Der neue Doppelstock-Intercity 2 wird auf der Strecke Dresden - Köln nicht mehr in Bad Oeynhausen halten. - © dpa
Der neue Doppelstock-Intercity 2 wird auf der Strecke Dresden - Köln nicht mehr in Bad Oeynhausen halten. | © dpa

Bad Oeynhausen Bahn streicht die Hälfte der IC-Halte in Bad Oeynhausen

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember fallen zehn von 21 Intercity-Verbindungen weg

Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen/Berlin. Der neue Doppelstock-Intercity 2 auf der Strecke Dresden - Hannover - Köln wird ab dem 11. Dezember nicht mehr in Bad Oeynhausen halten. Die Deutsche Bahn (DB) begründet dies damit, dass man "auf der stark ausgelasteten Strecke trotz zunehmender Baustellen zuverlässig den Fahrplan einhalten" müsse. Bad Oeynhausen sei "der am wenigsten genutzte IC-Halt auf dieser IC-Linie. Doch für viele Pendler nach Hannover dürfte dieses deutlich längere Fahrzeiten über Herford oder Minden bedeuten, die über die von der DB genannten Werte von 10 bis 20 Minuten hinausgehen. Der IC nach Oberstdorf hält weiter in Bad Oeynhausen. Aktuell halten 21 Intercitys in Bad Oeynhausen. Ab Dezember werden es nur noch zehn sein. "Das ist ein Schlag für die Stadt und die Berufspendler", erklärt ein aufgebrachter Stefan Schwartze (SPD) im Gespräch mit der NW. Der heimische Bundestagsabgeordnete hatte die Bahn angeschrieben, nachdem sich in Bad Oeynhausen eine Gruppe von Berufspendlern formiert hatte, die gegen die Pläne der Bahn protestieren. Die Pendler um Initiator Bernd Homburg hatten Mitte August öffentlich gemacht, dass die Bahn ab 4. September den IC 2445 und den IC 2442 durch den neuen, doppelstöckigen IC 2 ersetzen will, der dann aber in Bad Oeynhausen nicht mehr hält. Diese Züge bringen die Pendler bislang täglich nach Hannover und wieder zurück. Die Pendler hatten bereits vor zwei Wochen die Befürchtung geäußert, dass die Deutsche Bahn die Kurstadt langfristig vom Fernverkehr abhängen wolle. Mit dem neuen Fahrplan ist diese Befürchtung nun schon zur Hälfte Realität geworden. Pendler sammeln Unterschriften Für eine Petition an den Deutschen Bundestag gegen die Pläne der Bahn sammeln die Pendler Unterschriften. Die Listen liegen aus in der Geschäftsstelle der Neuen Westfälischen, im Herzzentrum, dem Krankenhaus Bad Oeynhausen, der Gollwitzer-Meier-Klinik, der Neuen Apotheke, der Brunnenapotheke und der Apotheke zur Post. "Erst wird alles Mögliche getan und dann streicht die Bahn den Fernverkehr. Das ist äußerst verwunderlich", schimpft Schwartze. Er spielt damit auf die Renovierung des Bahnhofs an, die mit dem Spatenstich im Mai 2012 im Beisein von NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger gestartet war. Auf die Mitteilung der Bahn reagierte am Dienstag auch Bürgermeister Achim Wilmsmeier: "Selbstverständlich wird die Stadt Bad Oeynhausen diese Entscheidung der Bahn nicht so einfach hinnehmen und sich für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Dazu kommt das Thema auf die Tagesordnung in der Ratssitzung Mitte September. Darüber hinaus werden wir Gespräche mit Landes- und Bundespolitikern forcieren und auch mit der Bahn selbst Kontakt aufnehmen", ließ Wilmsmeier über seinen Pressesprecher mitteilen. Ausgesprochen sauer über diese Entscheidung ist Torsten Varlemann. Der Bad Oeynhausener und seine Frau pendeln mehrmals in der Woche aus beruflichen Gründen nach Erfurt. "Pro Strecke brauchen wir künftig eine Stunde mehr", sagt Varlemann. Er gebe jährlich mehr als 5.000 Euro für Bahnfahrkarten aus. Künftig werde er auf diese Investition verzichten und auf Auto oder Fernbus umsatteln. "Die Pendler verlieren Zeit und die Stadt ihren IC-Halt. Und das nur, weil die Bahn das falsche Material gekauft hat", sagt Varlemann. Kritik an Informationspolitik In das gleiche Horn bläst auch der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Tim Ostermann: "Ja, ich bin sauer. Das Grundübel ist, dass schnelle Züge durch langsame ausgetauscht werden. Und um das zu kompensieren, werden Halte gestrichen", so Ostermann. Kurz nach dem die Bahn am Dienstag die Streichung der IC-Halte in Bad Oeynhausen bekanntgegeben hatte, suchte Ostermann das Gespräch mit der DB Fernverkehr. In dem Telefonat kritisierte Ostermann die Informationspolitik der Bahn: "Ich habe meinen Unmut sehr deutlich gemacht. Es kann nicht sein, dass solche Veränderungen zufällig herauskommen und das es keine Information an die Kunden gibt." Möglichkeiten, das Rad zurückzudrehen, sieht Ostermann indes kaum. "Die Züge werden nach und nach ausgeliefert und ersetzen die alten ICs", sagt Ostermann. Besonders geärgert hat sich Tim Ostermann gestern über ein Angebot, das die Bahn der Stadt gemacht hat. "Das wirkt wie ein Trostpflaster", sagt Ostermann, "die Bahn bietet der Stadt ein Marketing-Konzept an. Es könnte ja in der DB-Zeitschrift, die in den Zügen ausliegt, ein Beitrag über Bad Oeynhausen platziert werden."

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