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Das Möbeleinrichtungshaus Finke in Paderborn wird im März 2019 geschlossen und später abgerissen. - © Lena Henning
Das Möbeleinrichtungshaus Finke in Paderborn wird im März 2019 geschlossen und später abgerissen. | © Lena Henning

Paderborn Abfindungen und Transfergesellschaft für die Finke-Mitarbeiter

Doch die Regelungen haben einen Haken. Viele der Beschäftigten hatten allerdings damit gerechnet, gar nichts zu bekommen.

Martin Fröhlich
03.01.2019 | Stand 03.01.2019, 15:47 Uhr
Lena Henning

Paderborn. Die Ungewissheit für die rund 250 verbliebenen Finke-Mitarbeiter am Hauptstandort Paderborn hat zumindest teilweise ein Ende. Am Mittwochabend wurden ihnen der Sozialplan und der Interessensausgleich erläutert. Das Möbelhaus schließt zum 31. März den Verkauf, zum Jahresende auch die Verwaltung. In einer etwa 90-minütigen Betriebsversammlung erklärten die drei Geschäftsführer Franz-Josef Golüke, Norbert Pannenberg und Manfred Schledde sowie der Betriebsrat und ein Anwalt der Gewerkschaft Verdi das Prozedere. Wie angekündigt, wird es keine Kündigungen vor dem 30. Juni geben. Das gilt auch für die Verkäufer, die ab April nicht mehr arbeiten müssen. Ihr Gehalt wird weiter gezahlt. Die Kündigungen werden Ende Januar zugestellt. Wer vorzeitig geht, hat einen Nachteil Abfindungen soll es für alle Mitarbeiter geben, doch das Ganze gilt nur unter sehr engen Bedingungen. Die Abfindungen bewegen sich in folgenden Dimensionen: wer zum Beispiel zehn Jahre bei Finke war, erhält rund 15.000 bis 16.000 Euro. Wer 20 Jahre im Haus arbeitete, kann auf über 30.000 Euro kommen. Härtefallregelungen für Mitarbeiter mit Kindern und für Schwerbehinderte kommen noch hinzu. Allerdings sollen wohl nur die Mitarbeiter eine Abfindung erhalten, die sich an die Kündigungsfrist halten und bis zur endgültigen Schließung dabei bleiben. Wer vorzeitig geht und sich dabei an die Kündigungsfrist hält, bekommt eine reduzierte Abfindung. Wer vorzeitig geht und die Kündigungsfrist unterläuft, bekommt nach Informationen von nw.de nichts. Das gilt auch für die Mitarbeiter, die nach dem Ausscheiden in Rente gehen. Auch sie stehen mit leeren Händen da. Die Kündigungsfristen scheinen bei Finke aus Arbeitnehmersicht ungewöhnlich lang zu sein. Offenbar steht in vielen Arbeitsverträgen, dass die jeweilige Kündigungsfrist beidseitig gilt. Üblich ist sonst, dass Arbeitnehmer mit deutlich kürzeren Fristen kündigen könne, als der Arbeitgeber. Bei Finke haben etliche Kollegen demnach Fristen von sechs Monaten einzuhalten. Nach Informationen von nw.de wurden die Fristen von einem Fachanwalt für rechtens erklärt. "Wir stehen nicht mit leeren Händen da" Außerdem wird eine Transfergesellschaft gegründet, die für die Mitarbeiter im Verkauf ab 1. April starten soll, für jene in der Verwaltung am 1. Januar 2020. Die Gesellschaft soll ihnen dabei helfen, neue Jobs zu finden. Außerdem erhalten sie dort für mehrere Monate noch ein reduziertes Gehalt. Der Eintritt in die Transfergesellschaft ist freiwillig. Für alle Mitarbeiter wird es ein mehrtägiges Bewerbungstraining geben. Als "nicht ganz schlecht" bezeichnet eine Mitarbeiterin nach der Versammlung den Kompromiss. "Wir stehen nicht ganz mit leeren Händen da", sagt sie. Die meisten müssten die ganzen Informationen, die ihnen am Abend präsentiert wurden, jetzt erst einmal verarbeiten und sacken lassen. "Besser als erwartet", findet eine andere Mitarbeiterin. Nach allem, was sie und ihre Kollegen in der letzten Zeit so gehört hätten, sehe das jetzt ganz gut aus. Sie hätten schon befürchtet, gar keine Abfindungen zu bekommen. Die Verträge, die die Finke-Mitarbeiter in Kassel, Hamm und Münster unterschrieben haben, seien deutlich schlechter dotiert. Unter diesen Konditionen hätte sie nicht weiter arbeiten wollen. Bei Finke habe immer das Miteinander im Vordergrund gestanden. Das sei jetzt mit den neuen Eigentümern anders, sagt sie. In einer kurzen Pressemitteilung hat sich mittlerweile auch der Betriebsrat zur Wort gemeldet. Die anwesenden Mitarbeiter der "sehr gut besuchten" Versammlung hätten zahlreiche Fragen gestellt und die Antworten "überwiegend positiv zur Kenntnis genommen". Münster und Hamm müssen aushelfen Der Verkauf soll trotz des bereits erfolgten Aderlasses bis Ende März aufrecht erhalten werden. Im Möbelhaus ist derzeit extrem viel los. Nach Informationen von nw.de werden jetzt kurzfristig Verkäufer aus den Finke-Häusern in Münster und Hamm angeheuert, um den Ansturm in Paderborn zu bewältigen. Zu viele Mitarbeiter aus dem Verkauf haben offenbar das Unternehmen schon verlassen. Einige Kunden standen am Mittwochabend vor verschlossenen Türen, denn das Möbelhaus schloss wegen der Betriebsversammlung schon um 17 Uhr. Für die Mitarbeiter ist der Verkauf mit reduzierter Belegschaft derzeit eine hohe Arbeitsbelastung: "Das war Knochenarbeit", sagt ein Angestellter. Dass Personal fehlt, merken die verbliebenen Mitarbeiter an solchen Tagen, an denen viele Kunden kommen, ganz besonders. Die sinkende Zahl der Mitarbeiter soll ein Grund sein, warum das Verkaufshaus in Paderborn bereits Ende März, statt wie angekündigt im Juni schließen soll. Um die verbliebene Belegschaft bis zur Schließung zu halten, hat die Krieger-Gruppe eine sogenannte Bleibeprämie ausgelobt. Diese sieht vor, dass Mitarbeiter, die bis zur endgültigen Schließung ihrer Abteilung weitermachen, ein dreifaches Bruttomonatsgehalt als Prämie dazu bekommen. Nach Informationen von nw.de hat sich ein Teil der Mitarbeiter auf diese Regelung eingelassen.

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