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Schülersprecher Nico Grosse und Schülersprecherin Marie Klüe zeigen die Armbänder mit den Safetags, die sofort Signale geben, wenn der Abstand zu gering ist. - © Uwe Müller
Schülersprecher Nico Grosse und Schülersprecherin Marie Klüe zeigen die Armbänder mit den Safetags, die sofort Signale geben, wenn der Abstand zu gering ist. | © Uwe Müller

Bad Lippspringe Armbänder überwachen die Corona-Abstände der Schüler

Was bereits im Profisport der USA eingesetzt wird, ist als Pilotprojekt an der Gesamtschule in Bad Lippspringe zwei Wochen lang getestet worden. Wer nicht den Corona-Abstand einhält, bei dem piept es.

Uwe Müller
01.06.2021 | Stand 09.06.2021, 12:51 Uhr

Bad Lippspringe. Abstand halten – das müssen aufgrund der Corona-Pandemie alle seit über einem Jahr. Besonders in der Schule, wenn sie denn geöffnet ist, ist das aber nicht einfach: enge Klassenzimmer, schmale Gänge oder Treppen und zudem stehen die Schülerinnen und Schüler halt auch gerne zusammen oder spielen etwas in den Pausen.

In der Gesamtschule in Bad Lippspringe muss derzeit aber kein Lehrender die Schüler an die 1,50 Meter Abstand erinnern – die Jugendlichen werden erst durch ein Leuchtsignal und kurze Zeit später durch ein lautes Piepen an ihrem Armband darauf aufmerksam gemacht. Das ist aber noch kein Standard, sondern erst einmal ein Modellversuch.

Und der kommt überwiegend gut an. „Es ist schon interessant zu sehen, wie groß der Abstand wirklich sein soll. Man achtet dadurch viel mehr darauf und wird aufmerksamer", findet Schülersprecherin Marie Klüe. Sie gehört zur zwölften Klasse der Gesamtschule, die für dieses Projekt ausgewählt wurde. „Das hier in Bad Lippspringe ist ein Prototyp für Deutschland, nur in Saarbrücken wird etwas ähnliches ausprobiert. Das ist mindestens eine Prävention für die Zukunft", erklärte der Paderborner Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann.

Es werden keine Bewegungs- oder Positionsdaten erfasst

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte die Idee dazu, als er nach der Fernsehtalkshow bei Markus Lanz mit der Vorsitzenden des EU-Ethikrats, Christiane Woopen, über diese Armbänder der Firma Kinexon ins Gespräch kam. „Das wird bisher nur bei der DHL in den Logistikzentren genutzt und in den USA bei den Football- und Basketball-Teams. Ich fand das sehr interessant und habe sofort mit der Münchener Firma Kontakt aufgenommen", so Linnemann.

Zudem benötigte er einen Bürgermeister, der mutig und unbürokratisch handelt. Da kam er auf seinen Parteikollegen Ulrich Lange. „Lehrer, Eltern und Schüler waren sofort dafür. Nur bei der Bezirksregierung dauerte es etwas lange bis wir eine Entscheidung bekamen", beschreibt Lange den Weg von der Idee zum Projekt, das nun zwei Wochen lang in der Gesamtschule getestet wurde.

Morgens ging der erste Weg der Oberstufenschüler in den Sanitätsraum, wo sich jeder an einem Laptop mit seiner ID-Karte einscannte und sich einen Sensor, der so genannte Safetag, für das Armband aussuchte. „Das ist alles anonymisiert. Damit werden auch keine Bewegungs- oder Positionsdaten erfasst, wie zum Beispiel beim Handy über GPS", erklärte der Oberstufenleiter Markus Apel. Der Sensor an den Armbändern basiert auf der Ultrabreitband-Technologie und warnt, wenn der Mindestabstand unterschritten wird und die Kontaktdauer eine vorgegebene Zeit übersteigt.

Genau eingrenzen, wer Kontakt zu infiziertem Schüler hatte

„Sollte ein Schüler positiv sein, dann können wir anhand der Daten in Echtzeit nachvollziehen, ob er mit anderen Schülern näheren Kontakt gehabt hatte. Das ist ein Riesenvorteil. Das alles funktioniert ohne Internet, ohne App und ohne Listen an das Gesundheitsamt zu schicken", so Apel. Man könne dann ganz genau eingrenzen, wer Kontakt zum infizierten Schüler hatte und müsse nicht wie sonst üblich gleich eine ganze Klasse oder Jahrgangsstufe in Quarantäne schicken.

Von den 42 Schülern aus der zwölften Klasse haben vier nicht an dem Projekt teilgenommen. „Es lief alles auf freiwilliger Basis. Zum Beispiel hatte ein Schüler Bedenken wegen des Datenschutzes. Aber die Daten sind absolut gesichert", versichert Apel. Nur er als Projektleiter wisse, wer hinter den ID-Karten stecke und wer welchen Safetag hatte.

Von Lehrern und Schülern gab es viel Lob für diese neue Technologie, aber auch Kritik. „Wenn mehr Schüler oder sogar die ganze Schule mit den Armbändern ausgestattet werden sollten, dann muss man aber auch ein Raumkonzept her, wo sie sich ohne Stau ein- und ausloggen können", bemerken Apel und die Schulleiterin Roswitha Hillebrand. Zudem sei es utopisch in den Klassenräumen 1,50 Meter Abstand einzuhalten. Daher wurden die Armbänder kürzlich bei einer Matheklausur auch abgestellt.

Positiv sei aber, dass die Schüler dadurch die Regeln besser verinnerlicht haben und auch für das Thema mehr sensibilisiert wurden, so Hillebrand. Cool fand Schülersprecher Nico Gross zudem, dass seine Schule für ein zukunftsweisendes und innovatives Projekt ausgesucht wurde.

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