Meist ohne Konsequenzen: Bei auf der Werster Straße eine Fußgängerampel oder eine auf der Mindener Straße eine Kreuzung bei Rot überfährt, bleibt die meiste Zeit von der Polizei unentdeckt. Foto: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Meist ohne Konsequenzen: Bei auf der Werster Straße eine Fußgängerampel oder eine auf der Mindener Straße eine Kreuzung bei Rot überfährt, bleibt die meiste Zeit von der Polizei unentdeckt. Foto: Nicole Sielermann | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Ampelblitzer sind verzichtbar

Rotlichtsünder:NW-Leser sprechen von hunderten Verstößen täglich. Vor allem auf der Mindener Straße ist das Abbiegen gefährlich. Siebenjährige rettet sich an Fußgängerampel Eidinghausener Straße mit einem Sprung

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. „Da haben Sie wohl in ein Wespennest gestochen“, beginnt NW-Leser Siegfried Lübbing das Telefonat. Offenbar. Denn der Artikel „Täglich wird bei Rot gefahren“ vom vergangenen Samstag beschäftigt die Bad Oeynhausener. Das zeigt sich an Leserbriefen, Anrufen und Kommentaren im Internet. Dietmar Buge hatte sich an die NW gewandt, weil er immer wieder Rotsünder auf der Mindener Straße sieht und in Werstes Ortsmitte miterlebt, wie vor allem Lastwagen über rote Fußgängerampeln fahren. Ein Problem, dass der Stadt an zwei weiteren Ampeln in Werste bekannt ist – alle Maßnahmen hätten, so Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich, bisher nichts gebracht. Ähnliches soll, so schreiben Leser, für die Fußgängerampeln an der Eidinghausener Straße gelten. Unliebsame Erfahrungen hat jüngst die siebenjährige Tochter von Maria Röske an der Ampel in Höhe des Tattoostudios gemacht: „Ein Auto ist bei Rot gefahren, hat fast meine Tochter berührt, abgebremst und ist weiter gefahren“, berichtet die Mutter. Noch nicht einmal nachgefragt habe der Fahrer. „Meine Tochter stand total unter Schock.“ Dass an der Ampel nahezu täglich bei Rot gefahren wird, hat Anastasia Tsoraki beobachtet. „Wenn ich mich als Radfahrer auf die Grünphasen verlassen würde, hätte ich mindestens schon vier Mal unter einem Auto gelegen“, berichtet Eileen Benndorf. Besonders schlimm sei das auf der Abbiegespur von der Dehmer Straße zum Werre-Park. Massiv sollen die Rotlichtverstöße entlang der Mindener Straße sein. „In Höhe Rehme ist das ein Fiasko“, sagt Michael Grützkowski. „Wenn kein Stau ist, rauschen die Lastwagen mit 80 durch Bad Oeynhausen“, schreibt Jina Eikötter. Selbst wenn der Autofahrer längst Grün habe, führen Lastwagen über die Kreuzung: Nur durch die Aufmerksamkeit der Ortskundigen passiere nichts Schlimmeres. „Zeitdruck ist kein Grund, andere in Gefahr zu bringen. Andere Berufe haben auch Zeitdruck – trotzdem kann ich nicht über eine Ampel fahren, die schon viele Sekunden Rot zeigt“, kritisiert Eikötter. Stephanie Beimfohr hat den Verdacht, dass die Ampelphasen dringend abgestimmt werden müssten: „Da passt nichts mehr. Gerade an vielen hochfrequentierten Straßen eine Gefahr. Wenn die eine Seite gerade von Grün zu Gelb springt, hat die andere Seite bereits den Übergang von Gelb zu Grün.“ „Wenn ich meine Beobachtungen von der Ecke Mindener Straße/Alter Rehmer Weg hochrechne, fahren schätzungsweise pro Tag 500 Fahrzeuge auf Mindener und Kanalstraße bei Rot“, mutmaßt NW-Leser Siegfried Lübbing. Und zwar nicht nur Lastwagen. Lübbing wohnt direkt in Rehme und passiert nahezu täglich den Kreuzungsbereich Mindener Straße/Alter Rehmer Weg. Ein Problem, das er ausgemacht hat: Die Linksabbieger. „Einige Ampeln für Linksabbieger springen nur bei Bedarf auf Grün“, sagt Lübbing. „Wenn der erste in der Reihe schläft und verzögert anfährt, kommt nur ein Auto durch und es wird für die Nachfolgenden sofort wieder Rot.“ Weil die aber nicht erneut warten wollten, würden somit drei bis fünf weitere Autos bei Rot abbiegen. „Die Polizei interessiert das überhaupt nicht“ Lübbing: „300 Meter weiter ist der Rehmer Friedhof und eine 30-Zone – da wird zweimal die Woche geblitzt und abkassiert.“ Obwohl es dort weder eine Gefahrenstelle gebe noch ein Schulweg entlang führe. „Die Ampel nahezu daneben interessiert die Polizei überhaupt nicht“, bemängelt Lübbing. Und schiebt seinen Verdacht gleich hinterher: „Kontrollen auf der Mindener sind mit Arbeit verbunden. Die Lastwagenfahrer sprechen kaum Deutsch. Und massive Kontrollen würden den Verkehr auf der Mindener Straße komplett kollabieren lassen.“ Der Pressesprecher der Kreispolizei, Ralf Steinmeyer, sieht das anders. Kontrollen ja, aber nur dort, wo es auch Unfallschwerpunkte gibt: „Die Hauptverstöße auf der Mindener und der Kanalstraße geschehen beim Abbiegen, durch zu geringen Abstand und durch Fahrstreifenwechsel“, erklärt er. Nicht aufgrund von nicht-beachteten Rotphasen. Das ist auch der Grund, warum der Kreis Minden-Lübbecke im gesamten Gebiet auf Ampelblitzer verzichtet. Kreissprecherin Janine Küchhold: „Neben der Polizei sind auch die Kreisordnungsbehörden und die großen kreisangehörigen Städte für die Überwachung der Einhaltung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten und der Befolgung von Lichtzeichenanlagen zuständig. Ihre Zuständigkeit erstreckt sich aber nur auf die Überwachung an Gefahrenstellen.“ Während der Kreis Minden-Lübbecke im Verlauf der Mindener Straße Geschwindigkeitskontrollen betreibt, führe die Kreispolizeibehörde laut Auskunft von Küchhold auch eine gezielte Rotlichtüberwachung an den Kreuzungen durch. Weil eine Unfallhäufung, die überwiegend auf Rotlichtverstöße zurückzuführen ist, in den vergangenen Jahren nicht bestand, sehe der Kreis derzeit davon ab, Rotlichtblitzer auf der Mindener Straße zu installieren. „Beobachtungen zeigen vielmehr, dass festgestellte Rotlichtverstöße vielfach dem hohen Verkehrsaufkommen und dem damit verbundenen Stop-and-Go-Verkehr geschuldet sind.“ Letztlich, so die Kreissprecherin, werde die Fertigstellung der Nordumgehung die Verkehrssituation entschärfen.

realisiert durch evolver group