, ob Weihnachten oder Ostern ist", erklärt Antje Schreiber, Sprecherin beim Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF). Zu der Entscheidung zählten Fragen nach dem eigenen Lebensstil, möglichen Allergien und der Finanzierung. Generell seien die Käufe von Haustieren zu Weihnachten aber rückläufig. In Paderborn schießen Passanten Fotos von Jens Vogt im Käfig. Sie zeigen sich verwundert, ziehen dann aber meist weiter. Nicht so Melanie und Nicole Schmidtmeier. Sie unterstützen den 33-Jährigen. Die beiden Schwestern hätten am Morgen von der Aktion erfahren und seien spontan vorbeigekommen. "Es kann gar nicht genug solcher Aktionen geben. Man verschenkt doch keine Tiere", sagt Melanie Schmidtmeier. Nach einigen Minuten wird es Vogt dann aber doch zu kalt. Er klettert aus dem Käfig, zieht die plüschigen Hundeohren ab und eine Hose an.

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