Im Fokus: Das Theater Paderborn ist angezeigt worden. - © Reinhard Rohlf
Im Fokus: Das Theater Paderborn ist angezeigt worden. | © Reinhard Rohlf

Paderborn Paderborner AfD zeigt Theater wegen Volksverhetzung an

Anlass ist eine Grafik im Programmheft zur neuen Spielzeit. Die Intendantin sieht einem Verfahren gelassen entgegen

Holger Kosbab

Paderborn. Die erste Premiere am Theater Paderborn – Max Frischs „Andorra" – ist erst am 1. September. Doch schon jetzt sorgt das Stück für Aufsehen – beziehungsweise die Grafik dazu im Programmheft für die Spielzeit 2018/19: Der Paderborner AfD-Kreisverband sieht darin eine Diskreditierung seiner Mitglieder und Wähler und hat gegen das Theater und die Verantwortlichen Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Paderborn gestellt wegen Verleumdung und Volksverhetzung. Die Anzeige ist bereits der zweite Schritt der AfD gegen das Theater. Am 10. Juli hatte Tegethoff dem Theater über die Berliner Kanzlei Roscher-Meinel die Androhung einer Unterlassungsklage zukommen lassen. Da darauf nicht reagiert wurde, folgte am 7. August die Strafanzeige. Zu dieser Zeit hatte gerade die Theater-Sommerpause begonnen. Theater sieht Verfahren gelassen entgegen Als Theaterchefin Katharina Kreuzhage aus dem Urlaub zurück war, fand sie den Brief und ließ über den Theater-Anwalt nach Rücksprache mit Paderborns Rechts- und Kulturdezernenten Carsten Venherm mitteilen, dass sie die AfD-Deutung der Grafik nicht teile. Es würden lediglich Wahlergebnisse und Zahlen gezeigt. „Daraus kann jeder seine Schlüsse ziehen." Einem möglichen Verfahren sieht Kreuzhage gelassen und mit großem Interesse entgegen. Sie möchte die Darstellung von AfD-Ergebnissen in einem kreativen Zusammenhang gerne von einem Gericht untersuchen lassen. „Es geht hier um die Freiheit der Kunst", sagt die Theaterchefin. „Ich kann es mir schwerlich vorstellen, dass aus der Grafik der Vorwurf der Volksverhetzung abgeleitet werden kann." Umkehrung des Vorwurfs der Volksverhetzung sei Strategie Das Vorgehen der Paderborner AfD mit der Umkehrung des Vorwurfs der Volksverhetzung sei Teil der publizistischen Strategie der Partei, sagte Kreuzhage. Sie erinnert in diesem Kontext an den AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland, der den Nationalsozialismus als „Fliegenschiss" in der deutschen Geschichte bezeichnet habe. Christoph Zielke von der Staatsanwaltschaft Paderborn sagte, dass geprüft werde, „ob ein Anfangsverdacht strafrechtlich-relevanten Verhaltens gegeben ist".

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