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In Paderborn: Das Finke-Einrichtungshaus an der Paderborner Straße. - © Andreas Götte
In Paderborn: Das Finke-Einrichtungshaus an der Paderborner Straße. | © Andreas Götte

Paderborn Paderborner Möbelhauskette Finke könnte verkauft werden

Mitarbeiter werden per E-Mail über die Zukunft der Firma informiert

Holger Kosbab
21.08.2018 | Stand 21.08.2018, 17:56 Uhr

Paderborn. Zum Wochenende werden alle Mitarbeiter des Paderborner Möbelhauses Finke eine E-Mail von dem Unternehmenschef bekommen. Darin geht es um die Zukunft der Firma, Überlegungen zum zukünftigen Online-Handel und einen möglichen Verkauf. "Wir tun in jedem Fall etwas, damit die Firma wachsen kann" "Es geht darum, ob wir uns vorstellen können, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln im Kreise der Marktführer weiter behaupten zu können oder ob es nicht die bessere Variante ist, das Unternehmen in Hände zu geben, wo das notwendige Know-how und das Kapital für das Internet-Geschäft vorhanden ist", sagte Unternehmenschef Wilfried Finke der NW. "Bei einem geeigneten Angebot könnte es schon nächste Woche zum Verkauf kommen", sagte der 67-jährige Finke. Nahezu wöchentlich bekomme er Angebote von internationalen Unternehmen und betonte, dass sich die Mitarbeiter keine Sorgen machen, sich aber gegebenenfalls umstellen müssten. Finke: "Wir tun in jedem Fall etwas, damit die Firma wachsen kann: entweder aus eigener Kraft oder mit einem neuen Besitzer." Offen ist auch die Frage seiner Nachfolge, worüber Finke während einer längeren Lungenerkrankung nachgedacht hatte. Sein Sohn Alexander (36) "habe zwar einen ausgesprochenen Zugang zur Möbelbranche, aber auch berechtigte Bedenken". Während er, Wilfried Finke, aus dem Bauch heraus Entscheidungen fälle, blicke Alexander analytisch und realistisch auf die Zukunft des Unternehmens. Die Rahmenbedingungen in der Branche bewerte sein Sohn als schwierig. "Da ist er nicht sicher, ob er dieses Risiko eingehen will", sagte Finke. Vor allem innerhalb der Familie mit seinem Sohn, seiner Frau und seiner Tochter - aber auch mit der Geschäftsleitung - werde überlegt, welcher Weg künftig eingeschlagen wird. "Es geht auch um die Frage, was das Beste für unsere Familie ist." Der Unternehmer spricht vom "finalen Kampf in der Möbelbranche", an dessen Ende eine ähnliche Konzentration stehen dürfte wie im Lebensmittelhandel. Die Beteiligung eines Partners ist dabei wohl keine Option. "Der Internet-Handel wird dafür sorgen, dass die ersten 20 der Möbelbranche eine komplette Häutung ihres Unternehmens vornehmen" "Ich habe in meinem Leben immer bewusst Beteiligungsverhältnisse vermieden", sagte Finke. Zum 31. Dezember endet Finkes Einkaufspartnerschaft mit der Berliner Krieger-Gruppe, die sich künftig dem Bielefelder Union-Verband anschließt. Daher waren in der Möbelbranche bereits Gerüchte über einen Finke-Verkauf aufgekommen. Finke (1.600 feste Mitarbeiter, 300 Millionen Euro Umsatz) werde aber auch künftig einem Verband angehören. "Ich muss schauen, welcher Verband am besten zu Finke passt und wer die beste Unterstützung vor allem in Richtung Internet-Handel bietet", sagte Finke. Angesichts des Internet-Handels und der zunehmenden Digitalisierung müssten sich alle Möbelhändler Gedanken machen. Eine der Kernfragen sei, wie groß Möbelhäuser in Zukunft sein müssen. Der stationäre und der Internethandel würden weiterhin nebeneinander existieren. Doch der Großflächenmöbelhandel bringe laut Finke "nur noch wenig Rendite". Den Online-Handel bezeichnet Finke als "eine sehr große Herausforderung". Hätten für einen Internet-Shop vor drei Jahren 2.000 Artikel gereicht, müssten es heute mindestens 30.000 sein. "Das ist eine Verzehnfachung unseres Lagerbestands." Hinzu kämen erwartete Lieferzeiten von einer Woche. Ein solcher Online-Handel, in das einige hundert Millionen Euro investiert werden müssten, sei "für ein Familienunternehmen ohne Fremdkapital unmöglich", so Finke. "Der Internet-Handel wird dafür sorgen, dass die ersten 20 der Möbelbranche eine komplette Häutung ihres Unternehmens vornehmen." Zum 1. Januar 2019 soll Finkes erster Internet-Shop an den Start gehen. Wobei dieser Termin wohl kaum einzuhalten sein werde, sagte Finke. Für den Online-Shop wurde in Erkelenz - in unmittelbarer Nähe zu Entwicklern von Warenwirtschaftssystemen - eine eigene Firma gegründet.

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