Ein Nerz hinter Gittern in einer Nerzfarm, wie sie auch in Rahden jahrelang gehalten wurden. - © Symbolbild: picture-alliance/ dpa
Ein Nerz hinter Gittern in einer Nerzfarm, wie sie auch in Rahden jahrelang gehalten wurden. | © Symbolbild: picture-alliance/ dpa

Rahden Betreiber der letzten Nerzfarm Deutschlands ist sich keiner Schuld bewusst

Nikita Bosch hat alle Tiere verkauft. Im Exklusivgespräch beklagt er sich über den enormen Druck, den das Veterinäramt des Kreises mit teils unangemeldeten Kontrollen und einem Bußgeldbescheid auf ihn ausgeübt haben soll

Rahden. Nikita Bosch ist aufgebracht. Er könne nicht mehr richtig schlafen, müsse Tabletten nehmen, klagt der Betreiber der Nerzfarm in Rahden-Varl. Immer wieder tauchten Tierschützer bei ihm auf, filmten und fotografierten ohne seine Erlaubnis die Käfige, in denen er 4.000 bis 5.000 Nerze gehalten haben soll. Zahlen, die Bosch nicht bestätigen will. Überhaupt würde er am liebsten gar nichts sagen. Zu oft sei er reingelegt worden, seien seine Aussagen falsch wiedergegeben und Informationen in ihr Gegenteil verkehrt worden. Das hat ihn ziemlich misstrauisch gemacht. Bosch ist mit einem Transporter zur Nerzfarm rausgefahren, einen weißen "Sprinter" mit Kennzeichen des Kreises Steinfurt. Hinter der Windschutzscheibe liegt ein Briefumschlag, gerichtet an eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mit Boschs und einem zweiten Namen darauf. Die Anschrift ist identisch mit der Adresse der Nerzfarm. Von einem Partner ist jedoch nicht die Rede. Bosch erzählt ausschließlich von "meinen Tieren" und dass er "allein" sieben Tage die Woche ohne freien Tag oder Urlaub auf der Farm gearbeitet habe. Allein auf der Farm gearbeitet Es klingt, als ob Bosch endgültig aufgegeben hat - als Betreiber der letzten Nerzfarm Deutschlands, wie er sagt. Warum er länger als alle anderen Züchter durchhalten konnte, von denen die letzten 2017 und 2018 im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik standen und aufgaben, will er nicht erklären, nur so viel: "Ich habe noch vier Jahre bis zur Rente. Wovon soll ich jetzt leben?" Dann klagt er weiter darüber, dass er nichts ungesetzliches getan habe und nicht verstehe, warum er immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert wurde. Damit, hofft er, ist jetzt Schluss, denn sämtliche Käfige seien leer. Er habe alle Tiere verkauft, "nach Finnland", sagt Bosch. Von dort würden die Felle weiterverkauft, "in alle Welt". Besonders hoch sei der Druck durch das Veterinäramt des Kreises gewesen. Bosch berichtet von vier Kontrollen im Jahr, dazu unangemeldete: "Die wollten mich hier weghaben", vermutet er, dabei züchte er seit mehr als 20 Jahren Nerze in dieser Farm. Wenn man ihm eine Entschädigung gezahlt oder eine andere Arbeit angeboten hätte, wäre alles in Ordnung: "Aber jetzt, was soll ich jetzt machen?" Immer wieder Diskussionen mit Tierärzten Immer wieder kommt er auf die Begegnungen mit Tierärzten des Kreises Minden-Lübbecke zurück, erzählt von den inhaltlichen Diskussionen, die er mit ihnen geführt habe: "Ich habe das alles studiert, fünf Jahre, Theorie und Praxis", sagt Bosch, der nicht verstehen kann, wie man ihm unterstellen könne, er habe die Tiere nicht gut behandelt, sie hätten gelitten. Ein verletztes oder krankes Tier hätte ihm doch viel weniger Geld gebracht, argumentiert er. Auch das Futter sei hochwertig gewesen, eine Paste aus Fisch- und Geflügelresten. Besonders ärgert er sich über einen Bußgeldbescheid des Kreises, weil er statt erlaubter zwei, kurzzeitig drei Tiere in einem Käfig gehabt habe - "aber nur, um sauberzumachen", erklärt er. Das will er nicht einsehen: "Das bezahle ich nicht, ich habe mir einen Anwalt genommen." Zum Schluss erlaubt Bosch, einen Blick auf die Käfige. Sie sind leer, alle. "Jetzt muss ich alles abreißen", klagt er und zeigt auf die langen Reihen von Käfigen, die er "Boxen" nennt. Was danach aus dem Grundstück wird, das ihm gehöre, wisse er noch nicht. "Vielleicht züchte ich Füchse" sagt er. Dabei huscht ein angedeutetes Lächeln über sein Gesicht.

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