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Das Autochen aus Delbrück: Die Firma Artega präsentiert den Karo auf der 68. Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. - © imago images / Sebastian Geisler
Das Autochen aus Delbrück: Die Firma Artega präsentiert den Karo auf der 68. Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. | © imago images / Sebastian Geisler

Delbrück Weltpremiere: Artega präsentiert das E-Stadtauto Karo auf der IAA

Ohne Emissionen: Der Delbrücker Autobauer bietet urbane Elektromobilität made in OWL. Warum der ursprüngliche Name geändert wurde und was der kleine Flitzer kostet

Uwe Müller
11.09.2019 | Stand 12.09.2019, 16:17 Uhr

Delbrück. Ein schwelender Rechtsstreit kann Karo nicht aufhalten. Das kleine elektrobetriebene Stadtauto des Delbrücker Autobauers Artega wurde auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Ursprünglich sollte der Stadtflitzer Karolino, ein weiterentwickeltes Schwestermodell des Elektromobils Microlino, heißen. Aber der Delbrücker Unternehmer Klaus Dieter Frers reagierte auf die Nachahmungsvorwürfe der Erfinder des Microlino und kürzte den Namen. Zudem seien mehr als 150 Veränderungen am Fahrzeug vorgenommen worden. „Man kann die Autos nicht mehr miteinander vergleichen", meint Brigitte Frers, Assistentin der Geschäftsführung.

„Die Resonanz ist bisher sehr, sehr gut. Der Karo kommt beim Fachpublikum an. Es gibt viel Lob, aber natürlich auch andere Meinungen", berichtet Klaus Dieter Frers direkt vom Messestand. Es seien einige der Meinung, dass der Karo auf der IAA nicht ausgestellt werden dürfe. „Das ist aber nicht der Fall", stellt Frers richtig, „eine einstweilige Verfügung gibt es nicht. Das Oberlandesgericht hat nur vorläufig entschieden, dass der Karolino nicht aussehen darf wie der Microlino. Das ist in Worten und Bilder beschrieben. Und daran haben wir uns gehalten. Wir haben sogar aus Respekt vor Micro den Namen geändert."

Erinnerung an BMW Isetta

Nun hoffe er auf eine baldige Einigung mit der Schweizer Erfinderfamilie Ouboter. „Die Bestrebungen gibt es, es gibt auch Vorschläge von beiden Seiten. Mit ein bisschen Einigungswillen ist das hinzubekommen." Das sieht Merlin Ouboter, Chef-Design-Manager bei Microlino ganz anders. Er sei geschockt gewesen, dass das Auto auf der IAA präsentiert wurde, sagte er im Interview mit Radio Hochstift. Das Konzept sei immer noch das Gleiche und das ginge nicht. Ouboter hat Fotos von der IAA-Präsentation ans Oberlandesgericht München geschickt. Artega hatte im November 2018 das Microlino-Projekt der Firma Micro Mobility von der italienischen Tazzari-Gruppe übernommen. Wenn alle Details zwischen den Parteien geklärt sind, könnten die Auslieferungen der ersten Karos noch in diesem Jahr beginnen, hofft das Delbrücker Unternehmen.

Der Einstieg vorne erinnert stark an die Isetta, die von 1953 bis 1955 gebaut wurde. Das Leichtkraftfahrzeug sei die vollelektrische Wiedergeburt der kultigen Kabinenroller, so Frers. „Bei dem Design werden auch Emotionen mitspielen", ist er sich sicher. Klaus Dieter Frers hat dieses Autobauer-Gen scheinbar geerbt. Er ist der Ur-Ur-Ur-Enkel des Autopioniers Christopher Becker, der schon 1835 ein Fahrzeug entwickelte, das von einem Elektromotor angetrieben wurde.

„Der Karo ist das perfekte Auto für den umweltbewussten Stadtmenschen", sagt Klaus Dieter Frers, Geschäftsführer von Artega. „Mit dem Karo bieten wir eine stylische, preisgünstige und nachhaltige Lösung für den Stadtverkehr. Das Autochen, wie wir unseren Karo liebevoll nennen, fährt völlig emissionsfrei und wird komplett klimaneutral in Delbrück hergestellt. So machen wir die Luft sauberer und die Innenstädte bunter." Artega bietet den Karo in vier Ausstattungslinien an. Diese können ab Anfang Oktober im Internet (www.dasautochen.de) individuell konfiguriert und bestellt werden.

Serienfertigung soll ab 2020 erfolgen

Es gibt das kleine Elektroauto als „Intro", „Classic", „Style" und „Edition". Antriebstechnik und Fahrwerk sind in allen Varianten identisch. Die Fahrzeuge erreichen eine Endgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern und schaffen mit der kleineren Batterie 125 und mit der größeren 200 Kilometer. „Es ist das ideale Auto für die Stadt und das Umland. Perfekt auch für Paderborn", wirbt Frers. Das 514 Kilo leichte Fahrzeug überrascht mit einem Kofferraumvolumen von 300 Litern. Über den Online-Konfigurator können Kunden zudem die technische Ausstattung und die Optik ihres Karos zusätzlich individuell bestimmen. Die limitierte Sonderedition „Intro" kostet 21.995 Euro. Das „Classic"-Modell ist die preisgünstigste Variante mit einem Basispreis von 14.275 Euro.

Die Serienfertigung und die Auslieferung der Modelle „Classic", „Style" und „Edition" sollen ab 2020 erfolgen. Für jede Bestellung wird aber eine Anzahlung von 2.500 Euro fällig, die für die Kunden durch eine Bürgschaft einer renommierten Versicherung abgesichert ist. Ein Starttermin zur lokalen Verkaufsberatung und Probefahrt im Markenzentrum Delbrück folgt.

Information

Artega


Eigentümer der Firma Artega ist die Familie Frers. Geschäftsführer Klaus
Dieter Frers ist seit über 30 Jahren in der Autozuliefererindustrie
tätig. Seine Ehefrau Brigitte kümmert sich um Verwaltung und Finanzen.
Die nächste Generation steht mit dem Sohn Niklas schon bereit, sobald er
in Kürze sein Maschinenbau-Studium an der RWTH Aachen beendet hat.

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