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Rund 350 Gäste an der Kirche: Christian Jakob (vorn) brachte die Gedenkfeier auf den Weg und kämpfte für die Finanzierung der Stele. - © Marc Köppelmann
Rund 350 Gäste an der Kirche: Christian Jakob (vorn) brachte die Gedenkfeier auf den Weg und kämpfte für die Finanzierung der Stele. | © Marc Köppelmann

Borchen-Etteln Gedenken an „Heinrichsflut“ vor 50 Jahren in Etteln

Stele soll an Hochwasser-Katastrophe erinnern

Karl Finke
17.07.2015 | Stand 17.07.2015, 17:12 Uhr |

Borchen-Etteln. Mit der Einweihung und Segnung einer etwa 3,50 Meter hohen Stele aus blau-grünem Anröchter Sandstein haben am Donnerstagabend rund 350 Ettelner und Gäste der Hochwasser-Katastrophe vor 50 Jahren gedacht. Schon am Nachmittag ist im Paderborner Kreishaus eine Ausstellung zu den Tragödien am 16. Juli 1965 eröffnet worden. In Etteln zeigen Markierungen an Straßenlaternen den damaligen Wasserstand. 15 Schautafeln in der Kirche geben Zeugnis von den Zerstörungen durch die „Heinrichsflut“, die schon am Namenstag des Heiligen heraufzog. Gedenken wollte das Dorf der Flut anfangs mit einer Platte an der Altenau, so Ortsvorsteher Ulrich Ahle im Rückgriff. Die Idee mit der Stele habe das eingeplante Budget weit überstiegen, doch sei die Summe mit vielen Spenden zusammen getragen worden. Die in Etteln geborene und lebende Steinmetzin Jessica Meier hat sie mit greifbaren Wellen und erinnernden Worten in den Stein gestaltet. „Freistehend ist der Anröchter deutlich witterungsbeständiger als Tudorfer Stein“, erklärte Ahle. Bürgermeister Reiner Allerdissen rief die „rücksichtslose Gewalt“ der damaligen Flutwelle in Erinnerung. 16 Menschen starben damals im Kreis Paderborn, davon allein 6 in Etteln – fünf Kinder und Erwachsene der Familie Thiele sowie der Knecht Herbert Wendler. „Der Wille zu helfen war überwältigend“, so Allerdissen in der Rückschau: „Doch an Schadensersatzleistungen wie heute war damals nicht zu denken.“ Alle Anstrengungen heute hätten das Ziel, eine Wiederholung solcher Katastrophen zu verhindern. „Doch 100 Prozent Schutz gibt es nicht“, so der Rathauschef. Als Verbandsvorsteher des Wasserverbandes Obere Lippe ordnete Landrat Manfred Müller die Heinrichsflut als ein „200- bis 500-jähriges Ereignis“ ein. 215 Kubikmeter Wasser pro Sekunde seien damals durch Etteln geströmt. Er übertrug die Wassermenge auf die heutigen Bedingungen. Obwohl im Verbandsbereich insgesamt 25 Hochwasserrückhaltebecken bebaut worden sind, würden mit den Niederschlägen des Jahres 1965 noch immer 115 Kubikmeter durchs Dorf strömen – nur bis 61 Kubikmeter bleibe Etteln schadensfrei. „Wir sind heute besser vorbereitet“, zog Müller sein Fazit. Doch der Hochwasserschutz bleibe eine Daueraufgabe. „Urgewalten sind wir manchmal nicht gewachsen.“ Dafür lieferte er ein Beispiel: Erst vor wenigen Wochen sei Delbrück durch ein zum Glück punktuelles Niederschlagsereignis in einem Stadtbereich von einem 500-jährigen Hochwasser heimgesucht worden. Fast wäre die Kläranlage ausgefallen. Christian Jakob, Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Initiator der Gedenkfeier, erinnerte an die Planungen für den 17. August 1965. An der Kirchentür hingen Einladungen für die Besichtigung im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“. Menschenwille blieb Makulatur.

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