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Dreigeschossig: Das neue Kundenschulungszentrum von Enercon eröffnet in Lichtenau. Vor dem Eingang steht eine Gondel vom Typ E 126. - © Jens Reddeker
Dreigeschossig: Das neue Kundenschulungszentrum von Enercon eröffnet in Lichtenau. Vor dem Eingang steht eine Gondel vom Typ E 126. | © Jens Reddeker

Lichtenau Ein Wind-Knubbel ist Lichtenaus neues Wahrzeichen

In einem Gewerbegebiet der Energiestadt schult Deutschlands größter Windradhersteller seine Kunden

Jens Reddeker
06.09.2019 | Stand 06.09.2019, 17:42 Uhr

Lichtenau. In Lichtenau gibt es einen neuen Hingucker, 17 Meter hoch und irgendwie putzig-knubbelig. Vor dem neuen Kundenschulungszentrum des Windradherstellers Enercon steht eine mächtige Windradgondel neuesten Typs. Besucher sehen das Maschinenhaus schon von der B 68 aus. Zu sehen bekommen es am Samstag auch die Gäste beim Tag der offenen Tür, mit dem sich das Unternehmen aus Aurich in Lichtenau präsentieren will. Stolz auf die Neuansiedlung ist Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann (SPD). "Dass sich Enercon für Lichtenau entschieden hat, ehrt uns und ist auch das Ergebnis unserer Arbeit als Energiestadt. Beim Unternehmen ist angekommen, dass hier eine weitgehende Akzeptanz für die Windkraft herrscht." Seit Anfang 2017 hatten die Lichtenauer mit Enercon Gespräche geführt, vor ziemlich genau einem Jahr wurde schließlich der Grundstein für das Fünf-Millionen-Gebäude gelegt. Investor des Baus ist der Lichtenauer Unternehmer Reinhard Piepenbrock (Pietec), der auch Vorsitzender der Bürgerenergiestiftung ist. Das zweite Obergeschoss ist noch nicht vermietet. Die knubbelige Gondel vom Typ E 126 vor dem dreigeschossigen Schulungsgebäude ist nicht nur Windkraft-Wahrzeichen, sondern dient dem Training von Enercon-Kunden. "Trainiert wird dort die Rettung in Notfallsituationen", sagt Antje Peters aus der Konzernzentrale in Ostfriesland. Überhaupt ist die Arbeitssicherheit ein großer Bereich der Schulungen. In der rückwärtigen Halle des Neubaus sind drei Überseecontainer gestapelt, die den Turm einer Windkraftanlage simulieren und von wo aus ebenfalls das Abseilen aus der Höhe und auch das Verhalten in engen Räumen wie einem Windradturm trainiert werden kann. Schutzhelme liegen parat und für den Übungsfall ist "Rescue Randy" vor Ort, eine Puppe mit menschlichen Ausmaßen. Eine weitere Trainingsstation im Außenbereich ist ein Brandschutzcontainer. Störungen werden simuliert Enercon, größter deutscher Windanlagenhersteller, erwartet pro Jahr Schulungen in 20 Wochen mit jeweils bis zu 20 Personen, die vier Tage lang in Lichtenau in die Sicherheit und die Technik der Anlagen eingewiesen werden. Neben Notsituationen werden Windradbesitzer und Windradbetreiber auch für den täglichen Umgang mit den Stromlieferanten vertraut gemacht. "Kunden möchten Teile der Wartung immer öfter selbst übernehmen, deshalb müssen wir ihnen auch das Rüstzeug dafür an die Hand geben", sagt Peters. Teilnehmern steht daher sogar die Original-Gondel einer gängigen Anlage vom Typ E-115 zur Verfügung. "Das ist kein Nachbau. Wir können hier Störungen einspielen und sämtliche Steuerungen vornehmen, als wäre es eine Gondel draußen im Feld", sagt Alexander Langkutsch, Abteilungsleiter bei Enercon, mit Blick auf die Anlage mit den Ausmaßen einer Segelyacht. Bei dieser Trainingsstation handelt es sich um die größte überdachte Anlage ihrer Art. Da die Hallentore zu klein für den Technik-Riesen waren, musste die Gondel im Juni per Kran durch eine eigens offen gelassene Dachfläche in der Halle abgestellt werden. Der Neubau in der Johannes-Höschen-Straße beinhaltet zusätzlich Büros, eine Kantine und einen öffentlichen Shop. Die drei Schulungsräume tragen die Namen von Lichtenauer Orten. Beschult werden die Besucher in "Dalheim", "Atteln" und "Husen". Beim Tag der offenen Tür von 10 bis 17 Uhr können Interessierte das Schulungszentrum inklusive aller Schulungsstationen besichtigen, sich an Infoständen über die Onshore-Windenergie informieren und bei Rettungsübungen zuschauen. Kinder können an einer Mitmachstation ihre eigene Papier-Windenergieanlage basteln.

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