Mit Engelsflügel: Als wenn "Stani" seine nahe Zukunft geahnt hätte. In seinem letzten Programm "Ich bin dann mal tot" hat sich der Paderborner Kabarettist mit dem Ende des Lebens beschäftigt. Er wollte das Publikum dazu bringen, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. - © Harald Morsch
Mit Engelsflügel: Als wenn "Stani" seine nahe Zukunft geahnt hätte. In seinem letzten Programm "Ich bin dann mal tot" hat sich der Paderborner Kabarettist mit dem Ende des Lebens beschäftigt. Er wollte das Publikum dazu bringen, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. | © Harald Morsch

Paderborn Paderborner Kabarettist Stani im Alter von 65 Jahren gestorben

Plötzliches Herzversagen: Zweites Urgestein der Paderborner Kulturszene innerhalb weniger Tage verstorben. Michael Greifenberg wurde 65 Jahre alt - und hatte ganz offenbar eine Vorahnung

Peter Hasenbein

Paderborn. Die Paderborner Kulturszene hält den Atem an: Nach Schauspieler Willi Hagemeier, der am Samstag beigesetzt wurde, ist am Freitagnachmittag, 13. Juli, völlig überraschend ein weiteres Urgestein des Paderborner Kulturlebens gestorben: Michael "Stani" Greifenberg. Tragisches Doppelschicksal: Eigentlich sollte Stani die Trauerrede bei der Beisetzung seines langjährigen Freundes Hagemeier halten. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen, obwohl die Rede längst fertig geschrieben war. Gehalten hat sie am Samstagnachmittag, 14. Juli, Heiko Grosche. Das hätte Stani ganz sicher gefallen. Geboren wurde Michael Greifenberg 1953 in Münster. Paderborn lernte der Vater zweier erwachsener Töchter im Studium kennen, er hatte das Fach Wirtschaftswissenschaften bis zum 5. Semester belegt. Doch so trockene Materie konnte den Mann mit dem bodenständigen Humor keineswegs genügen. Anfangs an der Studiobühne der Universität setzte sich rasch der unbändige Drang auf die Bühne gänzlich durch. Er brach sein Studium ab und widmete sich fortan dem kulturellen Schaffen. Als Schauspieler und Regisseur und vor allem als Kabarettist. Mit der Paderborner Kulturnadel ausgezeichnet Mit großem Erfolg: 1999 wurde er mit dem 1. Preis im Wettbewerb "Tegtmeiers Erben" ausgezeichnet. 2007 erhielt er gemeinsam mit seinem Partner Michael Tumbrinck den Ensemblepreis Reinheimer Satirelöwe für das Programm "Arbeit hat frei". Und im Jahr 2010 ehrte ihn die Paderstadt mit der Kulturnadel für seinen enorm großen Aktionsradius mit unzähligen Veranstaltungen: Zeltsommer, Winterfestspiele Harth, später dann das Theater im Esszimmer in Scharmede, nicht zu vergessen seine Auftritte als legendärer Schütze Greitemeier. Und dann das Libori-Nachtkabarett, das schon seit Jahren mit großem Erfolg auf den Hof der Bonifatius-Buchhandlung umgezogen war. Auch hier steht das aktuelle Programm längst, das Stani eigentlich auf der Pressekonferenz am morgigen Dienstag vorstellen wollte. Das kann er nicht mehr, aber das Programm selber soll dem Vernehmen nach trotzdem stattfinden. Der Tod gehört zum Leben Schon vor vier Jahren stand Stani mit einem Bein im Grab. Eine sogenannte "Aortendissektion" brachte ihn damals dem Tod näher als dem Leben. Das ging zwar noch glimpflich aus, hatte aber Nachwirkungen. Es war die Triebfeder für sein aktuellstes Programm "Ich bin dann mal tot". Für Stani war klar: Der Tod gehört zum Leben, und so brachte er "Gute Nachrichten aus dem Jenseits" seit dem 8. Juni auf die Bühne. Auch das war Stanis Anliegen. Ernste Themen humorvoll verpacken. Und wenn's dabei sogar um den Tod geht, mit dem sich das Publikum auseinandersetzen sollte. Das kann auch zu seiner Beisetzung zahlreich erscheinen. Denn in seiner Familie ist klar, dass die Trauerfeier nicht im engsten Kreis geschehen soll. "Es ist jeder eingeladen, der kommen möchte", lautete Stanis Grundsatz, wie die Familie am Sonntag versicherte. Wann genau die Beisetzung sein wird, soll sich allerdings erst am heutigen Montag entscheiden. Michael Greifenberg ist am Freitag wahrscheinlich an einem plötzlichen Herztod gestorben.

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