Freies Internet im Blick: Roland Godwin (l.) und Kai Groß von der Stadt Bad Oeynhausen vor dem Rathaus II. - © Ulf Hanke
Freies Internet im Blick: Roland Godwin (l.) und Kai Groß von der Stadt Bad Oeynhausen vor dem Rathaus II. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Bis zu 400 Nutzer surfen gleichzeitig

Innenstadt: Der Verein Digitalcourage kritisiert das Angebot der Stadtverwaltung und fordert ein „überwachungsfreies Internet“. Die Stadt verweist auf die Datenschutz-Standards

Bad Oeynhausen. Das Gratis-Internet in der Innenstadt und in Teilen des Kurparks ist offenbar ein Erfolg. Bis zu 400 Nutzer haben während des Weihnachtsmarktes in Spitzenzeiten gleichzeitig das Angebot genutzt. Im Schnitt waren die Nutzer jeden Tag fast eine Stunde im Netz und verbrauchten dabei 81 Megabyte Datenvolumen. Insgesamt sind im Dezember etwa 1.000 Gigabyte Bandbreite abgefragt worden. Das geht aus einer Nutzungsstatistik der Stadtverwaltung hervor. Bürgermeister Achim Wilmsmeier hat das Angebot bei der Firma Hotsplots für 63.200 Euro eingekauft, monatlich kostet es 185 Euro. Hotsplots versorgt bereits zahlreiche öffentliche Gebäude in ganz Deutschland, sowie Busse und Bahnen auch in Bad Oeynhausen mit Internet. Unterdessen wird auch Kritik laut. Der Bielefelder Verein Digitalcourage, der jedes Jahr den Negativ-Preis „Big-Brother-Award" verleiht, hält freies WLAN in der Innenstadt für einen deutlichen Schritt zu mehr Überwachung. Der Datenschutzaktivist und Sprecher des Vereins, der in der Öffentlichkeit nur mit dem Künstlernamen „padeluun" auftritt, sagte im Gespräch mit der NW: „Entweder macht man es überwachungsfrei – oder man lässt es." Die Freifunker-Initiative, die vereinzelte Knotenpunkte in der Stadt betreibt, hatte sich dagegen bereits erfreut über das zusätzliche Gratisangebot geäußert. Nutzer des neuen Bad Oeynhausener Gratisnetzes, vermutet padeluun, würden jedoch kaum die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieterfirma lesen. Jeder Nutzer bekommt pro Tag ein Gigabyte Datenvolumen in Bad Oeynhausen und hinterlässt dabei Spuren im Netz. Der Datenschutzaktivist kritisiert, dass die Nutzer nicht in jedem Fall wissen, wer, was mit ihren Daten anstellt. Das technische Konzept WLAN sei zudem überholt, längst werde über 5G diskutiert. Die vielen WLAN-Router an den Laternenmasten der Innenstadt brächten Bad Oeynhausen letztlich näher zu einer „smart city", die ungeahnte Überwachungsmöglichkeiten biete. Den voreingestellten Jugendfilter bezeichnete padeluun als „Schlangenöl", auch weil er leicht umgangen werden könne. Die Stadt Bad Oeynhausen nimmt die Kritik ernst. Roland Godwin, Leiter des Amtes für Informationstechnik und Geoinformation, verwies auf die strengen deutschen Datenschutzstandards der Anbieterfirma. Zugleich wies er die Kritik in Teilen aber auch zurück: „Wir speichern keine personenbezogenen Daten." Der Anbieter Hotsplots sei allerdings gesetzlich verpflichtet, einige Daten zu speichern und vorzuhalten, welche das sind, könne jeder Nutzer einsehen. Und die Stadt bekomme zwar allgemeine Nutzungsdaten, nicht jedoch einzelne Nutzerdaten. Zudem sei mit der neuen Technik aus einer Hand eine entscheidende Schwachstelle des bisherigen Freifunkangebots ausgeschlossen. Im offenen Freifunk-Netzwerk bestehe die Gefahr, dass andere Nutzer auch an Daten gelangen können, die nicht für sie bestimmt sind. Im neuen WLAN-Angebot sind die Nutzer nicht direkt miteinander verbunden. Die 26 Router an den Laternenmasten der Innenstadt verteilen ein Gigabyte Datenvolumen pro Geräte und Tag. Die Router sind über einen Server der Stadtverwaltung angeschlossen, der eine gesicherte Verbindung zum Anbieter aus Berlin und von dort ins Internet aufbaut. Die Stadtverwaltung bietet bereits an mehreren Stellen offenes WLAN über die Firma Hotsplots an: am Rathaus I und auf dem Vorplatz bis hin zum Bouleplatz, der Stadtbücherei, der Musikschule und am Sielbad. Außerdem unterhält das für zahlreiche Kommunalverwaltungen in der Region zuständige Rechenzentrum Lemgo einen Rahmenvertrag mit der Anbieterfirma. Roland Godwin: „Wir haben mit der Firma gute Erfahrungen gemacht."

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