0
Beim Casting für das Motzmobil: Domvikar Nils Petrat (l.) im Gespräch mit Lukas Hebig. Dahinter steht der gelbe Checker, Baujahr 1976, in dessen die Motzer später im Fond vor der Kamera Platz nahmen. - © Andreas Zobe
Beim Casting für das Motzmobil: Domvikar Nils Petrat (l.) im Gespräch mit Lukas Hebig. Dahinter steht der gelbe Checker, Baujahr 1976, in dessen die Motzer später im Fond vor der Kamera Platz nahmen. | © Andreas Zobe

Paderborn Kirche ganz anders: Dampf ablassen auf Libori im "Motzmobil"

Hans-Hermann Igges
02.08.2018 | Stand 03.08.2018, 10:02 Uhr |

Paderborn. "Hätten Sie Lust, in unserem Motzmobil mal so richtig Ihre Meinung zu sagen?" Die Frage von Karoline Knop gilt einer jungen Mutter. Mit ihrem Mann und den zwei Söhnen steht sie stauend vor einem Oldtimer, der vor dem Paradiesportal des Domes einen knallgelben Blickfang abgibt. "Da fragen Sie lieber meinen Mann", sagt die Mutter. Der lacht und meint: "Lieber nicht. Dann würde das Auto wegschmelzen." Doch Karoline Knop, Redakteurin in Diensten der Katholischen Kirche, bleibt vorerst in Kontakt. Der Checker, Baujahr 1976, ist noch so gelb wie er 1999 war, als sein heutiger Besitzer den Achtzylinder nach Frankfurt holte. Damals hatte das Big Yellow Cab - so nennen die New Yorker ihr beliebtes Fortbewegungsmittel - gerade den Dienst eingestellt. Kilometerstand? Der Tacho hat mehrfach genullt. Kopfstützen? Damals noch nicht Pflicht. Restaurierungen? Bloß nicht. Bis auf ein paar Gags wie die Taxi-Lizenz an der Windschutzscheibe, die auf einen gewissen Francis Albert ("Frank") Sinatra lautet, präsentiert sich der alte Checker unverändert. Seit vier Jahren hat der Checker als Kulisse eine Hauptrolle in einem TV-Format mit ziemlich reißerischem Titel. Als "Motzmobil" ist es Bühne für Alltagsärger der Menschen, möglichst in der Haupt-Zielgruppe des Privatsenders Pro 1, also der 14- bis 49-Jährigen. Gleichzeitig hat das Format einen Auftrag: Als "Verkündigungsfernsehen" der katholischen und der evangelischen Kirchen soll es mit christlichen Werten durch die Welt von heute helfen. Zurückhaltung vor der Kamera Einer der anderen Hauptdarsteller ist denn auch der Paderborner Domvikar Nils Petrat (37). Er stand gestern mit dem gelben Blickfang vor dem Dom und wartete auf Motzer, die bereit waren, sich im Fond der Limousine zu ereifern. Gleich für vier geplante Clips hatte das Team um Karoline Knop Themen parat: Dazu gehörten der Pflegenotstand, die Plastikmüll-Schwemme, der Kult um immer aufwendigere Hochzeiten und - aus gegebenem Anlass zu Libori - die Frage: Wie kommerziell dürfen Volksfeste sein? Petrat selbst unterhielt sich dabei nicht wirklich mit den Motzern wie es in den eineinhalb Minuten langen Clips den Anschein hat. Das gibt die Aufnahmesituation nicht her. Denn auf den vorderen Sitzen, wo Petrat danach seine Kommentare spricht, befindet sich beim Motzen die Kameraschiene. Doch wie ungebremst wird wirklich im Taxi geschimpft? "Vor der Kamera drücken sich die meisten nicht mehr so extrem aus", ist die Erfahrung von Petrat. Ob also der Vater, den Karoline Knop eingangs ansprach, das Taxi zum Schmelzen brachte? Am Samstag, 11 Uhr, folgt die Auflösung bei Pro 7. Oder danach im Internet auf facebook oder katholisch.de. Impressionen und Infos rund um Libori finden Sie in unserem Live-Ticker:

realisiert durch evolver group