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Auch nach dem weitestgehenden Abzug der britischen Truppen werden weiterhin Übungen durchgeführt. - © Marc Köppelmann
Auch nach dem weitestgehenden Abzug der britischen Truppen werden weiterhin Übungen durchgeführt. | © Marc Köppelmann

Kreis Paderborn Briten-General prognostiziert 40 Wochen Übungsbetrieb in der Senne

Richard Clements, Oberkommandierender der Briten in Deutschland, verabschiedet sich von Landrat Müller. Dabei erläutert er die weiteren Nutzungspläne des Truppenübungsplatzes

Hans-Hermann Igges
23.09.2019 | Stand 23.09.2019, 14:51 Uhr
Jens Reddeker

Kreis Paderborn. Wie geht es nach dem Abzug des ganz überwiegenden Teils der britischen Truppen aus Paderborn mit dem Truppenübungsplatz Senne weiter? Kaum beklagt sich die Initiative Schlangen 4.0 / #Opensenne in einem Offenen Brief über mangelnde Information seitens deutscher Mandatsträger darüber, da reagiert Landrat Manfred Müller und berichtet von seinem letzten Gespräch anlässlich der Verabschiedung des Militärchefs der britischen Truppen aus Deutschland. Demnach sei mit künftigen Übungszeiten von maximal 40 Wochen im Jahr sowohl durch britische als auch durch Nato-Truppen und die Bundeswehr zu rechnen. Die Initiative Schlangen 4.0 / #Opensenne hatte in seinem Offenen Brief Bezug genommen auf ein Gespräch der britischen Militärführung mit der Regierungspräsidentin, den Landräten der Kreise Paderborn, Lippe und Gütersloh sowie der Bürgermeister der Senne-Anrainerkommunen Bezug genommen und beklagt, dass darüber noch keinerlei Informationen herausgegeben worden seien. Dass die Bevölkerung bisher nicht informiert worden sei, werte man als "beunruhigendes Signal". Briten, Bundeswehr und Nato-Truppen 250 britische Soldatinnen und Soldaten bleiben in Paderborn, um den Übungsbetrieb in der Senne weiter zu organisieren. Laut Landrat Manfred Müller habe der oberkommandierende General der britischen Truppen in Deutschland, Richard Clements bei seinem Abschiedsbesuch noch einmal bestätigt, dass die britischen Streitkräfte in Zukunft etwa 22 Wochen die Senne für den Trainingsbetrieb nutzen werden. Britische Soldaten bezögen dafür temporär die vorhandenen Kasernen an der Senne. Die Bundeswehr, insbesondere Einheiten aus Augustdorf, würde nunmehr verlässliche Zeiten von zehn bis zwölf Wochen erhalten. Darüber hinaus sei - wie mehrfach berichtet - die Nutzung für andere Truppenteile aus NATO-Staaten geplant. Auf ausdrückliche Nachfrage des Landrats erklärte Clements nach Angaben des Kreises, er gehe davon aus, dass die Inanspruchnahme der Senne 40 Wochen im Jahr nicht überschreiten werde. Wie viele Wochenenden davon ebenfalls betroffen seien, sei aber nicht von von vornherein klar, sagte Landrat Müller auf Nachfrage der NW. Bei einer besonderen Krisensituation könne sich das Trainingsmaß natürlich ändern. Anfang April hatte sich die Initiative aus Schlangen auf interne Informationen der Streitkräfte bezogen, wonach eine Sperrung der Senne-Durchfahrtstraßen für 50 Wochen Realität werden könnte. Kontrollfahrten vor der Freigabe Clements habe gegenüber dem Landrat betont, dass die Senne nicht immer sofort frei gegeben werden könne, wenn der Schießbetrieb nicht mehr zu hören sei. Umfangreiche Kontrollfahrten und Nachschauen seien jedes Mal erforderlich, damit die Durchgangsstraßen gefahrlos genutzt werden könnten. Die Präsenz der Briten hat laut Kreis gezeigt, dass Naturschutz und militärische Nutzung in Einklang miteinander gebracht werden können. „Ich gehe davon aus, dass die fachkundige Betreuung durch die Biologische Station und die Naturschutzbehörden bleiben wird", bekräftigt der Landrat in der Stellungnahme. Die Initiative stellte in dem Brief nicht nur Fragen nach den künftigen Trainingszeiten, sondern auch nach der Art und Zusammensetzung der übenden Nato-Truppen, den dadurch womöglich steigenden Lärmbelastungen, den Auswirkungen auf die Natur und auf das öffentliche Leben in den Anrainerstädten sowie nach der Kontrolle von Vereinbarungen und Ausgleichszahlungen. Die Menschen in der Senneregion hätten ein Recht darauf, von ihren gewählten Vertretern zeitnah und transparent Auskunft zu den Plänen zu bekommen. Die Senne sei "wesentlich mehr als ein Truppenübungsplatz", sondern "Heimat, Identität´,Erholungsraum, Motor der Regionalentwicklung und ein Hotspot der Biodiversität von globaler Bedeutung". Die Menschen aus der Senne auszusperren, sei in keiner Weise zu akzeptieren.

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