Steht noch: Das Bad Lippspringer Rathaus ist der Sitz der Stadtverwaltung, genügt aber nicht mehr aktuellen Ansprüchen. Beispielsweise ist auf den Fluren Musik zu hören, damit der Inhalt der Gespräche aus den Büros nicht nach draußen dringt. - © Jens Reddeker
Steht noch: Das Bad Lippspringer Rathaus ist der Sitz der Stadtverwaltung, genügt aber nicht mehr aktuellen Ansprüchen. Beispielsweise ist auf den Fluren Musik zu hören, damit der Inhalt der Gespräche aus den Büros nicht nach draußen dringt. | © Jens Reddeker

Bad Lippspringe So denken die Politiker über die Abrisspläne des Rathauses - mit Umfrage

Soll das Rathaus einem Supermarkt weichen? In Bad Lippspringe wird die große Diskussion des Sommers am 19. September erstmals im Stadtrat geführt. Die NW hat schon die Stimmung in den Parteien ergründet

Jens Reddeker

Bad Lippspringe. Die Diskussion um einen Abriss des Bad Lippspringer Rathauses zugunsten eines Supermarkts wird in der kommenden Woche auf eine neue Ebene gehoben: Erstmals soll sich am Mittwoch, 19. September, der Stadtrat mit dem Thema befassen. Das verriet Bürgermeister Andreas Bee (parteilos) nach dem Diskussionsabend am vergangenen Donnerstag gegenüber der NW. Die Stimmung unter den Bürgern war an diesem Abend eindeutig: Alle Wortmeldungen plädierten für den Erhalt des derzeit maroden Rathauses. Bürgermeister Bee sagte danach, er sei gespannt, wie das Thema von den Ratsfraktionen bewertet werde. Die Neue Westfälische hat in den Fraktionen nachgefragt – und unterschiedlichste Einschätzungen erhalten. WALTER STROP, CDU „Weil uns die Fakten zum Projekt fehlen, kann die Meinungsbildung in unserer Fraktion noch gar nicht abgeschlossen sein. Der erste Schritt müsste sein, zunächst mal ein neues Einzelhandels- und Zentrenkonzept zu entwickeln. Das aktuelle stammt noch aus dem Jahr 2008. Aus dem Rathaus müssen Information vorgelegt werden, wie die Finanzplanung aussieht, wie der Verkehr fließen soll, welchen Raumbedarf die Stadtverwaltung bei einem Umzug hätte. So lange all das nicht vorliegt, haben wir keine Entscheidungsbasis. Die aktuell laufende Diskussion beruht nur auf Bauchgefühl. Dennoch gilt: Es gibt keine Denkverbote für unsere Stadt." FRITZ FARKE, FWG „Die Mehrheit unserer Fraktion ist gegen einen Abriss des Rathauses. Dennoch plädieren wir zunächst für eine Rückkehr zur Sachlichkeit und zu mehr Gelassenheit in dieser Diskussion. Schließlich muss man über so etwas auch offen sprechen dürfen. Der Protest läuft zum Großteil nur über das Internet und ist zu pauschal. Das ist schade. In Sachen Rathaus bin ich persönlich emotionslos, Veränderungen hat es immer gegeben. Aber ich bin mir sicher, dass dieses Vorhaben allein finanziell nicht umsetzbar ist. Der Bürgermeister hat schon viele Dinge angeschoben, aber in diesem Fall ist es ein bisschen Harakiri." KURT SÜPKE, SPD „Einige Mitglieder der Fraktion sehen das Thema sehr kritisch. Ich persönlich möchte noch abwarten, welche Erkenntnisse uns der Bürgermeister präsentiert. Am Rathaus hänge ich nicht, aber die Verwaltung müsste mal sagen, wie sie sich einen Umzug vorstellt. Ich kann mir auch nur schwer ausmalen, wie die Verkehrsführung für einen großen Verbrauchermarkt klappen soll. Grundsätzlich halte ich ein solches Objekt in der Innenstadt für gut. In Paderborn trauern auch viele Menschen dem früheren Combi auf dem Königsplatz nach. Schade ist, dass wir drei Monate nach Veröffentlichung der Idee keine weitergehenden Infos erhalten haben." GERDA WERTH, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Ich gehöre nicht zu den größten Supermarkt-Befürwortern, aber ich möchte die Idee auch nicht komplett verteufeln. Es ist wertvoll für unsere Stadt, wenn sich Investoren interessieren. Dennoch müssen noch Informationen her. Zum Beispiel zur Gestaltung und zu den Verkehrsplänen. Dass in der Sache noch relativ wenig Substanz steckt, ist dem frühen Stadium des Vorhabens geschuldet. Ich finde es gut, dass der Bürgermeister den Interessenten nicht direkt abgesagt hat und es war auch richtig, nicht sofort eine Komplettplanung zu präsentieren. Dann wäre der Eindruck entstanden, dass alles schon in trockenen Tüchern sei. Klar ist jedenfalls, wenn wir die Innenstadt beleben wollen, dann brauchen wir einen Magneten. Ich bin nur nicht sicher, ob ein Supermarkt der richtige ist." MARTIN KOKE, FDP „Seit der Aufstellung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts haben wir in Bad Lippspringe darauf gehofft, dass mal ein Investor für den Stadtkern kommt. Denn seitdem ist festgeschrieben, dass sich ein Vollsortimenter nur in einigen Bereichen der City ansiedeln darf. Daher hat der Bürgermeister richtigerweise die Gespräche mit der Lüning-Gruppe geführt. Mich macht es stolz, dass Investoren Interesse an der Stadt haben. Ich unterstütze die Idee daher. Von der Frage des Rathaus-Abrisses möchte ich sie entkoppeln. Für die Stadtverwaltung würden wir eine Lösung finden – ob nun in der Auguste-Viktoria oder im Markt integriert." DIETER BURSCH, DIE LINKE "Unsere Fraktion ist ganz klar gegen den Abriss des Rathauses. Es müsste zwar renoviert werden, aber dafür kriegen wird das Geld wohl zusammen. Der Umzug der Stadtverwaltung inklusive Übergangslösung würde bestimmt ein paar Millionen Euro kosten. Für einen Supermarkt sehe ich in der Stadtmitte keine Notwendigkeit, es gibt dafür auch andere Grundstücke. Den Rathausplatz wollen wir auf jeden Fall erhalten. Ich persönlich habe noch niemanden getroffen, der dieser Idee zustimmen würde.

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