Besuch aus Bielefeld: (v. l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff, Seniorchef Ferdinand Wächter (Wächter Packautomatik), Juniorchef Stefan Wächter, der kaufmännische Leiter Stefan Garfs und IHK-Geschäftsführer Swen Binner schauen Mechatroniker-Azubi Lukas Bermeier (Wewelsburg) und Industriemechaniker-Azubi Linus Baumann (Fürstenberg) über die Schulter. - © Andreas Götte
Besuch aus Bielefeld: (v. l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff, Seniorchef Ferdinand Wächter (Wächter Packautomatik), Juniorchef Stefan Wächter, der kaufmännische Leiter Stefan Garfs und IHK-Geschäftsführer Swen Binner schauen Mechatroniker-Azubi Lukas Bermeier (Wewelsburg) und Industriemechaniker-Azubi Linus Baumann (Fürstenberg) über die Schulter. | © Andreas Götte

Bad Wünnenberg Wächter Packautomatik ist vorbildlicher Ausbilder im Kreis Paderborn

Unternehmen mit hoher Ausbildungsquote werden immer wichtiger

Andreas Götte

Bad Wünnenberg. In Zeiten des Fachkräftemangels werden Unternehmen mit einer hohen Ausbildungsquote immer wichtiger. Mit einer Quote von rund 17 Prozent hat die Wächter Packautomatik, ein weltweit agierender Spezialist für modernste Endverpackungstechnologie aus Haaren, in diesem Kontext einen vorbildhaften Charakter, da die durchschnittliche Ausbildungsquote in der Industrie nur bei fünf Prozent liegt. Grund genug für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld, mal Station in Haaren zu machen. 29 junge Menschen bildet das Familienunternehmen zurzeit in den Bereichen Elektroniker für Betriebstechnik, Feinwerkmechaniker, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker, Technischer Produktdesigner und Industriekaufmann aus. Zwei absolvieren ein duales Studium Mechatronik. "Wir schauen bei der Einstellung nicht nur auf das obere Drittel der Bewerber bezüglich der Zeugnisnoten", sagt Juniorchef Stefan Wächter. "Wir möchten junge Auszubildende kennenlernen und ihnen eine Chance geben", sagt er. Auf diese Weise habe man bereits sehr gute Facharbeiter bekommen. Facharbeiter, die nach ihrer Weiterbildung in der Regel zurück zu Wächter kommen. Drei Generationen aus einer Familie "Wir haben zwar keinen großen Namen, können jedoch als Familienunternehmen punkten. Aus einer Familie haben schon drei Generationen für uns gearbeitet", so der geschäftsführende Gesellschafter. Der Fachkräftemangel ist auch in Haaren zu spüren. So hätten laut Wächter zum ersten Mal fünf Bewerber nach mündlichen Zusagen noch abgesagt, zudem gehe die Zahl der Bewerber zurück. Gleichzeitig würden mehr Studienabbrecher aus dem kaufmännischen Bereich registriert. "Wir können aber immer noch alle Stellen besetzen und sind mit den Auszubildenden sehr zufrieden", betont Stefan Wächter. Die Übernahmequote liege bei fast einhundert Prozent. Insgesamt beschäftigt das 1975 von Ferdinand Wächter in einer Werkstatt gegründete Unternehmen 179 Mitarbeiter. Neben einer Art Nachhilfe im Unternehmen und der Kooperation mit Lernwerkstätten bei Claas und Eon werden laut Irina Wächter gemeinsame Veranstaltungen für die Azubis wie Kanu- oder Klettertouren angeboten. Für die neuen Auszubildenden veranstalten die älteren ein Willkommensfrühstück. Kampf mit den Behörden Auch mit drei jungen Flüchtlingen haben die Haarener schon zusammengearbeitet. Einer von ihnen absolviert gerade nach einer Einstiegsqualifizierung eine Feinwerkmechaniker-Ausbildung. "Wir mussten viel mit den Behörden kämpfen, geholfen hat uns sehr die Agentur für Arbeit", sagt Irina Wächter. Der junge Flüchtling, der in Deutschland nur geduldet ist, könnte bei der Ausbildung von der 3+2-Regelung profitieren. So könnte er nach der dreijährigen Ausbildung noch zwei Jahre einen Anschlussvertrag bekommen. IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff hält darüber hinaus ein "Einwanderungsgesetz mit entsprechendem Regelwerk" für wichtig in Deutschland. "Die täglich von den Unternehmen geleistete Integrationsarbeit ist enorm und wird leider von der Politik oft nicht anerkannt", kritisierte Niehoff. Mit der Tour möchte die Industrie- und Handelskammer nicht nur die Ausbildungsleistungen ostwestfälischer Unternehmen hervorheben, sondern auch die Bedeutung der dualen Ausbildung in Deutschland betonen. Und zwar in einer Zeit des stärker werdenden Fachkräftemangels, rückläufiger Bewerber- und steigender Studentenzahlen. Nach ihren Angaben hat die Bielefelder IHK bereits mehr als 200 Kooperationen mit Schulen in der Region vermittelt. "Nur an die Eltern der jungen Leute kommen wir nicht so recht ran", moniert Geschäftsführer Swen Binner.

realisiert durch evolver group