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Guter Start ins neue Jahr: Joey und seine Pflegemutter Sabrina Upmeier freuen sich schon jetzt, nach drei in der Uniklinik verbrachten Weihnachtsfesten, auf ihr Zuhause. Das Foto entstand vor der Operation. Noch liegt der Junge auf der Intensivstation. - © Armin Kühn
Guter Start ins neue Jahr: Joey und seine Pflegemutter Sabrina Upmeier freuen sich schon jetzt, nach drei in der Uniklinik verbrachten Weihnachtsfesten, auf ihr Zuhause. Das Foto entstand vor der Operation. Noch liegt der Junge auf der Intensivstation. | © Armin Kühn

Bad Oeynhausen/Bünde Neues Herz für 7-jährigen Joey aus Bünde

Junge wartet zweieinhalb Jahre auf ein Spenderherz / Weihnachten kam dann die ersehnte Nachricht

Franz Purucker
05.01.2016 | Stand 05.01.2016, 18:26 Uhr

Bad Oeynhausen. Die frohe Botschaft kommt am ersten Weihnachtstag: „Wir haben ein Spenderherz". 865 Tage muss der siebenjährige Joey im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen (HDZ) auf diese Nachricht warten. Der Junge leidet von Geburt an an einem sogenannten hypoplastischen Linksherz-Syndrom (HLHS) – sein Herz hat nur eine Kammer.Im August 2013 stellen seine Ärzte fest, dass Joey ein Spenderorgan braucht, mit seinem Herz kann der Junge nicht überleben. Zehn Stunden dauert die Herztransplantation am zweiten Weihnachtstag. Lange ist nicht klar, ob der Körper des Jungen das Herz annimmt. Seine Pflegemutter Sabrina Upmeier und sein „Opa" Gerd Upmeier bangen um das Kind. „Joey ist ein aufgeweckter Kerl, eine echte Granate. Er wird es schaffen", ist sich der Großvater sicher.Nach 15 Stunden die erste gute Nachricht: Joey atmet ohne maschinelle Hilfe. Gezeichnet von der Operation und den Medikamenten erwacht der Junge wenig später auf der Intensivstation des Herzzentrums. Joey ist in den besten Händen: Seit 1992 wurden im Kinderherzzentrum 153 Patienten vom Neugeborenen- bis zum Erwachsenenalter erfolgreich transplantiert.Anruf als Weihnachtswunder Montag dann die erleichternde Botschaft der Universitätsklinik: Joey hat die Herztransplantation gut überstanden. In wenigen Wochen kann er das Herzzentrum verlassen. Für Gerd Upmeier ist das das Weihnachtswunder: „Wir haben zweieinhalb Jahre lang jede Stunde auf einen Anruf gewartet – und dann kommt er am Weihnachtstag – das passt!"Bisher war Joeys Herz kaum belastbar, da es nicht ausreichend gepumpt hat. Das neue Herz erlaubt eine schnelle Erholung des ganzen Körpers, erklärt Eugen Sandica, herzchirurgischer Direktor im Kinderherzzentrum des HDZ: „Schon nach wenigen Tagen auf der Normalstation werden sich die Angehörigen wundern, was er alles schafft."Die Pflegemutter, Sabrina Upmeier, wohnt bei ihren Eltern in Bünde und wird mit Joey ein Zimmer im Obergeschoss des Hauses beziehen. Sie hat den Kleinen im Alter von vier Monaten aufgenommen und einen wahren OP-Marathon mit ihm durchgestanden. Während Joey 29 Monate im HDZ auf ein Spenderherz wartet, weicht die Grundschullehrerin nicht von seiner Seite. Sie wohnt im Elternhaus der Ronald-McDonald-Kinderstiftung in Bad Oeynhausen.Infektionen vermeiden „Das Warten hat nun ein Ende, aber die Schwierigkeiten gehen weiter", erklärt Gerd Upmeier, der bereits eine spezielle Allergikermatratze und einen eigenen Kühlschrank für seinen Enkel besorgt hat. Besonders in den nächsten Wochen muss eine Infektion unbedingt verhindert werden. „Es geht um eine Reduzierung der Bakterienfänger, beispielsweise um die Vermeidung des Kontakts mit Blumenerde, weil sich dort oft Schimmelsporen befinden.", erklärt der behandelnde Herzchirurg Eugen Sandica.In Zukunft kann Joey aber ein Leben wie andere Kinder führen und gemeinsam mit Freunden spielen. Selbst kleine Infekte müssen aber lebenslang vermieden werden. „Sollte es in der Schule vermehrt Kinder geben, die erkältet sind, bekommt Joey einen Mundschutz, um sich nicht anzustecken". Bei schweren Grippewellen kann es auch wieder zu einer erneuten vorübergehenden Isolierung kommen. Medikamente wird Joey sein Leben lang nehmen müssen.

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