Symbolbild: Ebay. - © dpa
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Paderborn Ebay-Verkäufer erstattet Kaufpreis und wird von Commerzbank verklagt

Landgericht: Commerzbank macht für falsche Überweisung 30-Jährigen verantwortlich. Rechtsanwältin: "Es gibt mehrere dieser Fälle"

Paderborn. Im weltweiten Netz liegen nicht selten Freude und Ärger dicht bei einander. Das musste auch ein Student aus Paderborn feststellen, der sich nach einem augenscheinlich erfolgreichen Geschäft bei Ebay urplötzlich mit der Klage einer großen deutschen Bank konfrontiert sah. Vor dem Landgericht Paderborn ging die Sache aber doch glimpflich aus. Der 30-Jährige hatte auf der Internetplattform ein Spiel verkauft - für 25 Euro. Doch bevor er die Ware losschicken konnte, erhielt er eine Mail des Käufers. Ihm sei da ein gewaltiger Fehler unterlaufen, schrieb dieser. Statt des geforderten Preises in Höhe von 25 Euro habe er versehentlich 2.500 Euro überwiesen. Und so bäte er darum, die Differenz zurückzuerstatten - aber nicht auf das Absenderkonto bei der Commerzbank, sondern auf ein anderes bei der Postbank. Um einen kleinen Ausgleich für den Aufwand zu erhalten, solle der Paderborner aber nur 2.470 Euro anweisen statt 2.475. Der Student tat wie ihm geheißen. Fatalerweise, denn es stellte sich heraus, dass dem Überweisungsauftrag, den die Commerzbank durchgeführt hatte, kein "autorisierter Auftrag" zugrunde lag, sprich: nicht der Kontoinhaber, sondern ein Krimineller hatte das stattliche Sümmchen zunächst dem Studenten und anschließend sich selbst über ein anderes Konto zukommen lassen. Herausgekommen war der kriminelle Geldtransfer, weil der Kunde der Commerzbank die Überweisung reklamiert hatte. Indes hatte der Paderborner zwar bereits Verdacht geschöpft, da das Spiel, das er verabredungsgemäß in die Post gegeben hatte, als unzustellbar zu ihm zurückgekommen war, und flugs Anzeige erstattet. Weiterer Ärger stand trotzdem ins Haus. Die Commerzbank hatte ihrem erbosten Kunden die 2.500 Euro erstattet und begehrte nunmehr ihrerseits diese Summe zurück - und zwar von dem Paderborner. Dieser habe sich unrechtmäßig bereichert. Das sei mitnichten so, argumentierte Rechtsanwalt Jann Henrik Popkes. Schließlich sei sein Mandant überhaupt nicht im Besitz des Geldes und damit auch nicht zum Ausgleich des Schadens verpflichtet. Das Amtsgericht Paderborn teilte diese Meinung, doch das mochte die Commerzbank nicht akzeptieren und legte Berufung ein. Der Student habe sich "einen Vertragspartner ausgesucht, der böse war", fasste Rechtsanwältin Brigitte Frensch die Ansicht der Bank zusammen. Und damit trage er die Verantwortung dafür, dass das Geldinstitut betrogen wurde. Das in diesem Fall an den Tag gelegte kriminelle Vorgehen sei nämlich als gängige Masche von Betrügern und Geldwäschern hinlänglich bekannt. Die Richter der 5. Zivilkammer des Landgerichts Paderborn vernahmen alle Argumente sehr wohl, machten allerdings auf noch zu klärende Fragestellungen aufmerksam. "Das ist eine Geschichte, die kann auch so passieren", stellte der Vorsitzende Richter Klemens Thiemann zunächst mit Blick auf die Glaubwürdigkeit des beklagten 30-Jährigen fest. Dennoch müsste vor einer Entscheidung erst einmal geklärt werden, an wen schlussendlich das Geld überhaupt geflossen sei, wer also Zugriff auf das Konto bei der Postbank hatte, auf das der Paderborner die Summe überwiesen hatte. Andererseits sahen sie die Commerzbank in der Pflicht nachzuweisen, dass die Unterschrift auf dem verhängnisvollen Überweisungsauftrag tatsächlich eine Fälschung war. Angesichts dieses doch beträchtlichen Klärungsbedarfs schlossen die beiden Parteien einen Vergleich. Der Paderborner zahlt der Commerzbank 1.250 Euro in Raten, dafür verzichtet das Geldinstitut auf weitere Forderungen. Dieser Vorfall sei kein singuläres Ereignis, betonte Rechtsanwältin Brigitte Frensch im Prozess. "Es gab mehrere dieser Fälle." Da aber der Zahlungsverkehr mittlerweile ein "Massenverkehr" sei, sei eine Überprüfung der Unterschriften auf Überweisungsträgern schlichtweg nicht möglich. Az.: 1 S 73/15

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