Noch in Grün: Beim Schützenfest an diesem Wochenende wird Gesselns erste Schützenkönigin Karin Nettelnbreker dann aber ein Kleid tragen, ihr Mann Andreas bleibt bei seiner Uniform. - © Birger Berbüsse
Noch in Grün: Beim Schützenfest an diesem Wochenende wird Gesselns erste Schützenkönigin Karin Nettelnbreker dann aber ein Kleid tragen, ihr Mann Andreas bleibt bei seiner Uniform. | © Birger Berbüsse

Paderborn Schützenkönigin: Sie schoss als erste Frau im Kreis Paderborn den Vogel ab

Karin Nettelnbreker aus Gesseln ist die erste Schützenkönigin im Kreis. Für das Schützenfest am Wochenende musste so einiges umorganisiert werden

Birger Berbüsse

Paderborn-Elsen. Auf die Königin richten sich bei einem Schützenfest ohnehin alle Blicke. In Gesseln wird die Regentin Karin Nettelnbreker am Wochenende aber noch mehr als üblich im Fokus stehen. Schließlich hat die 45-Jährige Geschichte geschrieben und als erste Frau im Kreis Paderborn die Königswürde errungen. Als Vorreiterin des Feminismus möchte sich die zweifache Mutter, die mit ihrem Mann Andreas an der Seite den Hofstaat anführen wird, allerdings nicht sehen. „Nur weil ich Königin bin, bin ich nichts Besonderes", sagte Karin Nettelnbreker, „ich will einfach nur ein schönes Fest feiern". Dennoch ist sie für die Gleichberechtigung – und die hat sich im 700 Mitglieder zählenden Schützenverein Gesseln auch dank ihr fast im Eiltempo durchgesetzt. 2006 gehörte die jetzige Regentin zu den ersten Frauen, die auf Einladung des damaligen Königs auch mal schießen durften. Sie fanden Gefallen daran, aber der Versicherungsschutz bereitete Sorgen. Schließlich waren sie keine Mitglieder. „Warum gibt es eigentlich keine Frauen im Verein?", hätten damals viele gefragt. Und so kam der Stein ins Rollen. 2009 wurde die Satzungsänderung verabschiedet, die die Aufnahme ermöglichte. Besonders viele Mädchen und junge Frauen traten daraufhin ein. Gleich im ersten Jahr gab es die erste Jungschützenprinzessin, die erste von vieren. Geplant war das alles nicht Und nun also die erste Königin. Obwohl, geplant war der Schuss ins Schützenglück nicht. Schuld sind gewissermaßen die Männer, denn von denen wollte beim Vogelschießen keiner so richtig König werden. Krisensitzung des geschäftsführenden Vorstandes, dem Karin Nettelnbreker als erste Frau angehört. Ein Heimatfest ohne Königspaar wie in anderen Ortschaften sollte es in Gesseln nicht geben. Der Oberst fühlte sich selbst in Verantwortung und trat an. Doch er war nicht alleine. „Karin, geh’ doch da rein und hol’ den Vogel runter", ermunterte Andreas Nettelnbreker seine Frau. Ein spannendes Duell folgte, bis dann um 19.46 Uhr mit dem 188. Schuss der Vogel zu Boden stürzte. Karin Nettelnbreker wurde damit die erste Gesselner Königin. Und das führte sogleich zu einigen Problemen. Nicht, weil einige Leute etwas dagegen hatten. Die gebe es zwar auch, aber darin stört sich das Königspaar nicht groß. Nur einige Abläufe mussten etwas umgekrempelt werden. Das fing schon mit dem Königsorden an, der deutlich größer ist als der Königinnenorden. Da mussten erst ganz vorsichtig die Plaketten mit dem Schriftzug gelöst und getauscht werden. Der Aufnäher „Schützenkönig 2018" kommt eigentlich auf den Ärmel der Schützenjacke. Doch die Frauen tragen eine Weste. Also kam er nach unten links, musste bald aber nach rechts versetzt werden, weil ihn sonst die Schleppe verdeckt hätte. Auch trägt eine Königin eigentlich eine Krone. Das fand die neue Majestät aber nicht passend zu ihrer Uniform und setzte sich die Krone deshalb nur am Abend des Vogelschießens auf. Was sie beim Schützenfest trägt, stand allerdings schnell fest. Denn das ist in der Satzung so festgelegt. Auch Königinnen tragen ein Kleid, dazu die Königskette. Ihr Mann Andreas geht beim Festzug in seiner Schützenuniform. Allerdings auf der rechten Seite, auf der eigentlich seine Frau als Königin gehen müsste. Dass sie das nicht tut, hat einen ganz praktischen Hintergrund: „So kann ich mit rechts grüßen und sie winken." Sonst müsste sich das Ehepaar ständig loslassen, zumal Karin Nettelnbreker auch einen Blumenstrauß haben wird. Viel Aufregung und Organisation also. Aber das alles istjetzt vergessen und es nur noch um eines gehen: „Jetzt freuen wir uns auf das ganze Festwochenende", blickt die erste Schützenkönigin des Kreises voraus. Und ist dann doch in einer Sache Vorreiterin: „Für unsere nächste Königin wird jetzt alles viel einfacher."

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