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Paderborn Ursachen für Windradhavarie bei Paderborn bleiben unklar

Trümmerteile liegen bis zu 100 Meter entfernt auf dem Feld

Björn Vahle
23.05.2016 | Stand 23.05.2016, 17:39 Uhr |
Ralph Meyer

Paderborn/Borchen. Zunächst war von einem Blitzschlag als Ursache die Rede, aber inzwischen ist der Anlagenbesitzer überzeugt, dass die Windkraftanlage unweit der Bundesstraße 68 zwischen Paderborn und Borchen am Sonntagabend durch einen Tornado zerstört wurde.Sturmexperten sind jedoch skeptisch. Gegen 19.20 Uhr zog eine Gewitterfront, begleitet von Starkregen und Sturmböen, von Süden her über den Kreis Paderborn hinweg. Wenig später meldeten Autofahrer über Notruf, dass bei einer Windkraftanlage nahe der Bundesstraße zwei Flügel abgerissen waren. Um 19.28 Uhr wurden die Löschzüge Kirchborchen und Dörenhagen der Freiwilligen Feuerwehr Borchen alarmiert und rückten zur Unglücksstelle in der Dörenhagener Feldflur in der Nähe des Haxtergrundes aus.  Die zerstörte, 18 Jahre alte Anlage steht etwa 400 Meter von der Straße entfernt. Zwei der drei geborstenen, jeweils 1,9 Tonnen schweren Flügel bohrten sich jeweils rund 100 Meter vom Windrad in den steinigen Boden der Paderborner Hochfläche. Der dritte Flügel hängt verdreht und abgeknickt an der Maschinengondel in etwa 50 Metern Höhe. Der sechs Tonnen schwere Generator schlug wie ein Stein unmittelbar am Fuß des Turmes ein.  "Das war eine Windhose von 160 Stundenkilometern", berichtet Eigentümer Hans-Josef Vogt am Tag nach dem Unfall. "Wie eine Walze hat sie eine 300 bis 400 Meter breite Schneise der Verwüstung hinterlassen", sagt er. Lars Popanda vom Verein  "Stormchaser Ruhrgebiet", der am Sonntag die Böenzelle im  Auto verfolgte, ist skeptisch. Sicher habe es Fallwinde gegeben, doch ob die punktuell solche Schäden anrichten können, hält er für wenig wahrscheinlich. Sicher ist er sich, dass die Böenfront nach Durchzug in Dörenhagen Fahrt aufnahm und für die Schäden im Kreis Minden-Lübbecke ursächlich ist. An der Gondel sind auch Brandspuren sichtbar, die Bernd Lüke, Leiter der Borchener Feuerwehr, zunächst für die Spur eines Blitzschlages hielt. Bei dem zerstörten Windrad handelt es sich um eine 600 Kilowatt starke Anlage des Herstellers Tacke mit einer Nabenhöhe von 50 und einem Rotordurchmesser von 43 Metern. Die Gesamthöhe der Anlage beträgt knapp 90 Meter. Während des Unglücks war die Anlage nicht in Betrieb, sagt Besitzer Vogt und weist auf die automatische Abschaltung hin.  Vogt gehörte Mitte der 90er-Jahre zu den Windkraftpionieren im Raum Paderborn. Die havarierte Anlage wird der Nebenerwerbslandwirt wieder aufbauen Zwei Sätze  Ersatzflügel und eine zwei neue Gondeln liegen bereits im heimischen Gänsestall auf Lager. "In acht Wochen sieht die Anlage wieder aus wie neu", sagt er und erteilt Gerüchten über eine Materialermüdung eine klare Absage. Das sieht Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen anders. Für ihn müssen aus dem Unglück dringend Konsequenzen gezogen werden. Vor allem die Zulassungsverfahren müssten überprüft werden und auch die Alterungsprozesse im Auge behalten werden."Nicht auszudenken, wenn dort Menschen unterwegs gewesen wären", sagt er. In der Gemeinde im Süden Paderborns gibt es bislang 41 Windkraftanlagen.  Der Kreis Paderborn wird die Wartungsprotokolle der havarierten Anlage und der baugleichen sieben weiteren Anlagen im Kreis anfordern. Anschließend wird die Verwaltung ein Gutachten zur Ursachenermittlung in Auftrag geben. Verletzt wurde bei der Havarie der Windkraftanlage niemand. Auch eine Gefahr für Autofahrer auf der Bundesstraße bestand wegen des großen Abstandes nicht. "Wenn allerdings eine der näher stehenden Anlagen betroffen gewesen wäre, hätte die Sache auch anders ausgehen können", unterstreicht Feuerwehrchef Lüke. Während des Unwetters, bei dem innerhalb weniger Minuten fast 20 Liter Niederschlag fielen, wurden mehrere Straßen durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste blockiert. In der Paderborner Innenstadt stürzten auch Baustellenabsicherungen um.

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