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Die Alanbrooke-Kaserne, in der außer elf denkmalgeschützten Gebäuden alles abgerissen und neu gebaut wird. Darunter sind auch die Sozialwohnungen. - © Holger Kosbab
Die Alanbrooke-Kaserne, in der außer elf denkmalgeschützten Gebäuden alles abgerissen und neu gebaut wird. Darunter sind auch die Sozialwohnungen. | © Holger Kosbab

Paderborn Alanbrooke-Gelände: Stadt managt sozialen Wohnungsbau

Knappe Entscheidung: Im Stadtrat wird heftig diskutiert. Letztlich wird geheim entschieden, dass die städtische Gesellschaft die geförderten Wohnungen allein stemmen soll. Welche Interessen aufeinander prallen

Holger Kosbab
19.06.2019 | Stand 18.06.2019, 22:21 Uhr

Paderborn. Mächtig gestritten wurde im Stadtrat über die erste große Aktion der Wohnungsgesellschaft Paderborn (WGP). Doch jetzt steht fest: Sie wird den Bau von 240 geförderten Wohnungen im Bereich der Alanbrooke-Kaserne allein realisieren. So wollen es die sieben Ratsfraktionen SPD, Grüne, Linksfraktion/Offene Liste, FDP, FBI Freie Wähler, FÜR Paderborn und LKR. Ihre 32 Stimmen reichten. Dagegen war die CDU (31), für die Markus Mertens geheime Abstimmung beantragt hatte und die dafür war, den Bau der Sozialwohnungen durch den Weiterverkauf von Flächen auch für private Bauherrn zu öffnen. Auch Bürgermeister Michael Dreier (CDU) betonte, dass der Bund diese Öffnungsklausel ausdrücklich beschlossen habe. Manfred Krugmann (SPD) betonte, dass die neue Mehrheit eine überlebensfähige WGP wolle. Aus seiner Sicht seien die Risiken gerade dann gering, wenn die Gesellschaft mit den Baufeldern auf dem Alanbrooke-Gelände selbst betraut würde. Der CDU warf er „Protektionismus der Immobilienwirtschaft" vor. Die Interessensvertreter der Wirtschaft hätten „fast klassenkämpferische Töne angeschlagen". Die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, die Industrie- und Handelskammer, der Arbeitgeberverband Paderborn-Höxter, der Haus- und Grundeigentümerverein sowie der Spar- und Bauverein Paderborn hatten zuvor vehement die Beteiligung von Privaten am sozialen Wohnungsbau gefordert. Es bleibe genügend Baumasse für Private Die von der CDU gewünschte WGP „sei nur defizitär möglich", sagte Klaus Schröder (Grüne). Gewollt sei aber eine Wohnungsgesellschaft, die leistungs- und funktionsfähig sei. Reinhard Borgmeier (Linksfraktion) nannte die Debatte „scheinheilig". Bei insgesamt 800 Wohneinheiten auf dem Kasernenareal im Riemekeviertel bliebe neben den 240 Sozialwohnungen genügend Baumasse für Private. Es gehe nur um Subventionen – und „die gehörten der Kommune und nicht in private Taschen." Es gebe noch genügend Möglichkeiten für private Akteure, sagte auch Alexander Senn (FDP) beim Blick auf das gesamte Konversionspotenzial in Paderborn. Der Bestand der WGP müsse nach den 240 Wohnungen zum Start weiter ausgebaut werden. Alexander Jacobs (CDU) sagte, dass die Stadt Gefahr laufe, die 240 Wohnungen nicht in fünf Jahren zu stemmen. Nur dann gelte die Verbilligungsrichtlinie von 25.000 Euro pro Wohnung. Schon jetzt gerate die Stadtverwaltung an ihre Kapazitätsgrenzen. Zudem schaue die CDU auf den Mittelstand und das heimische Handwerk. Insgesamt sollten keine Risiken beschlossen werden „die derzeit noch gar nicht bekannt seien", so Jacobs. Zugleich sei es eine Frechheit der CDU zu unterstellen, „die WGP klein halten zu wollen". Und er sei auch kein Sprecher der Paderborner Wirtschaft.

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