Schritt für Schritt: Auf den Teststab wird Blut getropft. Nach zehn Minuten steht das Ergebnis fest. - © Mareike Gröneweg
Schritt für Schritt: Auf den Teststab wird Blut getropft. Nach zehn Minuten steht das Ergebnis fest. | © Mareike Gröneweg

Paderborn Paderborner Aidshilfe wirbt für HIV-Selbsttest

Gesundheit: Wer ohne Arzttermin erfahren will, ob er infiziert ist, kann sich einen Schnelltest kaufen. Die Beratungsstelle hat bislang nur eine Packung verkauft

Paderborn. Der HIV-Schnelltest ist seit Monaten frei verkäuflich. Die Paderborner Aidshilfe hat jedoch bislang nur eine Packung verkauft. Das erklärt sich die Aidshilfe mit dem geringen Bekanntheitsgrad des Schnelltests. Eigentlich soll der Heimtest dafür sorgen, dass sich mehr Menschen testen lassen. Denn die Deutsche Aidshilfe geht davon aus, dass bundesweit 13.000 Personen noch nichts von ihrer HIV-Infektion wissen. "Es gibt immer noch Menschen, die an Aids sterben, weil sie nie einen Test gemacht haben. Das muss heute aber nicht mehr passieren", sagt Bianca Schröder, Sozialpädagogin bei der Paderborner Aidshilfe. Der Selbsttest könne also auch helfen, die hohe Dunkelziffer von HIV-Infektionen zu senken. HIV-Selbsttests sind in Apotheken, Drogerien und online erhältlich. Wichtig ist laut Schröder, dass der Test in Deutschland geprüft und zugelassen wurde. Tests sind auch in der Paderborner Aidshilfe erhältlich. Für 20 Euro kann der "Exacto"-Test erworben werden, der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Aidshilfe entwickelt wurde. Wie läuft der Test ab? Wie läuft der Test ab? Zunächst wird die Fingerkuppe desinfiziert, an der anschließend mit einer kleinen Nadel ein Blutstropfen entnommen wird. Der Blutstropfen wird von einem Röhrchen aufgenommen und auf den Teststreifen aufgetragen. Dann werden zwei Tropfen von einer Flüssigkeit aufgetragen, die auf HIV-Antikörper reagiert. Ein erster Strich zeigt, dass die Flüssigkeiten eingelaufen sind und der Test funktioniert. Wenn zwei Streifen auftauchen, bedeutet es, dass der Test positiv reagiert hat. "Das ist aber noch keine Diagnose", betont Schröder. Eine Diagnose kann erst ein Arzt stellen. Denn: Die Selbsttests sind sehr empfindlich. Es ist möglich, dass sie ein positives Ergebnis anzeigen, obwohl keine Infektion vorliegt. Daher muss der Selbsttest durch einen weiteren Labortest bestätigt werden. Der Heimtest dauert insgesamt zehn Minuten. Zusätzlich soll beachtet werden: "Der Test kann erst zwölf Wochen nach einem Risikokontakt gemacht werden", weiß Schröder. Bevor der HIV-Test in den Drogerieregalen landete, wurde seine Zulassung kontrovers diskutiert. "Viele befürchteten, dass man die Menschen dann mit ihrer Diagnose allein lässt", sagt Schröder. Die Diagnose sei immer ein Schock und verändere das Leben der Menschen. Nicht zuletzt, weil HIV-positive Menschen mit vielen Vorurteilen konfrontiert werden. "HIV ist für viele immer noch verknüpft mit Sex und Drogen. Das sind tabuisierte Begriffe in der Gesellschaft", berichtet Bianca Schröder. Menschen reagieren völlig unterschiedlich auf eine Diagnose Ihre achtjährige Berufserfahrung in der Paderborner Aidshilfe hat Schröder gezeigt, dass Menschen völlig unterschiedlich auf eine Diagnose reagieren. Jeder habe sein eigenes Erleben und sei mit eigenen Ängsten und Sorgen konfrontiert. Es gebe Menschen, die offen mit ihrer Diagnose umgehen, andere würden sie jahrzehntelang verstecken. Neben dem Verkauf von HIV-Heimtests bietet die Paderborner Aidshilfe auch zweimal im Monat einen Schnelltest an, der in der Beratungsstelle von einem Arzt durchgeführt wird. Dieser findet jeden 2. und 4. Dienstag im Monat zwischen 18 und 19 Uhr statt. Ärztemangel für HIV-Infizierte Laut Paderborner Aidshilfe gibt es seit Januar keinen Arzt mehr, der die nötigen Fortbildungen zur Behandlung von HIV-positiven Menschen hat. „Das ist keine gute Entwicklung. Viele fahren jetzt extra nach Bielefeld, Münster oder Hannover", berichtet Bianca Schröder, Sozialpädagogin bei der Paderborner Aidshilfe. Der letzter Arzt, der die nötige Fortbildung hatte, habe Ende des Jahres seine Praxis geschlossen. Die Aidshilfe befinde sich zwar in Gesprächen mit Medizinern, derzeit gebe es jedoch keine kurzfristige Lösung.

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