Europaweit geschützt: Wilfried Limpinsel zeigt die abgetrennte Handschwinge. Sie bedeutete das Todesurteil für den Rotmilan. - © GfN
Europaweit geschützt: Wilfried Limpinsel zeigt die abgetrennte Handschwinge. Sie bedeutete das Todesurteil für den Rotmilan. | © GfN

Büren Windkraftgegner beklagen erneut toten Greifvogel

Anlagen im Visier: Die Gemeinschaft für Naturschutz ist in Sorge um den Rotmilan-Bestand im Bürener Land. Ein Tier musste eingeschläfert werden

08.04.2019 | Stand 08.04.2019, 15:30 Uhr

Büren. Als Schäfer Uwe Lorenz den Rotmilan hilflos flügelschlagend auf einem Feld auf der Hochfläche bei Weiberg findet, besteht noch Hoffnung. Über den verletzten Vogel berichtet die Gemeinschaft für Naturschutz im Bürener Land (GfN). Das Tier wurde ins nahe Jugendwaldheim nach Ringelstein gebracht. Dort fällt der Entschluss, den Vogel in die Greifvogel-Auffangstation nach Essentho zu transportieren. Wilfried Limpinsel, der die Station mit seiner Frau seit 40 Jahren betreibt und hunderte verletzter Vögel gesehen und viele gesund in die Freiheit entlassen hat, zeigt sich nach Angaben der Naturschützer wenig überrascht: „Die Handschwinge ist abgetrennt. Die typische Verletzung für einen Vogel, der mit den Rotorblättern einer Windenergieanlage kollidiert ist". Die Schwere der Verletzung ist für den Rotmilan das Todesurteil: Der Vogel muss eingeschläfert werden. Windräder als massives Problem für Rotmilane Er ist nach GfN-Angaben der dritte tote Greifvogel in vierzehn Tagen - ein Rotmilan im Windpark Asseln und ein Mäusebussard im Windpark Hassel bei Grundsteinheim wurden auch entdeckt. Die GfN nennt die Situation für den weltweit gefährdeten Rotmilan "dramatisch". Auf der Paderborner Hochfläche drehen sich rund 500 Windräder - und das in einem landesweiten Schwerpunktvorkommen des Rotmilans. Die Naturschützer berichten von allein im letzten Jahr mehr als einem dutzend toten Greifvögel als Zufallsfunde unter Windenergieanlagen in Paderborn. Darunter seien sechs Rotmilane – nachzulesen im Sammelbericht der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft der Biologischen Station Kreis Paderborn Senne. Den im Kreis Paderborn praktizierten Ausbau der Windenergie nennt die GfN "ein massives Problem für den Rotmilan". Rotmilane werden laut GfN sehr alt und haben nur eine geringe Reproduktionsrate. Die vorzeitige Sterblichkeit der Altvögel sei daher sehr gering. „Jeder Vogel, der zusätzlich zu den natürlichen Verlusten verloren geht, ist einer zu viel!" so Hubertus Nolte, Vorsitzender der GfN. Jüngere Vögel, die als Partner einspringen könnten, haben oft über mehrere Jahre einen geringeren Bruterfolg. Ein Teufelskreis, der im Kreis Paderborn zu sinkenden Rotmilan-Beständen führt. Auf der Paderborner Hochfläche habe der Bestand in den letzten fünf Jahren um ein Drittel abgenommen. Das belegten die Zahlen der Biologischen Station, die den Bestand im Auftrag des Kreises erfasst.

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