Dreigeschossig: Die dritte Etage ist als Reserve für zukünftigen Raumbedarf vorgesehen. - © NW/Köhler + Otto Architekten
Dreigeschossig: Die dritte Etage ist als Reserve für zukünftigen Raumbedarf vorgesehen. | © NW/Köhler + Otto Architekten

Enercon: Windenergie–Schule in Lichtenau

Trainingscenter für Anlagenbetreiber kostet fünf Millionen Euro

Karl Finke

Lichtenau. Wie funktioniert eine Windkraftanlage? Wie muss die Technik gewartet werden? Wie lassen sich die Anlagen aus der Ferne überwachen? Informationen und praktische Übungen zu diesen Fragen bekommen ab April 2019 Windkraftanlagen-Betreiber aus ganz Deutschland im neuen Trainingscenter des Anlagenherstellers Enercon in Lichtenau. Bereits seit 2017 werden derartige Schulungen im Technologiezentrum Lichtenau durchgeführt. Am Dienstagmorgen stellte auf der Baustelle in der Nachbarschaft der Bauherr, der Lichtenauer Unternehmer Reinhard Piepenbrock (Firma Pietec Feinwerktechnik in Haaren, 120 Mitarbeiter), das entstehende Gebäude zusammen mit Volker Kendziorra (Kaufmännische Leitung Enercon Service) vor. Im Gewerbegebiet Leihbühl entstehen ein dreigeschossiges Schulungsgebäude mit 2.500 Quadratmetern Nutzfläche (inclusive Shop und Kantine), eine 12 Meter hohe Halle zum Üben von Arbeiten in großer Höhe und ein Außenbereich mit Maschinenhäusern. Dort können auch Open-Air-Veranstaltungen durchgeführt werden. Sein eigenes Investitionsvolumen benannte Piepenbrock mit „4 bis 5 Millionen Euro". Enercon werde zunächst das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss mieten, bei weiterem Bedarf auch die dritte Etage. Andernfalls könnte diese Reserve an andere Interessenten vermietet werden. Der Unternehmer ist nach eigenen Angaben seit 20 Jahren an zahlreichen Windenergieanlagen beteiligt. Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann schrieb Piepenbrock, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bürger- und Energiestiftung Lichtenau ist, die wichtigste Rolle bei der erfolgreichen Bewerbung um das Enercon-Schulungszentrum zu. Weitere Zahlen sprachen für sich: Die Firma Enercon habe im Stadtgebiet 92 neue Windriesen errichtet. Weitere 19 Anlagen, „meist von Enercon", so der Rathauschef, seien geplant. Lichtenauer Bürger sollen profitieren Hartmann sprach von einer „pragmatischen Zusammenarbeit" von der viele Lichtenauer Bürger profitieren würden. Allein durch Pachteinnahmen und Dividenden aus Windenergie-Genossenschaften sei die Kaufkraft im Stadtgebiet um vier Millionen Euro gestiegen, so Hartmann. Die Bürger würden weiterhin durch niedrige Strompreise profitieren. Durch Gewerbesteuereinnahmen aus der Windenergie könnten Steuern und Gebühren stabil gehalten werden. „Wir als Kommune haben zur Akzeptanz der Windenergie beitragen", so Hartmann zum Anteil von Rat und Verwaltung an der Entwicklung. Warum sich das Unternehmen Enercon, es hat in Deutschland etwa die Hälfte alle Windenergie-Anlagen errichtet, für Lichtenau als Standort entschied, begründete der kaufmännische Leiter des Firmenservice. „In Lichtenau können wir vorstellen, wie ein Energie-Konzept auch mit seinem Umfeld strukturiert ist", so Kendziorra zur quasi Windenergie-Musterstadt im Kreis Paderborn. In dem neuen Schulungszentrum sollen vier oder fünf Trainer wöchentlich rund 50 Teilnehmer nicht zuletzt in Sicherheitsthemen unterweisen. Mit den Teilnehmern werden in der Region etwa 5.000 Übernachtungen erwartet. Bürgermeister Josef Hartmann und drei heimische Experten zum Thema werden im Oktober bei einer Konferenz der Europäischen Union in der Nähe der polnischen Stadt Stettin das Konzept der Energiestadt Teilnehmern aus verschiedenen Ländern vorstellen. „Eine Anerkennung unserer Arbeit", wertete das Stadtoberhaupt diese Einladung.

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