Oerlinghausen. Der Wahlkampf ist eigenartig in dieser Zeit. Die Berichterstattung auch. Die geplante Podiumsdiskussion, in der die Bürgermeisterkandidaten Dirk Becker (SPD) als Amtsinhaber sowie Julia Eisentraut (Grüne) und Lars Cohrs (CDU) als Herausforderer ihre politischen Vorstellungen hätten präsentieren können, konnte nicht veranstaltet werden. Das Risiko einer Infektion war zu groß.
Die Alternative ist eine Podiumsdiskussion ohne Podium und ohne Auditorium. Die drei trafen sich im Sitzungssaal der Stadtwerke.
CORONA
Der Bürgermeister, die Bürgermeisterin ist als Chef der Verwaltung verantwortlich dafür, dass das Infektionsrisiko in der Stadt möglichst gering bleibt. Wichtig sei, sagt Eisentraut, dass die Hygiene- und Maskenregeln eingehalten werden. Da sich Corona über Aerosole verbreitet, muss auf gute Belüftung geachtet werden. Dem schließen sich auch Cohrs und Becker an. Überhaupt wird während der Diskussion klar, dass es zwischen den drei Kandidaten kaum nennenswerte Diskrepanzen gibt. Niemand nimmt außergewöhnliche Positionen ein. Cohrs betont, dass man nur die vorgegebenen Maßnahmen weitergeben und auf deren Einhaltung achten kann. Becker weist auf die behördlichen Vorgaben hin, die mittlerweile vom Landesgesetzgeber ausgegeben sind. „Wir sprechen mit Veranstaltern und wirken darauf hin, dass die Veranstaltungen nur so groß werden, dass die Veranstalter sie noch kontrollieren können.“
BÜROKRATIEABBAU
„Es muss weiterhin für die Bürger Ansprechpartner geben. Wie das in Coronazeiten ermöglicht werden kann, muss erörtert werden“, sagt Lars Cohrs. Für Becker ist es die Möglichkeit, dass Bürger „ohne großes Zettelwirrwarr“ Kontakt zur Behörde aufzunehmen. „Das Selbstverständnis, mit dem mittlerweile beispielsweise Online-Banking betrieben wird, muss sich auch in der Behörde niederschlagen.“ Daneben müsse es aber auch noch Ansprechpartner im Rathaus geben. Alle drei sind der Ansicht, dass eine gute Kombination das Beste sei.
Eine Leserfrage lautet: Was ist in Oerlinghausen so schlecht, dass Sie es besser machen müssen? „Warum muss denn etwas schlecht sein, damit man es besser machen kann? Man kann es doch auch einfach etwas anders machen oder ergänzen“, sagt Cohrs. „Oder man kann einen anderen Schwerpunkt setzen“,, sagt Eisentraut. „Ich kann auch nicht sagen, dass in Oerlinghausen etwas schlecht ist.“ Cohrs kritisierte, dass in der Bergstadt die Parteien zu wenig miteinander reden. „Dieses gegenseitige Einschätzen und Bewerten von Menschen nur aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Partei, das ist nicht gut.“ Becker ergänzt, dass dabei auch alle Parteien und Fraktionen mitmachen. Für Julia Eisentraut ist das Schöne an der Kommunalpolitik, dass sie nicht „ideologisch aufgeladen ist“. „Und viele Sachentscheidungen sind hier im Rat einhellig getroffen worden“, sagt sie.
TOURISMUS
Becker macht darauf aufmerksam, dass der Tourismus weiter gestärkt werden muss. „Wir haben das Freilichtmuseum, wir haben das Naturschutzgroßprojekt und wir werden noch ein Klimaerlebniszentrum dazubekommen – das ist dann schon super.“ Und die ausgebauten Wanderwege würden auch von Menschen angenommen, die aus dem Ruhrgebiet kommen. Was alle drei als notwendig erachten, sind Übernachtungsmöglichkeiten. Da könnte es Kooperationen mit den ansässigen Unternehmen geben. Eisentraut würde die Ausschilderung der Wanderwege verbessern, um die Touristen besser zu leiten.
SÜDSTADT
Die Conle-Siedlung ist für alle Kandidaten ein Problem, das angegangen werden muss. Jedoch sei die Handhabe, die die öffentliche Hand habe sehr, beschränkt. „Es ist wohl leider so, dass der Eigentümer kein Interesse an den Mietern hat“, sagt Becker. „Aber immerhin haben wir ein Vorkaufsrecht für die Siedlung.“
MEDIZINISCHE VERSORGUNG
Zum Facharztmangel in der Stadt sagten alle drei, dass dafür die Kassenärztliche Vereinigung zuständig sei. Sie sprachen sich gegen eine finanzielle Förderung neuer Praxen aus, weil das in einen Konkurrenzkampf lippischer Kommunen ausarten würde.