Abbau nach der Havarie: Anfang April konnten die beschädigten Rotorblätter und die Gondel des Windrades demontiert werden. - © Jens Reddeker
Abbau nach der Havarie: Anfang April konnten die beschädigten Rotorblätter und die Gondel des Windrades demontiert werden. | © Jens Reddeker

Borchen Windrad-Unfall bei Borchen: Kreis drängt auf Bodengutachten

Äcker und Felder von 60 Landwirten sind durch die Glasfaserteile der zerfetzten Rotorblätter verunreinigt worden. Die Behörde hat bei der Herstellerfirma deshalb den Bericht angemahnt

Birger Berbüsse

Kreis Paderborn. Die Gutachten zur Windrad-Havarie bei Borchen-Etteln liegen auch mehr als einen Monat nach dem Unfall noch nicht vor. Der Kreis Paderborn hat deshalb zu Wochenbeginn eine Ordnungsverfügung erlassen. Das bereits angeordnete Bodengutachten müsse unverzüglich, spätestens aber zum Fristende in anderthalb Wochen, vorgelegt werden, bestätigte Kreissprecherin Michaela Pitz. Das mehrfach verzögerte Gutachten zur Schadensursache und zur Statik des Turmes hat die Eigentümerfirma Enercon nach Angaben des Bauherrn Westfalenwind für Ende dieser Woche versprochen. Als bei dem Unfall am 8. März zwei der drei 56 Meter langen Rotorblätter der Anlage zerfetzt wurden, waren die Glasfasersplitter 800 Meter weit auf die umliegenden Felder geflogen. Von diesen Verunreinigungen sind rund 60 Landwirte betroffen. Sie können ihre Felder solange nicht bewirtschaften, bis das Bodengutachten vorliegt. "Wir machen Druck" „Deshalb machen wir Druck", begründet Kreissprecherin Michaela Pitz die Ordnungsverfügung. Wird der Bericht nicht innerhalb der insgesamt 14-tägigen Frist vorgelegt, droht dem Unternehmen ein Zwangsgeld. Das Gutachten, das von einem Experten der Landwirtschaftskammer NRW im Auftrag von Enercon erstellt wird, soll Auskunft geben über die Verunreinigung des Bodens sowie die nötigen Maßnahmen, um Gefahren abzuwenden. Dabei geht es auch um den möglichen Fall, dass die scharfkantigen Teile in die Nahrungskette gelangen könnten. Derzeit sind bis zu 20 Mitarbeiter eines Lichtenauer Gartenbaubetriebs im Auftrag von Enercon damit beschäftigt, die Glasfaserfetzen aufzusammeln – per Hand und per Laubsauger. Mittlerweile ist auch ein fahrendes Laubsaugergerät im Einsatz, wie es etwa bei Aufräumarbeiten nach Großveranstaltungen genutzt wird. Richtig effektiv könne aber auch erst seit dem Abbau der beschädigten Teile vor gut zwei Wochen gereinigt werden, sagte Westfalenwind-Sprecher Daniel Saage der NW. Zuvor waren immer noch Teile von den beschädigten Rotorblätter zu Boden gefallen. Entschädigung für die Landwirte Ein aussagekräftiges Bodengutachten sei erst nach der Reinigung möglich. „Wir haben aber ein großes Interesse daran", so Saage weiter. Westfalenwind stehe im ständigen Austausch mit den betroffenen Landwirten, die mittlerweile auch eine Interessengemeinschaft gegründet haben. Es sei das Ziel, dass die Bauern eine Entschädigung von Enercon für den Schaden erhielten. Dass der abschließende Untersuchungsbericht zur Unfallursache sowie zur Standfestigkeit des Turms immer noch nicht vorliegt, ärgert derweil auch Westfalenwind. „Wir hoffen, dass es schnell geht", so Saage. Denn das Warten kostet Geld. Schließlich hätte die Anlage längst in Betrieb sein sollen. Über einen möglichen Wiederaufbau und die Inbetriebnahme entscheidet der Kreis Paderborn jedoch erst nach Abschluss der Untersuchungen. Eine Ordnungsverfügung ist aber laut Kreissprecherin Pitz kein Thema, da dies ohnehin nur die beiden Firmen betrifft. Enercon und Westfalenwind gehen davon aus, dass die Havarie auf einen menschlichen Fehler zurück zu führen ist. Im Windpark Etteln werden sechs weitere Anlagen dieses Typs gebaut.

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