Paderborn Beim Contra zur Nietzsche-Glocke passen alle

Birger Berbüsse

Paderborn. "Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder!" So steht es auf der Bronzeglocke des dänischen Künstlers Henrik Plenge Jakobsen, die die Stadt Paderborn angekauft hat. Denn aufgestellt werden soll sie im Garten am Kreuzgang des ehemaligen Abdinghofklosters - je nach Blickrichtung steht sie somit dann in einer Richtung zur Abdinghofkirche oder zum Dom. Nach Bekanntwerden des städtischen Vorhabens gab es entsprechend Kritik sowohl von evangelischer und katholischer Kirche. Pfarrer Eckard Düker, Dechant Benedikt Fischer und Dompropst Joachim Göbel verfassten ein gemeinsames Protestschreiben an die Stadt. Der "antichristliche und atheistische" Nietzsche-Spruch könne nur als Konfrontation aufgefasst werden. Die Stadt verteidigte die geplante Installation: Sie solle zur Diskussion über kirchliche und religiöse Prägung der Stadtgesellschaft anregen. Sowohl Stadtrat als auch Kulturausschuss hatten einstimmig für den Kauf der Glocke gestimmt. Kulturdezernent Carsten Venherm wollte sich gegenüber der NW nicht zu der kontroversen Entscheidung äußern, die Pressemitteilung der Stadt war nicht personalisiert. Mittlerweile herrscht auch auf Seiten der Kirche Schweigen. Die NW hat Düker, Fischer und Göbel um einen Beitrag gebeten - alle drei lehnten die Anfrage ebenso ab wie weitere Kirchenvertreter. Aus diesem Grund erscheint die "Paderborner Debatte" nur mit einem Dafür, aber ohne ein Dagegen. Die bisherigen Leserbriefe haben die Glocke verteidigt. Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns! Pro: Kunst darf aufregen Die Anschaffung der Glocke des dänischen Künstlers Hendrik Plenge Jakobsen, versehen mit dem Nietzsche-Zitat „Gott ist tot ..." erregt die Gemüter und sorgt für reichlich Diskussion in der Stadt. Gewissermaßen in Fortsetzung der Auseinandersetzungen bei der damaligen Ausstellung „Tatort Paderborn" in 2007 wird wieder die Frage gestellt, ob es angebracht ist, nunmehr in unmittelbarer Nähe zur Abdinghofkirche im Bereich des neuen Stadtmuseums genau diese Glocke aufzustellen. Und der Unmut richtet sich auch gegen die politische Entscheidung, diesem Vorhaben vorbehaltlos zugestimmt zu haben. Natürlich unterliegen solche Entscheidungen immer einem politisch geführten Abstimmungsprozess. Fachleute stellen alle Aspekte dabei zur Diskussion – und der Sinnzusammenhang für den Ort hat absolut überzeugt. Es ist schade, wenn die kirchlichen Vertreter nun signalisieren, dass diese Entscheidung kirchenfeindlich sei. Mitnichten! Viel mehr doch stellt sich jetzt die Frage, ob Kunst und Kultur im öffentlichen Raum nicht genau diese Funktion haben darf oder sogar haben muss, nämlich zu pointieren und zu polarisieren. In der Kunst wird etwas aufgezeigt, führt zur Auseinandersetzung und erlaubt die Gewinnung neuer Perspektiven. Kunst sollte nicht nur konsumorientiert als Anschauungsobjekt mit Unterhaltungswert verstanden werden – ja auch, aber nicht nur. Kunst darf anregen und gerne auch aufregen. Sie lädt in eine Auseinandersetzung ein mit sich selbst und mit anderen Menschen. So wie sich der Künstler im und mit dem Kunstwerk auseinandergesetzt hat, so setzt sich nun der Betrachter mit dem Objekt auseinander. Kunst garantiert nicht „Gefallen". Es gibt meines Erachtens kein Recht darauf, sich von Kunst gut unterhalten fühlen zu dürfen. Wenn sie das tut, dann mag es schön sein. Wirkt sie nachhaltig, ist der Zweck womöglich noch stärker erfüllt. Die Glocke erfüllt bereits jetzt schon diesen Zweck, obwohl sie zur Zeit weder aufgestellt noch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Somit möchte ich behaupten, ist alles richtig gemacht. Von Ralf Pirsig (Grüne), ist Vorsitzender des Kulturausschusses Contra: Liebe Leser, normalerweise finden Sie an dieser Stelle der „Paderborner Debatte" den Contra-Beitrag. Allerdings hat sich trotz zahlreicher Anfragen kein Kirchenvertreter gefunden, der Stellung gegen die Glocke mit dem Nietzsche-Zitat beziehen wollte. Wie ist es mit Ihnen? Sind Sie gegen die Glocke? Dann schreiben Sie uns doch gerne das Contra! Schicken Sie Ihre 
E-Mail zum Thema an:paderborn@nw.de

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