0
Radpanzer fahren 1999 in Marschformation durch das Kosovo. - © Werner Pfeil
Radpanzer fahren 1999 in Marschformation durch das Kosovo. | © Werner Pfeil

Hövelhof Hövelhofer Soldat: „Wir wollten keine Helden sein“

Werner Pfeil hat seine Erlebnisse beim Kampfeinsatz im Kosovo in dem Buch „Ein Sommertag im Krieg“ niedergeschrieben

Uwe Müller
30.06.2019 | Stand 01.07.2019, 10:53 Uhr

Hövelhof. Der Kontrast hätte nicht größer sein können. Auf der Straße liegen Leichensäcke, am Straßenrand jubeln Albaner über ihre Befreiung und die mit Blumen übersäten Panzer sehen aus wie geschmückte Gräber. Und mitten drin Werner Pfeil. Der Hövelhofer war am 12. Juni 1999 als Kommandant eines Transportpanzers dabei und sollte mit der deutschen Einheit den Abzug der Serben überwachen. „Wir wurden als Helden von Prizren bezeichnet. Wir wollten aber keine Helden sein. Wir wollten nur unsere Ruhe", erinnert er sich genau. Über diesen einen Tag hat der heute 62-jährige Pensionär nun das Buch „Ein Sommertag im Krieg – Mein D-Day im Kosovo" geschrieben. "Dinge erlebt, die man nicht erleben sollte" Er beschreibt darin die Zerrissenheit zwischen Diensterfüllung und emotionaler Überforderung und auch seine Ängste – zum Teil Todesängste. „Der D-Day hatte alles. Wir haben in 24 Stunden Dinge erlebt, die man nicht erleben sollte", erklärt der Hövelhofer warum der eine Tag für sein Buch gereicht habe. Die Überlegung, ein Buch über den ersten Auslands-Einsatz der Bundeswehr zu schreiben, hatte Pfeil schon länger – nun genau 20 Jahre nach dem einschneidenden Erlebnis hat er es getan. „Ich habe jahrelang nicht groß darüber gesprochen, nun ist es aber Zeit, damit es nicht in Vergessenheit gerät – in dem Buch sind Sachen drin, die ich nie zu Hause erzählt habe." Da er Tagebuch geführt und viele Fotos gemacht hat, war die perfekte Grundlage schon geschaffen. Und schreiben kann er. Werner Pfeil ist seit 2015 bekannt als Autor der Sennekrimis. Es wird scharf geschossen Doch diesmal geht es nicht um Fiktion, in seinem Tatsachenbericht wird scharf geschossen. „Bei den ersten Schüssen bin ich zusammengezuckt, da hatte man Angst um sein Leben. Wir waren aber hochkonzentriert und konnten nachher sehr gut einordnen wo die Gefahr ist", beschreibt Pfeil, der die erste Nacht im Kosovo unter seinem Fuchs-Panzer geschlafen hat. Die größte Furcht hatte er aber beim Einzug in Prizren, als die deutschen Soldaten Auge in Auge den abziehenden Serben gegenüberstanden. „Alle hatten ihre Gewehre bereit – wir und die Serben, die uns zahlenmäßig total überlegen waren. Wenn da einer durchgedreht wäre, hätte es ein Blutbad gegeben", erinnert sich der gelernte Dreher, der 1978 in die Bundeswehr eintrat. Aber nicht unbedingt freiwillig. „Ich hatte verweigert, aber der Antrag ging nicht durch. Dann gefiel es mir ganz gut und ich bin Berufssoldat geworden", beschreibt Werner Pfeil. Die Seele vom Leib geschrieben Auch Buchautor zu werden, war absolut nicht geplant. „Schreiben habe ich in der Schule gehasst. Aber als ich 2014 Pensionär wurde, wollte ich meiner Freundin mal keine Blumen oder Pralinen schenken – da hat sie den ersten Krimi von mir bekommen", erklärt der BVB-Fan wie er zum Schreiben gekommen ist. Nach fünf Regional-Krimis ist dieses Buch, das in einer 4.000-Auflage beim Lau-Verlag veröffentlicht wird, nun sein anspruchsvollstes. Er hat sich dafür die Seele vom Leib geschrieben, lässt tief in sein Innerstes blicken und beschreibt vor allem die Kameradschaft als wichtigstes Gut. „Im Einsatz geht es nur über Kameradschaft. Man muss sich aufeinander verlassen können – notfalls bis zum Tod", so Pfeil, der aber versichert, dass er das Buch nicht als Aufarbeitung brauche. „Wir hatten auch psychologische Beratung, meiner Besatzung und mir hat es gut getan. Ich kann immer sehr gut schlafen. Ich habe Glück gehabt."

realisiert durch evolver group