Cowboy hoch zu Ross vor den Externsteinen bei Detmold. Ansonsten wurde hauptsächlich in Bad Holzhausen gedreht. - © Karsten Schulz
Cowboy hoch zu Ross vor den Externsteinen bei Detmold. Ansonsten wurde hauptsächlich in Bad Holzhausen gedreht. | © Karsten Schulz

Lübbecke Lübbecker wird zum Hauptdarsteller in Westernfilm

Spielfilm: Die Titelrolle des Westerns spielt der 20-jährige Tom Hölscher von der Schule am Buschkamp. 
Filmwissenschaftlerin Inga Jäger aus Eilhausen entwickelte das Skript

Karsten Schulz

Lübbecke-Eilhausen/
Mainz. Tom ist 20 Jahre alt. Er ist Schüler der Schule am Buschkamp. Tom ist ein Mensch mit Down-Syndrom. Und er hat einen langen, roten Bart, was später noch einmal eine große Rolle spielen wird. Tom kennen viele, weil er oft einen großen Cowboyhut trägt und sich damit pudelwohl fühlt. Er ist begeisterter Western- und Theaterfan, besuchte mehrmals die Karl May-Festspiele in Elspe und ist ständiger Gast auf der Freilichtbühne Nettelstedt. Sein Lehrer, Martin Jäger-Degenhard, spielt ebenfalls oft in diversen Stücken auf der Bühne mit. Er kennt Tom als begeisterten Fan vom Theaterspielen in seiner Schule. Jäger-Degenhard hat eine Tochter, Inga Jäger, die gerade ihr Studium als Filmwissenschaftlerin an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz beendet und sich jetzt für ein Stipendium beworben und es auch erhalten hat. Und das hat ganz viel mit Tom zu tun. Denn Inga Jäger möchte mit ihm einen Film drehen, einen Western, in dem er die Hauptrolle spielt und in dem seine Träume, Wünsche, aber auch sein reales Leben ganz wichtige Rollen spielen. Und das soll eingebunden werden in eine Western-Atmosphäre. "Wir wollen allerdings nicht die Vergangenheit bemühen oder irgendeine Zeitepoche darstellen, es spielt im Hier und Jetzt, vielleicht mit ein paar Retro-Elementen", sagt sie im Gespräch mit der NW. Film wird mit insgesamt 3.250 Euro gefördert Was ebenfalls schon feststand, war die Tatsache, dass es ein so genannter "mittellanger Film" werden sollte, der 20 bis 30 Minuten lang ist. "Obwohl ich noch längst kein Drehbuch hatte, habe ich die mir bekannten Versatzstücke zu den Entscheidern geschickt und abgewartet", so Inga Jäger. Sie bekam den Zuschlag und damit eine Fördersumme von 2.000 Euro, von der Asta der Universität gab’s noch einmal 500 Euro und vom Studentenwerk 750 Euro. Jetzt erst wurden die ersten richtigen Kontakte zu Tom aufgebaut, eine Art Drehbuch geschrieben, schließlich die Drehorte und die Drehzeit festgelegt. Insgesamt sind fünf Leute am Set sowie die zwei Hauptakteure, einmal Tom Hölscher und später als „richtiger" Cowboy Christian Roth. Letzterer kommt im Übrigen mit der Bahn am Rahdener Bahnhof an und wird von seinem Traumfan Tom in Empfang genommen. „Das waren für uns einige Schrecksekunden, ob die beiden sich auch verstehen. Aber das stellte sich als völlig problemlos heraus, denn beide hatten einen Vollbart, den sie sich gegenseitig kraulen konnten", lacht Inga Jäger, die bei der Arbeit von ihrem ständigen Begleiter und Produzenten, Armano Forster, unterstützt wird. Ihre Eltern, Martin Jäger-Degenhard und Karen Degenhard, öffneten für zwei Wochen ihr Haus in Eilhausen für die Techniker und die Filmcrew. Karen kochte jeden Tag für die Mannschaft. Die Lebensmittel konnte sie sich umsonst vom Lübbecker Marktkauf holen, der das ungewöhnliche Filmprojekt ebenfalls sponsert. Die Freilichtbühne Nettelstedt spendierte einige Requisiten. Lübbecke und Umgebung wird zum Western-Schauplatz Alle Privat-Pkw stellten die Jäger-Degenhards zur Verfügung, damit das Team mit seiner technischen Ausrüstung zu den Drehorten kam. Und die waren hauptsächlich in Bad Holzhausen in und an der Pension Stork, vor allem auf dem dortigen Reiterhof. Aber auch der Bahnhof Rahden, die Museumseisenbahn in Minden, das große Torfmoor oder die Externsteine bei Detmold spielen eine Rolle. Ein Sonnenuntergang am Hang des Wiehen und ein Lagerfeuer im Garten der Eltern gehörten ebenfalls dazu. Das Wetter spielte in diesem Sommer stets mit. "Wir haben alles sehr minimalistisch gehalten, vieles hat sich erst vor Ort entwickelt", erklärt die junge Filmemacherin. "Mit Tom gab es nie Probleme. Sobald der Dreh begann, war er voll bei der Sache und auch konzentriert. Man musste ihm nur ganz genau sagen, was er zu tun hatte und das wurde genau umgesetzt. Damit hatten wir so nicht gerechnet", sagt die Filmwissenschaftlerin. Der ohne Dialoge und Sprache auskommende Film lebt von Bildern, von Gestik und Mimik der Protagonisten und von der Atmosphäre. Vom Inhalt her sei es eine Mischung der Ebenen – vom "schnöden Alltag Zuhause, wo viele behinderte Menschen festsitzen, und von den erträumten Abenteuern eines Cowboys". Und schließlich kommt noch ein realer Cowboy mit einem richtigen Zug an. "Das war eine schöne Zeit für Tom, der diesen Dreh sehr ernst genommen hat", so Martin Jäger-Degenhard. In der Schule hat er ständig davon erzählt. Er durfte das machen, worauf er richtig Bock hat."

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