Der Markenname - wie ein Leuchtturm: Der Schriftzug Wellemöbel und die längst veränderte Produktpalette sollen auch in Zukunft über dem Gewerbegebiet am Vorderflöß in Bad Lippspringe thronen. - © Wellemöbel
Der Markenname - wie ein Leuchtturm: Der Schriftzug Wellemöbel und die längst veränderte Produktpalette sollen auch in Zukunft über dem Gewerbegebiet am Vorderflöß in Bad Lippspringe thronen. | © Wellemöbel

Bad Lippspringe Wellemöbel will sich durch Verkauf in Paderborn sanieren

Geschäftsführerin Anna Sommermeyer-Ricket beschreibt die Situation der beiden Bad Lippspringer Unternehmen - und blickt in die Zukunft

Karl Finke
05.12.2018 | Stand 05.12.2018, 07:56 Uhr

Kreis Paderborn/Bad Lippspringe. Anna Sommermeyer-Rickert versteckt am Telefon die schwierige Situation von Wellemöbel (131 Beschäftigte) und MF (211) in Bad Lippspringe keinesfalls: Sommerloch, Kurzarbeit und nur Teilauszahlungen von Löhnen. "Auch für die Mitarbeiter und ihre Familien wollen wir die Firmen erhalten", sagt die Geschäftsführerin, sie wohnt in Paderborn. Ihr Optimismus gründet sich auf "höhere Auftragsbestände" und ein Riesengrundstück in Paderborn, das verkauft werden solle. Der gesamten Möbelbranche gehe es "gar nicht gut". Für diese Einschätzung verweist Sommermeyer-Rickert nur auf den Verkauf der Paderborner Finke-Gruppe an den größeren Konkurrenten Höffner (Familie Krieger). Wellemöbel zählt seit der ersten Sanierung 2002 nicht mehr zur Paderborner Welle-Holding (Wollmarktstraße), die seinerzeit aus Marketing-Gründen den Namen überlassen hatte. Seit April gingen die Umsätze zurück Hauptgesellschafter der beiden Bad Lippspringer Unternehmen ist Werner Sommermeyer. Ihr Vater (Rentner), noch bei der Himolla Polstermöbel GmbH in Taufkirchen (in Welle-Holding), wolle ab dem 1. Januar 2019 aktiv in die hiesigen Betriebe einsteigen und mit seiner Erfahrung den Standort stärken - so die Tochter. Die zurück liegenden Monate haben die Mitarbeiter und die Unternehmensführung stark belastet. "Seit April", so Sommermeyer-Rickert, seien die Möbel-Umsätze zurückgegangen. In der Konsequenz sei in Bad Lippspringe seit dem Sommer Kurzarbeit verordnet worden. In den Monaten September, Oktober und November zahlten Wellemöbel und MF Löhne und Gehälter nur in prozentualen Anteilen aus. "Gestreckt", nennt dies die Geschäftsführerin: "Wir können ja nicht einfach die Augen zumachen." Grundstück in Paderborn-Mönkeloh soll verkauft werden Nun wolle man in beiden Unternehmen die Produktion aufgrund der Auftragslage wieder hochfahren, beschreibt Sommermeyer-Rickert das Vorhaben. Dies könne nur allmählich gelingen, weil Wellemöbel/MF seit der ersten Sanierung 2002 (die zweite 2014) bei Lieferanten nur noch per Vorkasse bestellen könnte. Damals wurden die Produkte auf individuelle Systemeinrichtungen umgestellt. Weil mit den im Laufe des Jahres zurückgegangen Aufträgen auch die Zulieferungen reduziert wurden, würden aktuell auch diese nachlaufen und die Lieferzeiten verlängern. Ihren "definitiven Optimismus" gründet Sommermeyer-Rickert auch auf den angestrebten Verkauf eines Firmen-Grundstücks an der Halberstädter Straße in Paderborn-Mönkeloh. Dort ist die Logistik des Unternehmens angesiedelt. Dazu würden aktuell 30 eigene Lkw zählen. Das Grundstück umfasse 70.000 Quadratmeter und eine Halle mit 30.000 Quadratmetern. In Zeiten ransant steigender Immobilienpreise hofft die Geschäftsführerin auf einen interessierten Käufer. Von dem wolle Wellemöbel/MF das Grundstück zurückmieten. "Die Logistik soll größer werden", spricht Sommermeyer-Rickert über eine Branchenperspektive für die Zukunft. Noch keine Mitarbeiter entlassen Am einzig verbliebenen zweiten Produktionsstandort in Alsfeld (Hessen) haben im Laufe dieses Jahres von gut 100 Mitarbeitern 20 Beschäftigte den Betrieb verlassen. "Selbst gegangen", sagt Sommerfeld-Rickert dazu und spricht von "normaler Fluktuation". Vor dem Gießener Arbeitsgericht gebe es "vielleicht einen Termin", was sie in heutigen Zeiten für kaum überraschend hält. In der schwierigen Situation hätten die beiden Bad Lippspringer Unternehmen "noch keine Leute entlassen", betont Sommerfeld-Rickert. Hier sei ihr keine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung mit Beschäftigen bekannt. Gemeinsam wolle man die Möbelproduktion in Deutschland halten - mit dieser nicht ins Ausland abwandern.

realisiert durch evolver group