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Zerfledeerter Sichtschutz: Sobald das Alanbrooke-Gelände im Besitz der Stadt ist, soll das Gelände frei einsehbar werden, fordern die Paderborner Grünen. - © Hans-Hermann Igges
Zerfledeerter Sichtschutz: Sobald das Alanbrooke-Gelände im Besitz der Stadt ist, soll das Gelände frei einsehbar werden, fordern die Paderborner Grünen. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Alanbrooke-Kaserne: Erste Abbrucharbeiten für zweite Jahreshälfte geplant

Handbuch soll Leitfaden für alle Investoren werden. Erste Abbrucharbeiten für die zweite Jahreshälfte geplant

Hans-Hermann Igges
29.03.2019 | Stand 29.03.2019, 12:31 Uhr

Paderborn. 18 Hektar Platz, und das mitten in der Stadt: Das riesige Gelände der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne, die in Kürze in den Besitz der Stadt Paderborn übergehen wird, weckt bereits viele Wünsche und Begehrlichkeiten. Damit die beabsichtigte Mischung aus Wohnen, Dienstleistungen und Grün sich aufeinander abgestimmt entwickeln kann und Wildwuchs vermieden wird, will die Stadt nun ein sogenanntes Qualitätshandbuch als Richtschnur für alle Investoren entwickeln lassen. Das beschloss jetzt einstimmig die Steuerungsgruppe Konversion des Stadtrates als Empfehlung für den Bau- und Planungsausschuss. Das Handbuch soll laut Claudia Warnecke, Technische Beigeordnete der Stadt, aus insgesamt vier Bausteinen bestehen: Gestaltung, Mobilität, Energie und Soziales. Warnecke: "Alle vier Bereiche gehören zusammen. Richtig rund wird die Sache erst, wenn man die vier Bausteine zusammenführt." Die Herausforderung bestehe darin, dass es eine Brücke zwischen Wünschen auf der einen Seite und den Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Umsetzung schlagen müsse. Mischung bei Wohnbaufinanzierung geplant Unter die Leitlinien zur Gestaltung fallen Themen wie Bebauung, Nebenanlagen, private Freiflächen, Farbspektrum oder Straßenmöglierung. Dabei soll es sowohl verbindliche Festsetzungen als auch Empfehlungen geben. Bei der Mobilität geht es unter anderem um die Neuordnung der Verkehrsbeziehungen, aber auch Parkraum, Lademöglichkeiten für Elektroautos und -Fahrräder, aber auch Carsharing gehen. Thomas Jürgenschellert, Konversionsbeauftragter der Stadtverwaltung, stellte auf Nachfrage von Petra Tebbe (Grüne) klar, dass nicht daran gedacht sei, Durchgangsverkehr für Autos zu ermöglichen; eine Querung des neuen Quartiers werde nur für Radfahrer und Fußgänger möglich sein. Parkraum werde natürlich der Anzahl der Wohnungen und Gewerbeflächen entsprechend mitgeplant, so Jürgenschellert auf Hinweise von Holger Budde (CDU), im Riemekeviertel herrsche jetzt schon ein Mangel an Parkplätzen. Wahrscheinlich gebe es aber auch im Verlauf der Theodor-Heuss-Straßen einige zusätzliche Plätze. Auch das Energiekonzept wird laut Jürgenschellert derzeit erst erarbeitet, so dass man abwarten müsse, welche Vorschläge dazu kommen. Es solle aber noch vor der Sommerpause beschlossen werden. Klar sei jedoch im Bezug auf die sozialen Aspekte, dass man eine breite Mischung der Wohnangebote wolle. Als Grundlage dafür dienen der Feder führenden Paderborner Wohnungsgesellschaft Quoten: 30 Prozent der insgesamt rund 800 Wohneinheiten sollen im geförderten Wohnungsbau entstehen, 30 Prozent als Mietwohnungen und 40 Prozent frei finanziert. Briten verlassen bis Jahresende zwei weitere Kasernen Mit den ersten Abrissarbeiten ehemaliger Kasernengebäude wird unterdessen bereits in der zweiten Jahreshälfte gerechnet. Um dann das große Interesse am Baufortschritt zu befriedigen, hatten die Grünen vorgeschlagen, die ohnehin inzwischen zerzausten Sichtblenden am Zaun rund um das Gelände zu entfernen und Webcams aufzustellen. Die Fraktion von Für Paderborn schloss sich mit dem Vorschlag, einen Info-Container aufzustellen an. Diese Anregungen sollen nun in das umfassende Kommunikationskonzept einfließen, das die Verwaltung ohnehin bis August vorstellen will. Dies soll in Verbindung mit einem Tag der offenen Tür geschehen. Die Baustelle, so Thomas Jürgenschellert, könne man natürlich nicht generell öffnen; ob man ganz auf Sichtblenden verzichten solle, sei allerdings auch die Frage angesichts sich häufender Diebstähle auch schweren Geräts von Baustellen. Gelegentlich sollten aber auf jeden Fall Führungen angeboten werden. Statt über Webcams könne man den Baufortschritt auch über Aufnahmen aus Drohnenflügen dokumentieren. Das sei auch die bessere Alternative, für Webcams sei das Gelände zu groß, sagte Günter Neumann (Linksfraktion). Der Abzug der britischen Truppen aus Paderborn geht unterdessen weiter. Bis Ende dieses Jahres sollen auch die Barker-Kaserne an der Driburger Straße sowie die Dempsey-Kaserne an der Husarenstraße geräumt sein, sagte die Technische Beigeordnete unter Berufung auf britische Quellen. Für einzelne Wohngebäude gebe es jedoch keine konkreten Daten. Im Wettbewerb um Vorschläge für die künftige Gestaltung des 80 Hektar umfassenden Barker-Areals naht inzwischen ein interessanter Termin: Am 10. und 11. April trifft sich in Paderborn die Jury, die aus über 100 Arbeiten von Studenten der Architektur bzw. der Stadtplanung aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Polen die vielversprechendsten Beiträge auswählt.

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