"Earthrise": Dieses ikonische Bild zeigte die Erde knapp über dem Mondhorizont aus einer Entfernung von 386.000 Kilometern. - © NASA
"Earthrise": Dieses ikonische Bild zeigte die Erde knapp über dem Mondhorizont aus einer Entfernung von 386.000 Kilometern. | © NASA

Im Sonnensystem Weihnachten auf dem Mond

Vor 50 Jahren flogen mit Apollo 8 erstmals drei Menschen zum Nachbarn der Erde

Birger Berbüsse
24.12.2018 | Stand 24.12.2018, 10:35 Uhr |

Paderborn. Am Heiligabend 1968 versammelten sich Millionen Menschen auf der Erde nicht um den Weihnachtsbaum, sondern vor dem Fernseher. Gebannt lauschten sie drei Männern, die das Weihnachtsfest nicht auf der Erde, sondern stattdessen fast 400.000 Kilometer entfernt in der Mondumlaufban verbrachten. An diesem 24. Dezember jährt sich mit Apollo 8 der erste bemannte Flug zum Mond zum 50. Mal. "Die Auswirkungen sind bis heute zu spüren", ordnet Ferry Dörfel von der Volkssternwarte Paderborn das epochale Ereignis mit Blick auf die Entwicklung der Raumfahrt ein. Die drei Astronauten an Bord der Raumkapsel, Frank Borman, William Anders und James Lovell, waren drei Tage zuvor am 21. Dezember vom Kennedy Space Center in Florida gestartet. Das war ebenfalls eine Premiere: Die Männer waren die ersten, die mit der bis heute gewaltigsten Rakete, der Saturn V, ins All flogen. Dabei reisten sie zwischenzeitlich schneller als jemals ein Mensch zuvor, nämlich mit unglaublichen 38.959,2 Kilometern pro Stunde, also 10.822 Metern pro Sekunde. Am frühen Morgen des 24. Dezembers erreichte Apollo 8 schließlich den Erdtrabanten. Borman, Anders und Lovell waren nicht nur dessen erste Besucher, sondern sahen auch als erste Menschen die vor der Erde verborgene Rückseite des Mondes. Beim dritten Umlauf um den Himmelskörper entstand eines der berühmtesten Fotos der Geschichte: "Earthrise" (Erdaufgang) zeigt den Erdaufgang über dem Mondhorizont. Es wurde zu einem Symbol der Naturschutzbewegung. So entstand das berühmte Foto "Earthrise": "Dieses Bild ist im doppelten Sinne wichtig", sagt Wolfgang Dzieran von der Paderborner Volkssternwarte. Es zeige zum einen, wie klein die Erde im All ist. Andererseits werde aber auch im Kontrast zur grauen Mondoberfläche deutlich, wie lebendig unser Planet sei. In einem Interview mit der Seattle Times sagte Astronaut Anders jüngst: "Hier sind wir, auf einem unbedeutenden Planeten, der um einen nicht besonders bedeutenden Stern herumfliegt, in einer Galaxie von Millionen Sternen, die nicht bedeutend ist, wo es doch Millionen und Abermillionen von Galaxien gibt im Universum - sind wir also wirklich so bedeutend? Ich glaube kaum." Berühmt wurde auch die abendliche Weihnachtsbotschaft der drei Astronauten, die live im Fernsehen übertragen wurde. Zunächst zeigte die Kamera das Bild der langsam über dem Mondhorizont aufgehenden Erde, dann wechselte das Bild und zu sehen war die karge, von Kratern übersäte Mondoberfläche aus einer Höhe von knapp 90 Kilometern. Weihnachtsbotschaft aus dem All Kommandant Frank Borman sprach von "einer gewaltigen, einsamen Ausdehnung von Nichts", Jim Lovell nannte die "riesenhafte Einsamkeit des Mondes hier oben furchteinflößend". Sie lasse einen erst begreifen, was man zu Hause auf der Erde wirklich habe." Von hier aus gesehen ist die Erde eine grandiose Oase in der weiten Wüste des Weltalls", so Lovell. William Anders hingegen, der auch das "Earthrise"-Foto gemacht hatte, zeigte sich völlig beeindruckt von den lunaren Sonnenauf- und -untergängen, weil diese "die nackte, rohe Natur der Landschaft" so deutlich hervorbrachten. Anschließend lasen sie die ersten Zeilen der biblischen Schöpfungsgeschichte als Weihnachtsbotschaft vor. "Uns wurde gesagt, wir würden das größte Publikum aller Zeiten haben", erinnerte sich Borman später. "Die einzige Anweisung der NASA lautete deshalb, etwas angemessen zu tun." Das sahen die Menschen auf ihren Fernsehbildschirmen: Die Botschaft schloss mit den Worten: "Und Gott sah, dass es gut war. Und von der Besatzung der Apollo 8: Wir schließen mit einem Gute Nacht, Viel Glück, fröhliche Weihnachten und Gott segne euch alle – euch alle auf der guten Erde." Nach zehn Umkreisungen des Mondes verließ Apollo 8 die Umlaufbahn und kehrte zur Erde zurück, wo die Astronauten am 27. Dezember im Pazifischen Ozean wasserten. Die Mission war geglückt und legte den Grundstein für die ersten Schritte eines Menschen auf der Mondoberfläche ein halbes Jahr später. Dieses Jubiläum bildet einen Schwerpunkt im Programm der Paderborner Volkssternwarte 2019.

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