Geöffnet nur noch bis zum 27. Juli: Die Bad Lippspringer Filiale des insolventen Modekonzerns Gerry Weber. - © Jens Reddeker
Geöffnet nur noch bis zum 27. Juli: Die Bad Lippspringer Filiale des insolventen Modekonzerns Gerry Weber. | © Jens Reddeker

Bad Lippspringe So wickelt Gerry Weber seine Bad Lippspringer Filiale ab

Für drei Angestellte und zahlreiche Stammkunden ist Ende Juli Schluss im Geschäft an der Detmolder Straße

Jens Reddeker
07.06.2019 | Stand 06.06.2019, 21:51 Uhr

Bad Lippspringe. Die dezente Musik, die edle Inneneinrichtung und das aufgeräumte Sortiment geben die Richtung vor: In der Bad Lippspringer Filiale des Haller Mode-Riesen Gerry Weber werden Blazer, Pullis und Hosen der hochwertigeren Sorte verkauft. Allerdings nur noch bis zum 27. Juli. Das Geschäft mitten in der Badestadt an der Detmolder Straße 146 fällt dem Kahlschlag im wankenden Konzern zum Opfer. Der Räumungsverkauf hat soeben begonnen. Das Personal bewahrt zwar Haltung, doch im Laden sagt eine Verkäuferin: „Es tut weh, das alles mitzuerleben." Ein örtlicher Immobilienmakler bietet das Ladenlokal mit 260 Quadratmetern Verkaufsfläche bereits im Internet zur Miete an. Preise erfahren nur Interessenten. Doch zur Nutzung heißt es, die Fläche sei "hervorragend für Einzelhandel, Planungsbüros oder eine Arztpraxis" geeignet. Aus dem Gerry-Weber-Umfeld ist zu erfahren, dass die Bad Lippspringer Filiale zuletzt ordentliche Zahlen geliefert hat. Die Umsatzentwicklung des Ladens sei positiv gewesen. Er lebte vor allem von den Stammkunden. Ende Januar hatte der Konzern Insolvenz angemeldet, Rechtsanwalt Stefan Meyer aus Lübbecke wurde zum Sachwalter bestellt. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Mitarbeiter aus internen Schreiben längst, dass es nicht gut aussah für das Unternehmen, das vor sechseinhalb Jahren die Filiale in Bad Lippspringe eröffnet hatte. Bis 31. Oktober sollen 146 Shops geschlossen werden. Es kommt noch Nachschub Drei Fachverkäuferinnen sind dem Lippspringer Haus zugeordnet, ihnen wurden Angebote für Standortwechsel gemacht worden. „Faire Angebote", wie es heißt. „Die Kunden haben die Ruhe und die Beratung hier im Laden geschätzt", sagt eine der betroffenen Frauen. Sie ahnt, weshalb die Filiale an der Hauptstraße geschlossen wird: „Unsere Fläche ist wohl zu groß." Die Ware sei zuletzt gut angekommen: „Die Kollektionen wurden immer moderner", sagt die Fachfrau und blickt auf frisch eingetroffene Kartons. Es kommt noch Nachschub an in Bad Lippspringe, doch neue Kollektionen sind nicht mehr dabei. Das Ende naht. Die Verkäuferinnen müssen nun Rabattschilder anbringen und machen sich Gedanken um ihre Zukunft. Den Grund für die Misere hat eine von ihnen auch ausgemacht: „Es wurden einfach zu viele Shops eröffnet."

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