Gut gewählt: Lucy Maier hat die Kurstadt Bad Oeynhausen der Schweiz vorgezogen.
Gut gewählt: Lucy Maier hat die Kurstadt Bad Oeynhausen der Schweiz vorgezogen.

Bad Oeynhausen Neue Heimat Bad Oeynhausen

Warum Auswärtige die Vorzüge des Kurorts schätzen

Peter Steinert

Bad Oeynhausen. Junge Leute suchen schon mal das Weite und kehren der Kurstadt den Rücken. Für Auswärtige aber ist Bad Oeynhausen richtig anziehend. Das liegt sicherlich an dem Gesundheitsstandort mit dem renommierten Herz- und Diabeteszentrum sowie zahlreichen weiteren Kliniken. Aber nicht nur. Wenn Deutsche so tun, als würden sie wie Schweizer sprechen, dann versuchen sie das mit einem eingelegten Kratzen in der Kehle. Es klingt trotzdem immer ein wenig bemüht. Wenn Lucy Maier das Wort ergreift, dann fällt der Schweizer Einschlag zwar auf, er hört sich aber sehr selbstverständlich an. Was kein Wunder ist, denn die 90-Jährige ist in Zürich und Basel aufgewachsen. Vor knapp 50 Jahren entschied sie sich Heilpraktikerin zu werden. Doch ihr Heimatland verwehrte ihr diese Ausbildung. "Ich war zu alt dafür. Deswegen bin ich nach Deutschland gezogen", sagt Lucy Maier. Als Heilpraktikerin arbeitete sie lange Zeit in Bad Rothenfelde, ehe sie vor fünf Jahren nach Bad Oeynhausen kam. Zurück in die Schweiz wollte sie nicht. "Ich habe mich immer in Deutschland wohl gefühlt. Es wäre ein wenig despektierlich, wenn der Umzug nach Bad Oeynhausen mit dem Ruhestand gleichgesetzt würde. Denn Lucy Maier ist alles andere als ruhig. "Wegen dem herrlichen Kurhaus und den vielen Veranstaltungen bin ich nach Bad Oeynhausen gekommen", erzählt die betagte Dame munter. "Die Stadt ist schön. Vom Sternzeichen her bin ich Löwe. Und Löwen lieben das Schöne. Ich habe mich hier schon gut amüsiert", sagt Lucy Maier. Wer im hohen Alter umzieht, der wechselt häufig innerhalb der selben Stadt in ein Altersheim. Der Bequemlichkeit oder der Pflege wegen. Begeistern muss das nicht. Dr. Carl Hellmut Boehncke sagt das Gegenteil. Er könnte in einem Werbeclip für das Seniorenzentrum Bethel auftreten, wo er mit seinen 92 Jahren den agilen und restlos zufriedenen Pensionär gibt. Selbst ein kleiner Film könnte über ihn entstehen. Denn erzählen würde der 92-Jährige reichlich. Zum Beispiel, dass er die meiste Zeit des Zweiten Weltkriegs in einem Internat in der sicheren Schweiz verlebt hat, wo er das Schwyzer Deutsch gelernt hat. Würde er Lucy Maier kennen, dann könnte er sich wohl blendend mit ihr unterhalten. Erzählen könnte er auch über sein Leben als Diplomat. Ein Beruf, der ihn für das Auswärtige Amt nach Uruguay, Paraguay oder Honduras führte. Die vorletzte Station war Bilbao in Spanien. "Ich wollte wieder nach Europa. Bilbao galt wegen der Basken als gefährlich. Ich wusste aber, dass die nur Spanier umbringen", sagt Carl Hellmut Boehncke, der 1987 pensioniert wurde und zuletzt in Hamburg lebte. Schwiegersohn Rüdiger Petzoldt habe ihn vor einem drei viertel Jahr nach Bad Oeynhausen gelockt. Bereut hat Carl Hellmut Boehncke den Wechsel nicht. "Ich habe niemals daran gedacht. Jetzt aber bin ich froh, dass mein Schwiegersohn mich nach Bad Oeynhausen gebracht hat." Froh in der Kurstadt zu sein sind auch Mirela Andrei (40) und ihr Mann Ilie Nita (48), die seit viereinhalb Jahren mit ihrer inzwischen 16-jährigen Tochter Elena Alexandra von Rumänien nach Bad Oeynhausen gezogen sind. "Unsere Tochter hatte einen angeborenen Herzfehler", erzählt die Mutter, die sich "die besseren Lösungen" für eine notwendige "Komplettreparatur" im Herzzentrum versprach. "Sie war so mutig", sagt Mirela Andrei, "sie hat um ihr Leben gekämpft. Und sie hat bis jetzt gewonnen." Längst hat sich die Familie eingelebt. Mutter und Vater haben eine Anstellung gefunden, die Tochter geht zur Realschule Nord. Erst unlängst kam Besuch von Mutter und Schwiegermutter. Das Datum schien gut gewählt: der 8. März. "Das war nicht nur der internationale Frauentag sondern in Rumänien auch Muttertag", sagt Mirela Andrei. Beiden Besucherinnen habe es in Bad Oeynhausen sehr gut gefallen. Allerdings wünschten sie sich nichts sehnlicher, als dass die Familie wieder zurück kehre. Die Antwort von Mirela Andrei fiel unmissverständlich aus: "Das geht nicht. Hier ist unsere Tochter sicher. Hier ist unsere Heimat."

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