Imposante Kulisse: Im großen Saal des Theaters lauschen die 390 Jugendlichen aus OWL dem Vortrag von Klimaforscher Peter Lemke, der eindringlich vor den Folgen der globalen Erwärmung warnte. - © Michael Trappmann
Imposante Kulisse: Im großen Saal des Theaters lauschen die 390 Jugendlichen aus OWL dem Vortrag von Klimaforscher Peter Lemke, der eindringlich vor den Folgen der globalen Erwärmung warnte. | © Michael Trappmann

Paderborn Schüler-Klimagipfel im Paderborner Theater

390 Jugendliche aus ganz OWL informieren sich beim Nachhaltigkeits-Schultag über den Klimawandel und diskutieren mit Fachleuten über Lösungen

Birger Berbüsse

Paderborn. Es soll ja immer noch Menschen geben, teilweise sogar in hochrangigen politischen oder wirtschaftlichen Ämtern, die den Klimawandel leugnen. Vielleicht sollten auch sie sich einmal so gründlich und leidenschaftlich informieren wie die 390 Jugendlichen aus ganz OWL, die gestern zum Schüler-Klimagipfel im Paderborner Theater zusammen kamen. Für diesen Nachhaltigkeits-Schultag hatten die Veranstalter zahlreiche renommierte Fachleute von Forschungsinstituten, Umweltorganisationen und anderen Institutionen gewinnen können. Hauptunterstützer ist die Energieagentur.NRW des Wirtschaftsministeriums. Neben Talkrunden standen Videos, Interviews, ein Rap sowie eine Satelliten-Telefon-Schaltung in die Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis auf dem Programm. Einen ähnlichen Klimagipfel hatte es zuletzt während des Weltklimagipfels in Bielefeld gegeben; nun feierte die Bildungsreihe ihr Debüt im Theater. Ganz nach dem Motto: „Vorhang auf für den Klimaschutz." "Globale Erwärmung ist real" Auf den Brettern, die bekanntlich die Welt bedeuten, stand unter anderem der Klimaforscher Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut. Der Leiter von sechs Polarexpeditionen schilderte in seinem mit vielen Grafiken und Fotos unterlegten Vortrag eindringlich die Folgen des Klimawandels. Denn dass es den gibt, daran bestehe kein Zweifel. „Globale Erwärmung ist real und wissenschaftlich erklärbar", sagte Lemke. Und wer dafür verantwortlich ist, sei ebenso eindeutig: „Der Mensch beeinflusst das Klima", und zwar durch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Die Folge: ein gewaltiger Temperaturanstieg. Was das bedeutet, könne man in der Arktis sehen: Die dortige Eisfläche werde im Sommer immer kleiner und vermutlich um 2050 ganz verschwunden sein. Die Dicke der Eisschicht habe bis 2004 noch 2,5 Meter betragen, nun seien es nur noch weniger als ein Meter. „Wenn wir nichts tun, steigt die Temperatur um 7 bis 9 Grad", sagte Lemke. "Dann wäre Norddeutschland weg" Dann würde Grönland einfach „wegschmelzen". Dies wiederum würde den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen lassen. Und das würde man nicht nur auf Inselstaaten wie Tuvalu zu spüren bekommen, sondern auch in Deutschland. „Dann wäre ganz Norddeutschland weg", so Lemkes Fazit. Ebenfalls zu Gast auf der Bühne war Clara von Glasow, Vertreterin der Jugendklimadelegation der UNO. Sie verriet, was für sie „Klimagerechtigkeit" wäre – wenn es sie denn gebe: „Wenn die für die Emissionen verantwortlichen Länden jene Länder unterstützen, die darunter leiden." Als Beispiel nannte sie ihren Besuch auf den Fidschi-Inseln. Dort hätten ihr Kinder gezeigt, wo ihre Urgroßeltern begraben lägen. Sie zeigten aber aufs Meer hinaus, wo gerade noch die Spitze der Kreuze aus dem Wasser ragten. So weit sei das Meer dort schon vorgerückt. "Es geht um unsere Zukunft" Die Studentin berichtete auch von ihren Erfahrungen auf dem Weltklimagipfel und die Ziele der Jugenddelegation. Die Länder sollten ihre Klimaziele einhalten. „Und sie sollen mehr auf uns hören, weil es schließlich um unsere Zukunft geht." Das hinterließ Wirkung. Der 13-jährige Simon Düsterhus etwa fühlte sich in seiner Meinung bestätigt: „Klimaschutz betrifft uns alle", sagte der Achtklässler der Gesamtschule Bad Driburg. Er könne nicht verstehen, dass Politiker wie Donald Trump sagten, es gebe keinen Klimawandel. „Alle sollten sich darum kümmern, etwas dagegen zu tun", fordert Simon Düsterhus. Etwa durch die Nutzung von Ökostrom wie bei ihm zuhause.

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