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Ostwestfalens Tor zur Welt: Der Flughafen Paderborn/Lippstadt in Büren-Ahden. - © Jens Reddeker
Ostwestfalens Tor zur Welt: Der Flughafen Paderborn/Lippstadt in Büren-Ahden. | © Jens Reddeker

Kreis Paderborn Flughafen Paderborn/Lippstadt braucht mehr Geld

Verkehr: Im Paderborner Kreistag referiert Airport-Chef Marc Cezanne über das derzeit schwierige Geschäft. Er spricht offen über Zahlen und über die Zukunft

Jens Reddeker
08.04.2019 | Stand 09.04.2019, 21:11 Uhr

Kreis Paderborn. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt ist mehr denn je auf die Unterstützung durch Steuermittel angewiesen. Airport-Geschäftsführer Marc Cezanne berichtete am Montagabend im Paderborner Kreistag zwar auch von Perspektiven, die das Ergebnis des Unternehmens verbessern könnten, doch aktuell müssen sich die Anteilseigner mit der Deckung eines größer werdenden Verlustes befassen. Womöglich müssen sie bis zu fünf Millionen Euro zuschießen. Nach derzeitigem Stand bestehe für den Zeitraum von 2017 bis 2022 eine Finanzierungslücke von 7,7 Millionen Euro, erläutert Cezanne im Kreishaus. Noch vor der Sommerpause will der Kreistag über die Finanzen beraten. Gesellschafter des Flughafens sind die Kreise Paderborn, Soest, Höxter, Gütersloh, Lippe, der Hochsauerlandkreis, die Stadt Bielefeld sowie die Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen zu Bielefeld und Lippe zu Detmold. Der Kreis Paderborn hält 56,38 Prozent der Anteile. Erst Ende 2017 hatte der Kreistag beschlossen, dass der Mehrheitsgesellschafter über vier Jahre eine Summe von 3,5 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung stellt. Cezanne zeigte auf, dass trotz der seit 2014 etwa stabil bleibenden Passagierzahlen, die Jahresergebnisse schlechter werden. Der Geschäftsführer plant für 2019 mit einem Rekord-Verlust von vier Millionen Euro. Das Ergebnis für 2018 soll im Sommer vorliegen, 2017 betrug der Verlust 2,79 Millionen Euro. Bislang übernahmen die Gesellschafter-Kommunen eine vertraglich fixierte Verlustabdeckung von bis zu 2,5 Millionen Euro, der Rest kam aus der Gewinnrücklage der Flughafen GmbH (aktuell rund 20 Millionen Euro). Die Verlustabdeckung hatten die Gesellschafter 2015 aufgestockt, nachdem die 2012 beschlossenen 1,25 Millionen nicht mehr ausreichten. Aufgrund des nun bekannt gewordenen Defizits spricht Landrat Manfred Müller (CDU) im Kreistag davon, dass sich die Finanzhilfe aus Steuermitteln auf fünf Millionen Euro verdoppeln könne. Talsohle oder nicht? Die negative finanzielle Entwicklung - der Airport macht seit zehn Jahren Verluste - lässt bei so manchem Kreistagsmitglied Nachdenklichkeit aufkommen. Marcel Welsing von der FDP-Fraktion fordert angesichts der Zukunftsaussichten "einen ehrlichen und kritischen Umgang" mit dem heimischen Flughafen. Welsing fehlt in der Wirtschaft das Engagement fürs OWL-Drehkreuz. Nach seiner Meinung müsse auch über einen Ausstieg aus dem Airport nachgedacht werden. Auch Wolfgang Weigel von der SPD fordert eine "emotionslose Betrachtung" der Lage. Sowohl Landrat Müller als auch CDU-Fraktionschef Bernhard Wißing machen ihre Unterstützung für den Flughafen deutlich. Müller nennt ihn "ein wesentliches Stück Infrastruktur". Wißing bleibt zuversichtlich und sagt: "Auf absehbare Zeit haben wir keine Wahl, als diesen Weg durch das Tal mitzugehen." Der Grüne Harald Grünau entgegnet, dass von einer Talsohle keine Rede sein könne. Er kritisiert den Wettbewerb der Flughäfen als unehrlich, weil er durch die Politik gelenkt sei. Den Wettbewerb unter den Airports nennt Cezanne selbst "ruinös". So subventioniere der Flughafen Dortmund - wie auch andere - Airlines massiv mit Steuergeldern, damit diese dort starten und landen. Weil in Paderborn nicht im selben Maße Geld verteilt werde, habe beispielsweise Adria Airways die Flüge nach Wien, Zürich und London wieder eingestellt. Die Betriebskosten würden in Ahden, darauf ist Cezanne stolz, immer noch durch die Einnahmen gedeckt. Sondereffekte wie die hoheitlich vorgeschriebene Erweiterung der Schichten bei der Flughafenfeuerwehr (zwei Kräfte mehr als zuvor) kosteten rund eine Million Euro. Die Mindereinnahmen in Paderborn durch den von der hessischen Landesregierung emporgezüchtete Flughafen Kassel-Calden beziffert er auf etwa drei Millionen Euro im Jahr. Kapazitäten in NRW nutzen Immerhin: Cezanne hofft darauf, in Zukunft Geld einzusparen, wenn die Deutsche Flugsicherung (DFS) die Lotsenarbeit im Tower übernehmen würde. Derzeit ist das Staatsunternehmen nur auf 16 größeren Airports im Einsatz. Die kleinen müssen die Aufsicht bei einer DFS-Tochter teuer einkaufen. Sie machen durch ihren Verband ADV jedoch in der Bundespolitik auf diesen Wettbewerbsnachteil aufmerksam. Cezanne sieht allein in diesem Feld ein Einsparpotenzial für Paderborn von 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Nach seiner Ansicht wird das Flugverkehrsaufkommen auch in Deutschland weiter steigen. Darin bestehe eine Chance für den heimischen Airport. Ein NRW Luftverkehrskonzept 2030 solle festschreiben, dass vorhandene Flughafenkapazitäten genutzt werden müssten, bevor zum Beispiel Düsseldorf ausgebaut würde. Gestärkt würde der Flughafen in Ahden, wenn die Wirtschaft verbindliche Abnahmen von Tickets zusagen würde. Konkret nennt Cezanne die Zahl von 4.000 verkauften Tickets als Basis für eine neue Business-Strecke. Bis Ende Mai wird durch Berater von Hamburg Port Consultuing ein Gutachten erarbeitet, das die wirtschaftliche Bedeutung des Airports beleuchtet. Eine konkrete gute Nachricht hatte Cezanne im Kreistag auch im Gepäck: Die gut gebuchte Verbindung nach München wird von der Lufthansa demnächst mit einem Airbus A319 mit 140 Sitzplätzen bedient, bislang haben die Flieger 90 Sitze.

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