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Übungsplatz in der Idylle: Die Senne mit ihren weiten Heideflächen ist rund 11.600 Hektar groß. Fahrzeuge wie dieses dienen Militärs zum Training. - © Günter Bockwinkel
Übungsplatz in der Idylle: Die Senne mit ihren weiten Heideflächen ist rund 11.600 Hektar groß. Fahrzeuge wie dieses dienen Militärs zum Training. | © Günter Bockwinkel

Kreis Paderborn Naturschützer haben Angst vor Pumas in der Senne

Beobachter warnen vor den Folgen einer erweiterten Nutzung des Truppenübungsplatzes. Um für ihre Anliegen zu werben, machen sie sich ausgerechnet die Bundeswehr zunutze

Jens Reddeker
14.06.2019 | Stand 14.06.2019, 12:30 Uhr

Kreis Paderborn. Es ist eine achtseitige Kampfansage. Die Befürworter eines Nationalparks Senne haben die vierte Ausgabe ihrer kostenlosen Zeitung „Unsere Senne soll frei werden" herausgebracht. Anders als die Initiative Schlangen 4.0, die sich für eine vermehrte Öffnung der Durchgangsstraßen auf dem Truppenübungsplatz einsetzt, will der Aktionskreis Freie Senne um den umtriebigen Naturschützer Fritz Buhr vor allem mehr Raum für die Entfaltung der Umwelt – und fordert weiter einen Nationalpark. 15.000 Stück des mit Informationen und Thesen gespickten Blättchens haben Buhr und seine Mitstreiter drucken lassen – und die meisten hoffen sie, am Samstag beim Tag der Bundeswehr an Leser zu bringen. Während die Streitkräfte in der Augustdorfer Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne Soldaten, Fahrzeuge und Strukturen präsentieren, wollen die Naturschützer an den Shuttle-Parkplätzen in Hövelhof, Stukenbrock und Augustdorf das Blatt verteilen. Buhr selbst hat die Titelgeschichte verfasst. Darin nennt er die Senne den wertvollsten Landschaftsraum in NRW mit „europaweiter Bedeutung". Mit der Löschung des Nationalpark-Ziels aus dem im Juli zur Verabschiedung im Landtag anstehenden Landesentwicklungsplan kann sich Buhr naturgemäß nicht anfreunden. Seit langem kämpft er für den Nationalpark und findet, dass die schwarz-gelbe Landesregierung die Senne für die Wirtschaft „entfessele" und „durch Kriegsübungen zerstören lasse". Fest gebucht bei den Briten Als kommende Senne-Zerstörer sieht Buhr Pumas. Damit sind nicht südamerikanische Wildkatzen, sondern die neueste Generation Schützenpanzer der Bundeswehr gemeint. Laut Buhr sollen noch in diesem Jahr 30 Stück von ihnen in Augustdorf stationiert werden, elf seien bereits vor Ort im Einsatz: „Sie werden nicht mehr nur auf den Standortübungsplatz Stapel trainieren, sondern auch auf dem Truppenübungsplatz." Nach seinen Informationen erhalte die Bundeswehr feste Nutzungskontingente von den Briten. In den kommenden Jahren seien jeweils zehn Wochen gebucht. Überhaupt sind die verstärkten Untervermietungen des Truppenübungsplatzes an NATO-Partner den Naturschützern ein Dorn im Auge. „In einem Gespräch mit den Bürgermeistern haben die Briten bestätigt, dass auf die Anrainerkommunen mehr Lärmbelastung zukommt, wenn wechselnde Truppenkontingente demnächst in der Senne üben", erinnert sich Buhr an eine Konferenz im Vorjahr. Auch er geht davon aus, dass die Senne ab 2020 – wie berichtet – für rund 50 Wochen militärisch genutzt wird und befürchtet, dass die Natur darunter leidet. „Die Briten haben zwar versprochen, dass sie beaufsichtigen werden, wie naturverträglich die Gäste üben, aber ob es so kommt, ist fraglich", meint der Paderborner. Die Anwohner in Paderborn, Hövelhof und Bad Lippspringe müssten sich darüber hinaus darauf einstellen, dass durch An- und Abreisen des Militärs mehr Verkehr auf ihren Straßen unterwegs sei. Sorgen um die Senne macht sich bei einer verstärkten militärischen Nutzung auch Wasser-Experte Manfred Dümmer. Der Hydrogeologe betont in einem Beitrag in „Unsere Senne" wie bedeutend der Schutz des Grundwasservorkommens sei. Mit den Kriegsübungen gehe das Risiko einer Belastung des Trinkwassers einher. Besonders im Gebiet von Schießanlagen sei schon jetzt nicht abschließend geklärt, ob gefährliche Stoffe ins Wasser gelangen. Auch deshalb kämpft Fritz Buhr weiter für einen Nationalpark Senne – trotz neuen Landesentwicklungsplans. Er sagt: „Wenn eine neue Regierung kommt, wird das Ziel dort eben wieder reingeschrieben."

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