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Zwei Frauen vor zwei bildhaften Spiegelungen: Malerin Maria-Margaretha Modlmayr (l.) neben Philosophin Ruth Hagengruber. - © Dietmar Gröbing
Zwei Frauen vor zwei bildhaften Spiegelungen: Malerin Maria-Margaretha Modlmayr (l.) neben Philosophin Ruth Hagengruber. | © Dietmar Gröbing

Paderborn Doppeldeutiges in der Galerie Märzhase in Paderborn

Künstlergespräch: Die Philosophin Ruth Hagengruber ordnet die Malereien von Maria-Margaretha Modlmayr ein. Deren bildliche „Spiegelungen“ sind bis zum 2. November zu sehen

Dietmar Gröbing
17.10.2018 | Stand 17.10.2018, 16:09 Uhr

Paderborn. Köpfe, überall Köpfe. Zwei Dutzend an der Zahl. Gemalt hat sie die Paderborner Künstlerin Maria-Margaretha Modlmayr. Bei der gebürtigen Allgäuerin stehen jeweils zwei Köpfe in Korrespondenz zueinander. Das Antlitz eines Porträtierten trifft auf das Antlitz Modlmayrs. Das Ergebnis nennt sich „Spiegelungen" und steht gleichzeitig als Credo über den publizierten Bildern. Zu sehen sind sie in der Galerie Märzhase (Fürstenbergstraße 21). Am Dienstag bat Galerieinhaberin Marlis Stachowitz zu einer Sonderveranstaltung in ihre Räumlichkeiten. Die Malerin Maria-Margaretha Modlmayr traf auf die Philosophin Ruth Hagengruber. Gemeinsam mit rund 30 Interessierten durchschritt man die zwölf Doppelporträts umfassende Ausstellung und sprach über das Gesehene. Manchmal auch über das, was nicht zu sehen ist. In der Folge ging es über die rein visuelle Ebene hinaus, stießen die beiden Wahl-Paderbornerinnen bei ihrem Zwiegespräch doch in abstrakte Gefilde vor. Das mag nicht jedem Kunstfreund behagen, förderte aber manch interessante Erkenntnis zu Tage. Zum Beispiel über das eigene Ich, und in welchem Verhältnis es zum abgebildeten Individuum steht. Der Betrachter ist nämlich Teil der Inszenierung, steht letztlich doch ein Kopf mehreren Köpfen gegenüber. Auseinandersetzung mit dem Gesicht Genau das ist beabsichtigt, denn Maria-Margaretha Modlmayr will den Betrachter zu einer „Auseinandersetzung mit dem Gesicht" zwingen. Dabei bringt der Beobachter seinen eigenen Erfahrungshorizont ein und überträgt ihn (unbewusst) auf das Gesehene. Zugleich entsteht eine neue Form von künstlerischer Wirklichkeit, „eine Welt", wie Ruth Hagengruber es nannte. Wer die Malereien Maria-Margaretha Modlmayrs entschlüsseln will, sollte sich auf die Darstellungsweise der abgebildeten Personen respektive des sie umschließenden Raumskonzentrieren. Laut Hagengruber „drückt sich die Beziehung zwischen den Porträtierten durch Farbe, Kleidung, Gesichtsausdruck, Blickwinkel und den Grad der Zuwendung aus". Schärft die Sinne Streng durchkomponiert sind die Arbeiten dennoch nicht, denn laut Modlmayr gingen bei der Entstehung der Bilder „Ratio und Intuition Hand in Hand". Das Unterbewusstsein war also mit im Spiel, als Modlmayr zwölfmal sich selbst malte. Wobei das Selbstporträtieren für die 51-Jährige eine „Kalibrierungsfunktion" besitzt. Soll heißen, „es schärft die Sinne und Selbsteinordnung". Die Ausstellung ist bis zum 2. November in der Galerie Märzhase zu sehen. Geöffnet sind die Räumlichkeiten mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr. Sonderöffnungszeiten können telefonisch vereinbart werden unter 01 70 / 31 66 440

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