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Aus der Vogelperspektive: Das St. Josefs-Krankenhaus in Salzkotten. Inzwischen ist der Bau der OP-Säle bereits weit fortgeschritten. - © Jens Reddeker
Aus der Vogelperspektive: Das St. Josefs-Krankenhaus in Salzkotten. Inzwischen ist der Bau der OP-Säle bereits weit fortgeschritten. | © Jens Reddeker

Kreis Paderborn Mehrere Ärzte verlassen Salzkottener Krankenhaus

Die Klinik will sich auf die Versorgung alter Menschen spezialisieren

Sabine Kauke
22.03.2019 | Stand 22.03.2019, 12:53 Uhr

Kreis Paderborn. Am St.-Josefs-Krankenhaus in Salzkotten, ein Standort des Paderborner St. Vincenz-Krankenhauses und ausgezeichnet für eine überdurchschnittliche Patientenzufriedenheit, soll die Ärzteschaft so unzufrieden sein, dass bereits mehrere Mediziner gekündigt haben. Das Haus sei zunehmend rein kommerziell und gewinnorientiert ausgerichtet, Mitarbeiter seien beunruhigt und verunsichert. Diese Vorwürfe erhebt ein Leser der Neuen Westfälischen. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer des St. Vincenz-Krankenhauses, hat auf Nachfrage der NW eine andere Erklärung für den Ärzteschwund. Außerdem kündigt er an, dass in Salzkotten eine Klinik für Geriatrie aufgebaut werden soll. Der Chefarzt wirft das Handtuch „In Kürze werden der Chefarzt und die beiden Leitenden Oberärzte sowie die Fachärztin der Medizinischen Klinik (Inneres) das Krankenhaus verlassen. Damit hat das gesamte Leitungsteam, ein Garant für intensive Patientenzuwendung, etwa zum selben Termin gekündigt. Der renommierte und beliebte Chefarzt wirft sogar noch kurz vor seinem absehbaren Ruhestand das Handtuch", schreibt der NW-Leser. Aus seiner Sicht ist das „eine Flucht wichtiger und angesehener Mediziner". Bereits in der jüngeren Vergangenheit seien leitende Ärzte gegangen. Die geäußerte Besorgnis sei nachvollziehbar, erklärt Josef Düllings. Doch diverse Projekte in Salzkotten, darunter der Neubau von vier OP-Sälen, sprächen klar für die Zukunftssicherung und Erweiterung des Standortes. Dass mehrere Ärzte im Sommer die Medizinische Klinik verlassen, sei durch das Ausscheiden des sehr verdienten Chefarztes Gerhard Sandmann mitbedingt, erklärt Josef Düllings. „Ich finde es nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen, die so eng zusammen gearbeitet haben, auch gemeinsam verändern möchten". Neues Team soll aufgebaut werden Der Hauptgeschäftsführer ist sicher, ein neues erfolgreiches Team aufbauen zu können. Ab 1. Juli werde Professor Jobst Greeve, Chefarzt am St. Vincenz in Paderborn, zusätzlich Chefarzt der Klinik in Salzkotten. Damit wird es dort also künftig keinen eigenen Chefarzt für den Bereich geben. Dieses standortübergreifende Konzept, das sich bereits für die Qualität der Patientenversorgung in der Frauenklinik bewährt habe, soll auch für Paderborn und Salzkotten umgesetzt werden. Von einem Abbau der Strukturen oder einer Verschlechterung könne keine Rede sein. „Im Gegenteil", so Düllings. Die bisherigen Schwerpunkte in Salzkotten würden auf Chef- sowie auf Oberarztebene in bewährter Qualität fortgeführt. Bettenmangel im Bereich Geriatrie Josef Düllings teilt in seiner Stellungnahme mit, dass am Standort Salzkotten eine Klinik für Geriatrie als Schwerpunkt der Medizinischen Klinik mit der Möglichkeit der geriatrischen Komplexbehandlung geplant ist. Dafür wolle man eine Chefarztposition besetzen. Bislang gibt es in Paderborn 45 Betten für die geriatrische Versorgung am St. Johannisstift, doch der Bedarf für den Kreis Paderborn, so Düllings, liege mit etwa 100 Betten erheblich höher. Der NW-Leser befürchtet allerdings, dass die breite internistische Versorgung in der Region leiden könnte, wenn sich die Klinik hauptsächlich für eine bestimmte Zielgruppe entscheidet. „,Normale’ Patienten sind betriebswirtschaftlich uninteressant."

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