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Top-Lage in Paderborn: An der Westernstraße zwischen Peek & Cloppenburg sowie dem Marienplatz und dem Rathausplatz werden die höchsten Mieten gezahlt. - © Marc Köppelmann
Top-Lage in Paderborn: An der Westernstraße zwischen Peek & Cloppenburg sowie dem Marienplatz und dem Rathausplatz werden die höchsten Mieten gezahlt. | © Marc Köppelmann

Paderborn Einzelhändler klagen über hohe Mieten in der Paderborner Innenstadt

Geschäftsleute ziehen die Konsequenzen. Eine mögliche Lösung könnte in Sicht sein

Hans-Hermann Igges
11.03.2019 | Stand 14.03.2019, 17:37 Uhr

Paderborn. Der Rückzug der Buchhandlung Linnemann aus der Paderborner Innenstadt Anfang des Jahres hatte nach Angaben des Unternehmens vor allem zwei Gründe: Wachsende Konkurrenz aus dem Internet und eine im Vergleich zum zurückgehenden Umsatz zu hohe Miete.

Die Rahmenbedingungen für den Onlinehandel werden nicht in Paderborn gemacht. Das Mietpreisniveau allerdings schon. Doch wie hoch sind die Einzelhandelsmieten in Paderborn tatsächlich?

Um eine Monatsmiete von 40.000 Euro für 1.000 Quadratmeter Verkaufs- und Lagerfläche zu erwirtschaften und dann auch noch seine Mitarbeiter zu bezahlen, muss man schon eine Menge Bücher verkaufen. Dabei bewegt sich die Miete, die die Buchhandlung Linnemann als Untermieter von Peek & Cloppenburg an den Eigentümer des Gebäudes in der Westernstraße, einen Immobilienfonds, zahlen musste, sogar nach am unteren Ende der Skala.

Je kleiner die Fläche, desto teurer

Nach dem Preisspiegel, den die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld zuletzt 2015 erhoben hat, werden in Paderborner Top-Lagen nämlich zwischen 40 und 75 Euro je Quadratmeter aufgerufen. Dabei gilt: Je kleiner die Fläche, desto teurer ist sie. Und: Am teuersten sind Räume im Erdgeschoss.

Das Düsseldorfer Makler- und Beratungsunternehmen Comfort stellte 2014 in Paderborn sogar Spitzenmieten von 88 Euro je Quadratmeter für Flächen zwischen 80 und 120 Quadratmeter in der Westernstraße fest. Noch teurer ist es für Geschäfsleute in Ostwestfalen-Lippe nur noch in Bielefeld, wo laut IHK in 1-a-Lagen zwischen 50 und 120 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden.

Verlässt man den Bereich der Westernstraße zwischen Peek & Cloppenburg und dem Marienplatz Richtung Schildern oder Kamp, bröckeln die Preise aber bereits. Der Übergang zu den 1-b- oder auch 2-a- oder 2-b-Lagen ist dabei fließend. Und nicht immer sind die Mieten in gleichen Lagen auch gleich. Paderborns Citymanager Uwe Seibel weiß: "Viel hängt vom Vermieter ab. Wenn der in Paderborn wohnt oder einen persönlichen Paderborn-Bezug hat, lässt er über den Mietzins auch mit sich reden."

Filialisten übernehmen die Flächen

Tatsächlich zogen sich in den letzten Jahren immer wieder Inhaber geführte Geschäfte wie Linnemann aus der Innenstadt zurück, weil Mieten stiegen oder Umsätze zurückgingen. Stattdessen übernahmen Filialisten die Flächen. Die Folge: Die Geschäftswelten bundesdeutscher Innenstädte werden immer austauschbarer.

Direkten Einfluss nehmen auf die Höhe der Mieten in Paderborn können hiesige Einzelhandelsvertreter jedoch nicht. "Wir vermitteln hin und wieder Gespräche oder vertreten auch mal Mitglieder dabei, mehr aber nicht", sagt Kai Buhrke, dem nur bleibt, generell an die Vermieter zu appellieren, sie mögen Maß halten.

Der Druck auf die Paderborner City kommt aber auch aus dem direkten Umfeld: In Paderborn ist nämlich die Verkaufsfläche insgesamt mit 2,83 Quadratmetern pro Einwohner verhältnismäßig groß. Kai Buhrke, Paderborner Geschäftsführer des Handelsverband OWL: "In Bielefeld kommen auf jeden Einwohner nur 2,3 Quadratmeter, der Bundesschnitt liegt bei 1,6 Quadratmeter."

Besonders augenfällig vermittelt das Verhältnis von Einzelhandelsflächen innerhalb der Stadt das Ungleichgewicht: Von 411.000 Quadratmetern Verkaufsfläche insgesamt befinden sich nur 79.500 Quadratmeter in der City. Buhrke: "Draußen spielt sehr viel Musik. Die Innenstadt ist unter Druck."

Umsatzbezogene Mieten als neuer Trend

Entsprechend wundert auch nicht, dass speziell die Mieten in den Randlagen der Paderborner City im Schnitt in den letzten Jahren etwas nachgegeben haben. So sind in 1-b-Lagen, also etwa in der Rosenstraße oder am Kamp, schon Räume ab 10 Euro zu bekommen, können aber auch gut 20 Euro kosten. In schlechteren Lagen stehen dann auch schon mal Geschäftsräume längere Zeit leer.

Unterdessen hat man beim Handelsverband Deutschland angesichts sinkender Nachfrage nach klassischen Handelsimmobilien außerhalb der Top-Standorte in den großen Metropolen bei Vermietern durchaus inzwischen eine Reaktion auf die Schwierigkeiten ihrer Mieter festgestellt.

Laut einer Verbandsmeldung vom Anfang dieses Jahres kommen Vermieter in Innenstädten den Händlern bei der Gestaltung der Mietverträge entgegen. Hilfreich seien insbesondere umsatzbezogene Mieten, die die Händler in schlechteren Zeiten nicht überfordern. Damit könnten die Vermieter ihr Interesse an langfristig stabilen Mietern deutlich machen, heißt es vom Handelsverband.

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