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Orientalische Farbenpacht: Wie lenkt man den tobenden Mob ab, der die Prinzessin töten will? Mit einem Hütchenspiel! Phileas Fogg (Volker Kracht), sorgt für Verwirrung. - © Volker Knickmeyer
Orientalische Farbenpacht: Wie lenkt man den tobenden Mob ab, der die Prinzessin töten will? Mit einem Hütchenspiel! Phileas Fogg (Volker Kracht), sorgt für Verwirrung. | © Volker Knickmeyer

Lübbecke Tolle Premiere auf Freilichtbühne Nettelstedt

Jules Verne hätte seinen Spaß

Volker Knickmeyer
15.06.2015 | Stand 14.06.2015, 21:24 Uhr |

Lübbecke. Mit großer Spielfreude, witzigen Einfällen und wolkenlosem Himmel startete die Freilichtsaison auf der historischen Nettelstedter Freilichtbühne. „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne in der Bearbeitung von Claus Martin war ein Volltreffer. 40 große und kleine Schauspielerinnen und Schauspieler zeigten was in ihnen steckt. Das Publikum war begeistert.

Die große Spielgemeinschaft hat sich für diese Saison „In 80 Tagen um die Welt“, Jules Vernes Klassiker von 1873, vorgenommen. Angestaubt wirkte aber gar nichts. Die erste Aufführung am Samstagabend auf der lauschigen Bühne im Wiehengebirge darf als voller Erfolg bezeichnet werden. Hunderte Besucher wollten das Stück sehen. Kurze Grußworte sprach Spielleiter Thomas Kracht und übergab sogleich an Marcus Hannig vom Sponsor Stadtwerke Lübbecke. Hannig versprach, dass sich die Stadtwerke auch weiterhin für die Jugendförderung der Bühne einsetzen werden. Als Dank für das langjährige Sponsoring gab es eine Palette der neu eingeführten Nettelstedter Marke „Turmtropfen“.

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„In 80 Tagen um die Welt“ gibt es in x-verschiedenen Film- und Hörspielversionen. Auch Jackie Shan und Pierce Brosnan haben schon in Jules Verne Verfilmungen mitgewirkt. Man durfte also gespannt sein, wie die über 60-köpfige Schauspielschar – inclusive Zweitbesetzung – das witzige, umfangreiche Stück umsetzten würde. Obwohl Regisseur Claus Martin den Inhalt stark beschnitten hatte, kam man mit Pause auf reichlich drei Stunden. Decken und Kissen waren angebracht.

Phileas Fogg, glaubwürdig von Volker Kracht gespielt, ist kein normaler Mensch. Überpünktlich und übergenau. So besteht er auf 36 Erbsen zum Steak, und der Earl-Grey-Tee hat gefälligst 61 Grad zu haben. Man merkt gleich: Hier werden schrullig-liebenswerte Engländer porträtiert. Jules Verne, selbst Franzose, hat reihenweise Seitenhiebe auf die englischen Eigenheiten eingebaut. Und die Nettelstedter setzen sogar noch einen drauf: Mit „Rule Brittania“ Untermalung, dem Union Jack und einer passenden Kostümierung fühlte sich der Zuschauer sogleich in die britische Kolonialzeit versetzt.

Foggs unzertrennlicher Begleiter Passepartout wurde von Arne-Philipp Arning gespielt. Die Rolle des gewieft-trotteligen Scotland Yard Chief Inspektors Fix übernahm Ernst-Ulrich Wellpott mit seiner rauen Stimme. Sergeant Looney (der auch als Frau überzeugende Philip Öwermann) und sein Chef jagten Fogg hinterher.

Inspektor Fix fahndete nach einem „Mann mittleren Alters und mittlerer Größe“, der die Bank von England überfallen hatte und redete sich schon in Ägypten ein, er habe mit Fogg den Dieb. So begann das Katz- und-Maus-Spiel rund um den Erdball. Garniert mit allerlei kleinen Gags wie der indischen Zugdurchsage auf sächsisch.

Die Requisiten hatten Rainer Bachmann und sein Team zu verantworten, sie wurden jeweils passend aus dem Wald gerollt oder getragen.

Natürlich endet die Geschichte mit einem Happy End, quasi zwischendurch wird noch eine Prinzessin (Carolin Lange) befreit, die Foggs Herz erobert, und Foggs Starrsinn, seine Uhr stets auf Londoner Zeit zu belassen, sorgt dafür, dass er trotz eines Tages Zeitverzugs pünktlich zur Wetteinlösung im Hause von Lady Ensworth (Monika Möhlmann) eintrifft.

Die Umsetzung zeichnete sich durch sprühende Witze, pointierte Bemerkungen und hohe Textsicherheit der Schauspieler aus. Die Mischung aus Volkstheater und Augsburger Puppenkiste war herrlich anzusehen.

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