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Bad Oeynhausen Die Autobahn geht in den Untergrund

100.000 Kubikmeter Erde sind schon ausgebaggert / Baustellen-Touristen an der Nordstraße

VON NICOLE SIELERMANN
11.09.2010 | Stand 04.02.2015, 12:33 Uhr

Bad Oeynhausen-Eidinghausen. Der Feldweg endet im Nichts. Fällt plötzlich ab in eine acht Meter tiefe Baugrube. Auf der eigentlich nur noch der Deckel fehlt. Dann wäre der Tunnel fertig. Anwohner Manfred Hartsieker würds freuen. Tag für Tag, Wochenende für Wochenende begrüßt er neben seinem Haus die Baustellen-Touristen in Sachen Nordumgehung. "Das ist hier der bestbesuchte Aussichtpunkt Oeynhausens", urteilt er. Noch fehlen drei Meter in der Tiefe. Trotzdem sieht Strabag-Bauleiter Eckhard Sasse das Ende im November. Dann soll auch der Verkehr auf der Eidinghausener Straße wieder rollen.

Ein super Juli liegt hinter den Arbeiten, und ein August, der die Bauarbeiter in der Grube der Nordumgehung arg in Bedrängnis gebracht hat. "Die Böschung ist abgerutscht, das muss noch beseitigt werden, und auch die Wasserlöcher behindern die Arbeiten", bilanziert Sasse. "Seit Wochen bekommen wir die Baustelle einfach nicht mehr trocken." Spielt das Wetter demnächst mit, werden in wenigen Wochen die Erdarbeiten beendet und die Insel im Mindener Baltussee (die NW berichtete) fertig sein. "Wir sind trotz Regen gut im Rennen. Die größten Massenbewegungen sind vorbei", so Sasse. Zirka 100.000 Kubikmeter Erde seien bereits im Fischteich, zirka 20.000 bis 25.000 sollen folgen. "Es ist etwas weniger, weil die Länge des ersten Streckenabschnitts etwas verkürzt wurde." Warum, dazu darf Sasse sich nicht äußern.

Sieben Bagger, Planierer, drei Walzen, drei Raupen und diverse Radlader - für Manfred Hartsieker mittlerweile der gewohnte Anblick. Unmittelbar hinter seinem Grundstück gehts in die Tiefe. 1.250 Quadratmeter Land hat er an Straßen NRW verkauft. "Was sollte ich machen", sagt er und zuckt mit den Schultern. "Der Bau ist ja nicht mehr zu ändern." Inzwischen hat sich der 71-Jährige "notgedrungen" damit abgefunden. Hat akzeptiert, dass die Autoahn künftig wenige Meter neben seiner Terrasse in der Tiefe liegt. "Ärgern nützt nichts - das macht mich nur krank", sagt er.

Mindestens einmal am Tag begutachtet Manfred Hartsieker die Baustelle. Dort, wo er einst als Kind mit seinem Kumpel spielte, donnern bald die Lastwagen entlang, graben sich zurzeit die Bagger in die Erde. Nein, betonen Hartsieker und Sasse, ein unfreundliches Verhältnis gebe es zwischen Bauarbeitern und Anliegern nicht. "Die machen ja nur ihren Job. Die kann ich doch nicht meinen Unmut spüren lassen", sagt der 71-Jährige.

Immer, wenn Hartsieker aus seinem Fenster einen Baustellen-Touristen sieht, sucht er das Gespräch. "Viele empfinden so wie ich. Dass das hier", er zeigt in die Tiefe, "nicht wieder gut zu machen ist. Dass es das größte Verbrechen an Flora und Fauna ist, was es jemals in Bad Oeynhausen gegeben hat." Viele Neugierige werfen neben der Nordstraße einen Blick. Viele, die eigentlich Befürworter des Bauwerks sind. "Selbst die sind schockiert", hat Hartsieker beobachtet. "So haben sie sich das wohl nicht vorgestellt."
 

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