Bad Oeynhausen Die Paul-Baehr-Villa feiert Geburtstag

Jubiläum: Die Villa am Kurpark ist eines der wenigen Gebäude aus dem Historismus. Vor 125 Jahren wurde sie vom ersten Ehrenbürger erbaut

Friderieke Schulz

Bad Oeynhausen. Es ist kein Zufall, dass die Feierstunde zum 125. Jubiläum der Paul- Baehr-Villa auf den 40. internationalen Museumstag fällt. Nicht, weil in der Villa des ersten Stadtchronisten inzwischen das deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum zu Hause ist, sondern wegen dem diesjährigen Motto des Gedenktages. "Er steht in diesem Jahr unter dem Thema: Spurensuche. Mut zur Verantwortung", sagt Hanna Dose. Die Leiterin der städtischen Museen erklärt, dass Paul Baehr mit seiner Villa, aber auch mit seinem Wirken in der Stadt deutliche Spuren hinterlassen habe. "Nach seinem Tod hat er der Stadt seine Villa vermacht und festgelegt, dass diese nicht veräußert werden durfte", so Dose. Auch Bürgermeister Achim Wilmsmeier stellt die Besonderheit des ersten Ehrenbürgers der Stadt heraus. "Er war sicher ein Vordenker in vielen Bereichen. Seine Villa ist eines der wenigen öffentlich zugänglichen Gebäude dieser Zeit", so Wilmsmeier. Was genau dieses Haus so besonders macht, hat Barbara Pankoke von der oberen Denkmalbehörde aus Münster aufgearbeitet. "Auf den ersten Blick ist da nicht allzu viel. Da mussten wir etwas graben", sagt sie und zeigt historische Fotoaufnahmen des Hauses. Denn der herrschaftliche Balkon ist keineswegs durch Zufall in Richtung Kurpark entstanden. "Damals stand vor dem Badehaus noch die Wandelhalle. Da der Hausherr im Rollstuhl saß, hat er womöglich von den Balkonen aus das Treiben beobachtet", so Pankoke. Erste Lage also. Damals und heute. Viele Kleinigkeiten zeugen von dem Reichtum des Bauherren, vermutlich aus der Militärpension und Familienerbe. Feines Beschlagwerk an den Säulen lässt auf Einflüsse aus der Weserrenaissance schließen, die Fassade ist an die Neorenaissance angelehnt und die Flügeltüren, wie sie im Erdgeschoss mal hingen, sprechen für den Jugendstilcharakter. Das Haus gehört jedoch in die Epoche des Historismus. Das haben die Funde bei den Restaurationsarbeiten gezeigt. "Die Räume waren sehr dunkel gestrichen, ebenso die Fassade. Vielleicht in einem pompeji-rot", so Pankoke. Viele der Elemente sind über die Jahre der Nutzung verloren gegangen. "Nach dem Tod war erst ein Pensionsbetrieb hier drin, nach dem Krieg die Briten. 1973 ist das Märchenmuseum eingezogen und um 1980 auch die städtische Galerie. Erst in den späten 1990er Jahren fand eine grundlegende Sanierung statt", weiß Stadtheimatpfleger Klaus Peter Schumann. Doch es ist nicht so, dass man heute nichts mehr von damals sehen kann. Die Fassade ist so gut wie Original. Nur die kleine Gaube auf dem Türmchen und die gusseisernen Spitzen auf dem Turm fehlen. Im Inneren sind Treppe, Boden und zumindest im Kellerraum auch die Türen erhalten. Die großen Jugenstiltüren hängen zwar nicht mehr, liegen aber gut verstaut im Keller der Villa. "Die mussten wegen Brandschutzauflagen leider weichen", sagt Björn Lademann. Der Denkmalingenieur der Stadt ist an diesem Tag der Spurensucher. Zunächst den Ehrengästen, am Nachmittag dann auch der Öffentlichkeit, zeigt er das Haus und verweist auf die historischen Besonderheiten. Die Führung führt auch in Räume, vor denen sonst das Schild "Zutritt verboten" hängt. "Es ist doch schön zu sehen, wie viel dennoch erhalten blieb. Die Balkone unten und oben sind einmalig", sagt Angela Weber und Marlies Obalski ergänzt: "Diese ganze Optik bildet ein tolles Ambiente für das Märchenmuseum." Zu gut, dass die Feierstunde zum Jubiläum des Hauses auf den internationalen Museumstag fällt.

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