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Zwei Töchter und ein Freund: Lisa Frey (l.) und Vera Frey mit Karsten Strack, der das Buch auch veröffentlicht hat. - © Holger Kosbab
Zwei Töchter und ein Freund: Lisa Frey (l.) und Vera Frey mit Karsten Strack, der das Buch auch veröffentlicht hat. | © Holger Kosbab

Paderborn Krimidebüt des Paderborner Kabarettisten Stani wird zum Vermächtnis

„Der Königsschuss“ erscheint nach dem Tod des Paderborner Kabarettisten

Holger Kosbab
09.12.2018 | Stand 08.12.2018, 13:49 Uhr

Paderborn. Am Anfang war diese Mordsidee. Von ihr war Michael „Stani" Greifenberg, so begeistert, dass daraus einfach ein Krimi werden musste. Auch wenn die Handlung noch komplett fehlte. Knapp ein Jahr schrieb der Kabarettist an seinem ersten Krimi „Der Königsschuss". Es sollte sein einziger bleiben. Am 13. Juli dieses Jahres, kurz nach der Fertigstellung, starb Stani im Alter von 65 Jahren. Jetzt ist das Buch posthum erschienen, lektoriert unter anderem von seinen Töchtern Lisa und Vera. Lisa und Vera Frey haben die Entstehung von Beginn an begleitet. Sie waren gespannt, was ihr Vater zu Papier bringen würde, waren Krimis für ihn doch etwas für ganz Neues, sagt Lisa (27). Etwas Neues, das ihm ihm viel Spaß gemacht habe. „Ich war schon schon sehr überrascht, als ich das erste Mal hörte, dass er einen Krimi schreibt", meint Vera (26). „Doch als die ersten E-Mails kamen, dachte ich: Das wird was." Regelmäßig schickte Stani seinen Töchtern die neuen Kapitel. Da er immer schon verriet, was künftig passiert, waren Lisa und Vera stets vorbereitet auf die kommenden Entwicklungen. So wie Stani zwar lustig, vor allem aber auch ernst war, ein Melancholiker mit Humor halt, so ist auch das Buch keine Witzlektüre, sondern ein – wenngleich auch nicht sehr düsterer – Krimi. Dies spricht westfälisch-klar aus den 230 Seiten. Wer Stani kannte, der wird ihn beim Lesen an vielen Stellen vor Augen haben. Dazu reicht schon der Plot: Es geht um einen Mord während des Schützenfestes in Strunkeln, einem fiktiven, aber urtypischen Dorf der Paderborner Hochfläche. Die Mitarbeit war hart, aber schön Tochter Lisa gefällt besonders gut, wie Stani die Dorfstruktur mit den einzelnen Figuren beschreibt. Jeder kennt jeden in Strunkeln, da erschüttert der Mord das Dorf in seinen Grundfesten. Vera ist erleichtert, dass ihr Vater „noch fertig geworden ist und wir nicht noch etwas zu Ende schreiben mussten". An dem Buch mitzuarbeiten, „sei hart, aber auch schön gewesen", sagt Lisa. Sein Freund und Verleger Karsten Strack meint, dass Stani über das geschrieben hat, was ihn beschäftigt hat. Dazu gehören eben Schützenfeste. Mit seiner Schützenfigur Greitemeier schaute er den Grünröcken schon immer auf den Mund. Auch den ARD-Tatort habe er schon vorher geguckt. Mit Beginn des Krimischreibens habe Stani jedoch auch Krimis und besonders Regionalkrimis gelesen, sagt Strack, in dessen Lektora-Verlag der Krimi erschienen ist. Neben Lisa und Vera Frey haben auch Strack und Paderborns Kulturamtschef Christoph Gockel-Böhner dem Buch den letzten Schliff verpasst. Ohrenzeugen wissen, wie Stani morden lässt Zusammen mit Strack („Grützes Erster Fall") hatte Stani die Geschichte ab November 2017 in mehreren Etappen als Doppel-Fortsetzungslesung in der Paderborner Kulturkneipe Sputnik präsentiert. Ohrenzeugen wissen also bereits, auf welche ungewöhnliche Weise Stani ein junges Opfer ermorden lässt. Alle anderen können es nachlesen. Das Buch ist erhältlich in den Buchhandlungen Linnemann und Bonifatius, kann aber auch überall bestellt werden. Zudem gibt es am Donnerstag, 13. Dezember, um 20 Uhr eine Lesung im Sputnik. Mit seinem letzten Programm „Ich bin dann mal tot" wollte Stani das Publikum dazu bringen, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Er selbst starb fünf Wochen nach der Premiere. „Der Königsschuss" ist sein Vermächtnis in Buchform.

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